viking1979
schrieb am 3. September 2010
um
14:08
@Maus
Mit Dir ist doch keine konstruktive Disskussion zum Thema möglich. Und nicht daß Wir Uns falsch verstehen: Ich bin nicht gegen moderne Architektur! Ich mag nur gewisse moderne Bauten nicht. Aber nur weil ich sie nicht mag, deswegen bin ich nicht gegen sie. Jeder Bauherr hat doch das Recht seine Vision zu verwirklichen. Und ich will auch nicht das überall nur Rekonstruktionen errichtet werden oder nur noch im Stile vergangener Jahrhunderte gebaut wird. Es geht hier um einige wenige gezielte Bauten, die im Rahmen iher Umgebung und Bedeutung als Gesamtkunstwerk zu sehen sind. Das hat nichts mit Kitsch zu tuen oder sich eine andere Welt herbeisehnen, noch mit Verdrängung. Aber was ist denn ein Kunstwerk? Ist es nur die Idee oder ist es deren Ausführung? Und wenn man ein zerstörtes Kunstwerk neu erschafft, ist es dann weniger orginal als das ursprüngliche? Ist es nicht egal aus welchen Materialen, ob alt oder neu, etwas gebaut wird? Erlebbar gemacht wird ja nur die ursprüngliche Idee, der Baumeister, die an dem Schloss beteiligt waren.
Und was heißt schon Schein? Wenn Du etwas von Architektur verstehen würdest, dann wüßtest Du, daß Architektur auch immer mit Schein arbeitet, um gewisse Einblicke, Ausblicke oder auch Illusionen zu vermitteln. Und ganz besonders die moderen Architektur bedient sich dieses Stilmittels. Wir leben alle in einer Welt aus Schein, die Wir Uns selbst erschaffen und zu unserer Realität erklären.
Und Geschmäcker sind nun mal verschieden. Ich glaube auch nicht, daß Du mit Deinem Kreuzzug hier im Forum Erfolg haben wirst.
Und persönlich beleidigend bist Du auch selber. Nicht direkt, aber indirekt mit Deinen Ausführungen. Sie zielen doch nur darauf ab, alle Schlossbefürworter als Träumer, Kitschverliebte und ewig Gestrige, die mit der heutigen Realität nicht klar kommen und keine Ahnung von Architektur oder moderner Architektur haben, zu diffamieren.
Da jede weitere Diskussion mit Dir zu keinem Ergebnis führen wird, werde ich hiermit meine Ausführungen zum Thema Maus beenden und nicht mehr aufnehmen.
Maus
schrieb am 3. September 2010
um
12:39
Viele Mitglieder gebrauchen diese Seite, die eine öffentliche Plattform darstellt, um ihre persönliche Sichtweise darzulegen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn ich nun dem Leser die Punkte zeige, über die er einmal nachdenken kann, tue ich nichts anderes. Zudem sollte auffallen, dass ich mir die Mühe mache meine Aussagen zu belegen, und Vergleiche anzustellen, die aus diesem kleinen Kreis hier hinausführen. Womit auch deutlich werden soll, dass es sich nicht allein um eine singuläre Meinung handelt, sondern i.d.R. um gesellschaftlichen Konsens.
Es gibt hier genug Vorträge die mit manipulativer Rhetorik diesen Konsens absprechen möchten. (Es handelt sich hier bspw. nicht um \"alte Architektur\", genausowenig wird diese von zeitgenössischen Entwerfern aus \"Überheblichkeit\" diskreditiert, usw. In diesem Zusammenhang steht auch die ablehnende Haltung der staatlichen Denkmalpflege zu dem Projekt.)
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Wie ist es den möglich, dass man hier gegen zeitgenösische Architektur und Architekten regelrecht agitiert, muss man schon sagen, ohne das dazu jegliche Kenntnisse der Personen erkennbar wären?
Die Rekonstruktion macht ja erst den \"schönen Schein\". Warum dieser Schein aber gewollt ist, macht zum einen sehr anschaulich, die von mir unten verlinkte Arbeit deutlich.
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Die Beziehung zwischen Kitsch und Tourismus ua., ein beinahe 10 Jahre alter Artikel:
http://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm0901/090124.htm
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@Mitteinsherz: Das angeführte Vergleichsmaterial ist nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Wie schon bemerkt, diese werden erkennbar, wenn man einmal selbst nachliest.
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Im übrigen möchte ich die Moderation / den Seitenbetreiber einmal darauf aufmerksam machen, dass persönliche Beleidigungen, auch im Internet, zu unterbinden sind. Solche Entgleisugen werfen sicher auch kein gutes Licht auf Ihre Sache. Mir fällt es nicht schwer einen sachlichen Ton beizubehalten, und möchte nicht als \"Troll\" bezeichnet werden.
Grüße
MitteinsHerz
schrieb am 3. September 2010
um
8:54
OOOOOOOOOOOOH Bitteeeeeeeeeeeeeeeeee ignoriert eeeeeeeendlich diese unsägliche Ratt..., äh sorry Maus, natürlich! Wir wollen sie ja schließlich nicht größer machen, als sie ist. 😉
Aber es dürfte doch auch inzw. jeder mitbekommen haben, daß es sich hier eindeutig um einen Troll handelt, der effektiv lediglich DAS Ziel verfolgt, hier Unfrieden zu sähen und damit die Sache ansich zu torpedieren. Ihre Waffen sind wahlloses Verlinken diverser Literaturhinweise, die, notfalls völlig aus dem Zusammenhang gerissen, irgendwie nur ansatzweise suchen, ihre plattitüdenhaften Anfeindungen gg. das Projekt zu \"untermauern\". Müssig zu versuchen darauf konstruktiv zu reagieren, wird sofort in lächerlicher Art und Weise mit einem neuerlichen Link-Bombardement darauf reagiert, verbunden mit weiteren haarsträubenden Thesen, die mit konstruktiver Diskussion soviel zu tun haben, wie Kubismus mit Eleganz...
Drum, gemäß dem guten alten Vorsatz der virtuellen Welt: \"Don´t feed the Trolls!\" ist Ignorieren die einzig wirksame Umgangsform mit diesem Zeitgenossen...
Kreuzberger
schrieb am 2. September 2010
um
23:10
Okay, überzeugt! Der Campanile auf der Piazza San Marco in Venedig ist umgehend niederzureißen! Weg damit! Er ist eine Beleidigung für jeden gebildeten Touristen!
Maus
schrieb am 2. September 2010
um
16:01
Mit Kitsch umgeben sich Menschen, um sich selbst zu täuschen. Selbsttäuschung aber soll helfen eigene Probleme zu verdrängen, die man zunächst nicht zu lösen vermag. In dem Sinne kann man die ganze Rekonstruktions-Manie sehen. Ob in Berlin, Potsdam oder Frankfurt. Sie ist eine Reaktion auf eine sich rasant verändernde Welt, die in vielen Zeitgenossen Angst hervorruft. Diese Veränderungen aber werden ,zur Ironie, durch die Lebensweise der gleichen Menschen mitverursacht. Was die Befürworter des Projektes suchen, ist so etwas wie \"Heile Welt\", ein \"Idyll\" wie es eben Ihren Vorstellungen entspricht.
Eng verwandt damit ist der Beitrag von Grumbkow, hier auf dieser Webseite:
http://blog.berliner-schloss.de/allgemein/omas-gute-stube-behaglichkeit-im-offentlichen-raum/
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Der Titel der Arbeit unten, \"DER SCHÖNE SCHEIN\", besagt ja, dass es um Objekte geht, die etwas vortäuschen sollen. Somit ist der ganze Absatz bei (2369) unerheblich, da es nicht um die Nutzung bestehender Bausubstanz geht. Umgenutzte oder nachgenutzte Originalbauwerke täuschen ja nichts vor.
Das Zitat in 2369: \"Weg mit den Kirchen! Weg mit den Schlössern! Weg mit den Domen!\", - ist eine Reaktion, für die in den vorausgegangenen Ausführungen keine Ursache auszumachen ist, ist somit leere Rhetorik. Zudem war nicht eines der Gebäude, die unten genannt werden zerstört, sondern wurde allenfalls umgenutzt. Ausbesserungen, vielleicht auch Ergänzungen von Altbausubstanz sind doch eher so etwas wie Reperaturen und Instandhaltungsmaßnahmen.
Der Neubau (Nachbau!) eines Gebäudes ist in dem Sinne eine Täuschung.
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Diese Arbeit von Ingeborg Drews ist mit Hinblick auf das Rekonstruktionsprojekt Berliner Schloss sehr ergiebig:
\"DER SCHÖNE SCHEIN\",
Eine psychologische Untersuchung der Wirkungsgeschichte des Kitschs.
(Köln 2003)
Ein weiterer interessanter Abschnitt ist ua. von S. 201unten bis S.202 unten zu lesen!
Zitate:
\" ... Man sieht über geistig erreichtes hinweg ... \"
\" ... die Vernachlässigung des Angemessenen ist Voraussetzung für Kitscherleben und kitschiges Verhalten ... \"
\" ... Es gibt also keine Erkenntnis des Kitsch ohne die Kenntnis von Kunst ... \"
LINK:
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=969867247&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=969867247.pdf
Grüße
Kreuzberger
schrieb am 1. September 2010
um
23:38
Immerhin kommt er mit einem neuen Thema. Kitsch! Dabei fällt mir aber eher die benachbarte Domkuppelbekrönung ein oder die giftgrünen Nikolaiviertel-Stufengibel in betongegossener Schummelgotik oder dieser unsägliche Wandschmuck mit Friedenstaube \"Berlin - Stadt des Friedens\". Kitsch gibt es dort an jeder Ecke, aber dieser Kitsch resultiert durchgehend aus falschem Architekturverständnis; aus einer Anbiederung an Traditionelles, ohne tieferes Verständnis für Architekturgeschichte. Was hat das aber mit den geplanten Schlossfassaden zu tun? Kitschige Elemente sind dort durchaus geplant, aber die sollte man auch konkret benennen. Es sind die modernistischen Zugaben, die kitschig sind, nicht die Rekonstruktion des barocken Schlosses selbst.
Berliner Kater
schrieb am 1. September 2010
um
15:13
Und schon wieder ist jemand auf unseren allseits berüchtigten Mäuse-Troll hereingefallen. Neue Gästebuchbesucher merken nicht gleich, mit wem sie es zu tun haben, und das Mäuserennen - immer im Kreise herum - geht munter weiter.
viking1979
schrieb am 1. September 2010
um
10:15
@Maus
Nun komm mir doch bitte nicht auf so einer pseudopsychologischen Schiene. Es allein damit zu erklären ist viel zu einfach und kurzsichtig. Ich kenne das Buch nicht, aber aus dem Zusammenhang gerissene Zitate sind doch eher eine schwache Argumentation. Und nur weil so etwas in einer Doktorarbeit steht, heißt das noch lange nicht, dass es der Wahrheit entspricht! Es gibt immer konträre Meinungen und, Vorstellungen und Erklärungsansätze. Und das Schloss kann man wohl kaum als Kitsch bezeichnen. Zu seiner Zeit war das ein innovativer Bau gewesen. Der seinem Zeitgeschmack entsprochen hat. Es geht hier um das Gesamtkunstwerk! Und wenn Du meinst, das sei kitschig. Bitte! Dannn bin ich eben kitschig! Weder will ich in dem Schloss nicht wohnen, noch habe ich meine Wohnung im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet.
Was heißt hier Attrappe? Ich gebe zu: Ohne historische Innenräume, hat das Schloss nur eine schlossartige Außenfasade. Ich hätte es am Liebsten mit historischen Innenräumen.
Aber wenn man Deiner Argumentation folgt, müßte man auch alle alten Bauten abreißen und sie durch neue ersetzen. Denn immer wenn ein altes Gebaüude benutzt wird, sei es als Museum oder auch Sitz eines Amtes, Ministeriums usw. treffen Deine Aussagen oder Zitate zu. Wir müßten Uns dann aller Vergangenheit entledigen und alles neu bauen. Weg mit den Kirchen! Weg mit den Schlössern! Weg mit den Domen! Und was es da noch so alles an historischer Bausubstanz gibt. Schau Dich mal in unseren Nachbarländern um! Der tschechische Präsident residiert in der Prager Burg! Der französische Präsident residiert im Elysee-Palast! Der russische Sitz im Kreml! All diese Länder haben durchaus Schwierigkeiten mit ihrer monarchischen Vergangenheit (französische Revolution, russische Revolution, Habsburgerreich). Trotzdem haben sie diesbzüglich keine Probleme in den Symbolen der alten Zeit zu residieren. Und sie sogar nach Zerstörungen des Krieges wieder aufzubauen.
Die Vergangenheit so beiseite zu räumen, zeugt doch eher von Verdrängung! Wieso fürchtest Du den Schlossbau so? Wir fordern doch nicht die Rückkehr des Kaisers oder zur Monarchie.
Außerdem überlege mal wieviele Bauten nach dem 2. Weltkrieg hier rekonstriuert worden sind! Das sind auch alles nur noch \"Attrappen\". Und wer stört sich heute noch dran? Wer würde verlangen sie niederzureißen? Gebäude sind immer der Witterung ausgesetzt und zeigen Zeichen der Zeit, des Ge- und Verbrauchs. Um sie in Stand zu setzen oder in Stand zu halten, müssen Renovierungen erfolgen. Dabei werden auch alte Teile durch neue ersetzt. Wie Orginal sind denn dann bitte sehr diese Gebäude, wenn sie renoviert sind?
Der Wiederaufbau zerstörter Gebäude ist doch kein Phänomen der Moderne! Auch in der Antike gab es das schon! Z.B. im Alten Ägypten, in Mesopotamien oder in Judäa!
Holländer
schrieb am 31. August 2010
um
21:38
@Maus
Blablablub
Maus
schrieb am 31. August 2010
um
11:31
Völlig rekonstruierte Bauten bleiben trotzdem Attrappen, auch mit Innenleben, weil sie das eben nicht sind was sie sind. Zu den Argumentationen hinsichtlich des Beispiels Jüdisches Museum, und weiterhin zu (2362, 2363; 2366) könnte man gewiss noch viel entgegnen. Eine Antwort ergibt sich allerdings schon aus meinem letzten Beitrag. So lange man kein Buch in die Hand nimmt, oder seine Umwelt objektiv wahrnimmt, oder gar möchte diese zu verstehen, wird hier jeglicher Austausch unfruchtbar bleiben.
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Für alle Leser habe ich hier aber eine überaus interessante Lektüre!
\"DER SCHÖNE SCHEIN\",
Eine psychologische Untersuchung der Wirkungsgeschichte des Kitschs.
(Eine Doktorarbeit aus dem Jahre 2003, - Link bis unten)
_______
Es ist eine Arbeit aus der wohl viele Befürworter des Projektes etwas über sich selbst erfahren können. Natürlich wäre alles lesenswert, empfehle hier aber einmal ab S. 9 zu lesen.
Zitat: \" ... Die Möglichkeit, sich von Kitsch und Simili distanzieren zu können, hängt von der Fähigkeit der Selektion ab ...\"
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Das Kapitel S. 30, \"Kitsch und Rhetorik\", reflektiert in amüsanter Weise das, was von vielen Befürwortern im Gästebuch zum Vorschein kommt.
\"... Der triviale Spracheinsatz weist auf die im Bereich des Kitschs bekannte Paradoxie hin, dass Kitschgegenstände etwas Satirisches haben (Parodie auf Kunst), und nur durch ihr (eher lächerliches) Ernstgenommenwerden zu ihrer sentimentalen Wirkung kommen ...\"
S. 31 \" ... Dem zu vergleichen ist auch das anerkannte Verharren im Gewohnten, das gern mit Tradition verwechselt wird. Die Attitüde, sich Illusionen zu leisten, ist oft gepaart mit der, Innovationen abzulehnen. Einer spontanen Begeisterung für Neues, Gewagtes, Ungekanntes steht gerade der Triviale ablehnend gegenüber ...\"
_______
Die Übereinstimmungen die im Umfeld des Projektes \"Berliner Schloss\" / \"Schlossfassaden\" / \"Humboldt-Forum\" (wie auch immer) dieser Arbeit entnommen werden können sind verblüffend!
(Wie man hier einmal eintauchen möchten, soll dem überlassen bleiben.)
Nicht nur Entscheidungen wie zum Humboldt-Forum werfen das entsprechende Licht auf die \"Kompetenz\" und die fachliche Bildung unserer \"politischen Eliten\", die nicht mehr davor zurückschrecken sogar kitschige Vorstellungen einiger Zeitgenossen zu bedienen, wenn sie sich davon Vorteile verschaffen.
_______
\"DER SCHÖNE SCHEIN\":
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=969867247&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=969867247.pdf
Viele Grüße
viking1979
schrieb am 24. August 2010
um
19:17
\"Denkmalschutz: Stiftung kritisiert Schlossneubau
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat das Berliner Schlossprojekt scharf kritisiert. Der auf Eis gelegte Bau sollte nicht begonnen werden, er habe mit Denkmalschutz nichts zu tun, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Gottfried Kiesow, der Zeitschrift „Super Illu“. „Ich wäre nicht traurig, wenn das Projekt endgültig abgesagt würde“, sagte der Denkmalschützer.„Da sollen Betonwände mit draufgepinnten Sandstein-Elementen aufgehübscht werden“. Auch der geplante Neubau des Potsdamer Stadtschlosses sei „ein sehr fragwürdiges Projekt“. Es gebe genug alte Bausubstanz, um die man sich kümmern könne. Dazu zähle etwa das Schloss Prötzel in Strausberg bei Berlin, das höchstwahrscheinlich vom preußischen Baumeister Andreas Schlüter errichtet wurde.
Nach wie vor seien die Schlösser in Ostdeutschland das Sorgenkind des Denkmalschutzes. Etwa ein Drittel seien gerettet. Viele Schlösser seien aber vom Verfall bedroht. „Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass wir nicht alle retten können.“ Als Grund nannte Kiesow mangelnde Nutzungsmöglichkeiten. Nicht aus jedem Herrenhaus in Mecklenburg-Vorpommern könne ein Landhotel oder eine Tagungsstätte entstehen. Die Stiftung ist eine private Institution, die sich aus Mittel von Fördern finanziert. \"
Ja, klar! Er hat ja Recht! Das Schloss soll ja auch rekonstruiert werden. Es geht als um den Wiederaufbau eines schon mal vorhandenen Gebäudes aus neuen Materialien. Das Gebäude ist dann nicht historisch sondern historisierend. Das hat ja in erster Linie mit Denkmalschutz nichts zu tuen. Er hat auch Recht mit seinen Argumenten, dass sowohl das Berliner als auch das Potsdamer Schloss dann nur Atrappen sind. Ich finde die Nutzungskonzepte auch nicht gut und bin auch für eine innere Rekonstruktion, wo sie sinnvoll und angebracht ist. Und das mit den maroden Schlössern in Ostdeutschland ist natürlich auch tragisch.
Trotzdem sind das alles keine Gründe, die er da anführt, wirklich gegen einen Schlossneubau sprechen. Nur weil der Schlossbau nicht stattfindet, sind ja nicht plötzlich genug Gelder für die Rstaurierung der ostdeutschen Schlösser da!
Und als letztes Argument: Sowas steht in der Super Illu! Kein weiterer Kommentar! ;-))))))))
Kreuzberger
schrieb am 22. August 2010
um
23:27
Man kann nur hoffen, daß der Kater die Maus auch irgendwann einmal erwischt. Die richtigen Argumente hat er ja.
In der freien Natur können sich autistische, seh- und lernbehinderte Mäuse jedenfalls kaum durchsetzen. Diese virtuelle Welt bietet ihnen da ganz neue Überlebensmöglichkeiten 🙁
Ernst Ludwig
schrieb am 22. August 2010
um
15:11
Die Mausejagd geht ja schon wieder los!
kater
schrieb am 22. August 2010
um
14:23
Speziell an Maus !
Man kann dem Schloss den künstlerischen Wert durchaus nicht absprechen,wie Sie es tun - es war einer der bedeutendsten Barockbauten nördlich der Alpen. Berühmte Barockbaumeister wie Schlüter und Eosander wirkten hier , später auch Stüler (Kuppel). Die \"endlosen Fensterreihen\" waren höchst wirkungsvoll duch Portale unterbrochen, wovon das Eosanderportal unter der Kuppel das Prächtigste war. Der Schlüterhof hatte seine ganz spezielle Athmosphäre und viele qualitativ hochwertige Bildhauerarbeiten lockerten das Ganze zusätzlich auf. Die älteren, sehr malerischen Ostteile (Spreetrakt) zeigten das Werden des Schlosses und seine lebendige Baugeschichte, ohne dass sie \"störten\".
Tja, die alten Baumeister \"konnten\" es eben noch und es ist ein böses Phänomen unserer Zeit, dass \"wir es eben nicht mehr können\" und deswegen ist gute Rekonstruktion in den Altstädten allemal besser. Moderne Architektur sollte ihre Chance in den Vorstädten haben - ich hätte mir einen Palast der Republik als Kulturzentrum z.B. in Marzahn durchaus vorstellen können. Sicher wäre der Wiederaufbau nach dem Kriege ohne moderne Architektur zeitlich und ökonomisch auch nicht so zu bewerkstelligen gewesen, aber die Stadtzentren hätte man nicht damit verhunzen sollen.
Es gibt da das Argument der \"Brüche\", die man zeigen möchte, aber irgendwie kann man ja nicht von \"Brüchen\" allein leben, allenfalls vegetieren.
Alte Architektur erfreut durch ihre Gestaltung nicht nur das Auge, sondern auch die Seele und das ist in unserer hektischen und auch von vielen Dingen überschattetten Zeit besonders wichtig - nicht nur die alten Zeiten zeigten Licht und Schatten. Es ist im Übrigen ein nachdenklich stimmendes Phänomen, dass die alte Kunst so viele Menschen anspricht - es muss doch irgendwie an ihrer zeitlosen Qualität liegen, oder ?
Als passionierter Museumsbesucher kenne ich das Jüdische Museum - allerdings ertappte ich mich dabei, dass sich meine Blicke schnell auf das neben dem Neubau liegende ehemalige Kammergericht (schlichter, aber wohlproportionierter preussischer Barock) richteten.
Ein anderes Beispiel: Ich bin als passionierter Dresden-Liebhaber immer sehr froh, wenn ich die \"Prager Strasse\" vermeiden kann, oder ich \"hechte\" mich schnell durch, bis ich die historische Elbseite bzw. Neumarkt und Frauenkirche erreicht habe. Auch am Neumarkt versagt die moderne Architektur wiederum, wenn sie zwischen den neuerrichteten historischen Fassaden zu finden ist - kalt und unpersönlich. An ihr liegt es bestimmt nicht, wenn der Neumarkt wieder ein urbanes Zentrum wird, wo sich Menschen gerne treffen...
Das Schloss liesse sich vielfältig und angemessen nutzen,andere Städte machen es vor - Museum, Politik, Behörden...Wiegesagt, es gab im Schloss auch viele kunsthistorisch wertlose Räume, die kein Mensch rekonstruieren will - sie sind angemessen modern ausbaufähig und nutzbar.Schon in den 20er jahren war z.B. auch das Studentenwerk hier untergebracht
Sicher, es gibt auch viele marode Originalschlösser, die eine Sanierung dringend nötig hätten - in einem immer noch reichen Land wie Deutschland sollten die Milliarden u.a. dort ausgegeben werden und nicht maroden Banken in den A...geschoben werden...
Kater
viking1979
schrieb am 21. August 2010
um
12:47
@Maus
Also ich finde die Schlossarchitektur sehr ansprechend. Und halte sie in Ihrem gestalterischen Ideenreichtum für äußerst künstlerisch wertvoll. Es ist doch ein Phänomen, dass so eine Architektur uns heutige Menschen noch weiterhin anspricht. Ich muß zugeben, daß ich das Jüdische Museum von Liebeskind noch nicht direkt gesehen habe, aber auf den Bildern finde ich es äußerlich nicht ansprechend. Es wirkt kalt und abweisend. Und irgendwie steril, wie ein großer Teil der modernen Gebäude. Und eine gewisse Monumentalität kann man diesem Gebäude ja auch nicht absprechen. Dieses ist auch kein alleiniges Merkmal historischer Gebäude. Es mag auch sein, dass \"alles seinen Grund hat\" und man dieses \"nur gewillt sein muß zu verstehen\", aber der Durchschnittsbürger, sage ich jetzt mal pauschal, ist gar nicht in der Lage das zu verstehen oder hat daran kein Interesse. Und hineininterpretieren läßt sich ja wirklich Vieles. Aber ist das dann auch unbedingt genau das, was der Architekt aussagen wollte? Und wenn dieses Gebäude in seiner Form eine bestimmte Aussage vermittteln soll, muß sich dann nicht auch seine Funktion einer formalen Struktur unterordnen?
Warum ist es denn gut, ein modernes, kalt und abweisend wirkendes Gebäude an dieser Stelle zu errichten, wo man diese doch in Berlin an jeder Ecke finden kann? Was soll das mit der Art der Vergangenheit zu tuen haben? Das Schloss war nun mal ein Barockschloss. Und Preussen war zum Zeitpunkt der Errichtung ein absolutistischer Staat, wie ein großer Teil der anderen europäischen Staaten. Selbst in der ehemaligen Sowjetunion hat man historische Gebäude wie das Winterpalais und das Katharinenpalais nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut oder rekonstruiert. Und die waren nun auch wirklich keine Zeugnisse einer glücklichen Vergangenheit! Außerdem ist das Stadtschloss auch in einer nicht geraden sorglosen Zeit abgerissen worden! Vollkommen ohne Not und aus ideologischen Gründen. Verpflichtet das nicht auch schon zu einer Rekonstruktion?
Es gibt halt Menschen, die für moderne Architektur schwärmen und andere, die für historische Architektur schwärmen. Beide haben ihre Berechtigung. Es können doch an anderen Stellen, die modernsten und innovativsten Gebäude errichtet werden. Schließlich war ja Berlin nicht zugepflastert mit Schlössern, die man rekonstruieren müßte. Aber Berlin war nun mal eine ehemalige Residenzstadt. Und die Stadt, die Straßen (Unter den Linden, etc.) und das ganze städtische Gebäudeensemble war auf das Schloss ausgerichtet. Es sollte also dort ein Gebäude errichtet werden, um die Lücke zu füllen. Ich wage aber zu bezweifeln, daß ein modernes Gebäude vom Schlage eines Liebeskind es vermag, die Lücke überzeugend zu schließen. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Die umliegenden Fassaden (Museumsinsel, Zeughaus, etc.) sind nun mal historisch und in Ihrer Gestaltung auf die äußere Gestalt des Stadtschlosses abgestimmt. Wobei die Fassaden dieser Gebäude auch zum Großteil Rekonstruktionen sind. Da hat man sich auch nicht dran gestört, sie nach dem Krieg wieder zu errichten.
Letztendlich kann der Streit nur demokratisch entschieden werden. Und das ist er ja auch schon! Der Bundestag, unsere gewählten Volksvertreter, haben für den Wiederaufbau gestimmt. So ist es nun mal und das muß man hinnehmen.
Zauberwald
schrieb am 20. August 2010
um
14:06
@Maus
Das erklärt die vielen Trennwände. Aber welche Funktion haben diese Säulen?
Wenn man zur Erbauungszeit des Schlosses für die Statik der Decken viel weniger Stützen benötigte als heute, dann kann es sich hier nur um eine Gestaltungsidee handeln, die ich nicht nachvollziehen kann.
Hoffentlich lassen sich die Säulen später problemlos entfernen.
Maus
schrieb am 20. August 2010
um
12:57
@Zauberwald?, diese Missverhältnisse werden hervorgerufen, wenn sich die Funktion eines Gebäudes (Aufgabe d. Humboldt-Forums) einer formalen Struktur unterordnen muss, die ursprünglich für einen ganz anderen Zweck (Schloss) entworfen wurde.
@Kater, der Begriff \"abgehoben\" lässt sich eigentlich in vielerlei Hinsicht interpretieren. Dem Ansinnen ein Stadtschloss 1:1 errichten zu wollen, mit monumentalen Baufluchten und ohne einen einleuchtenden Zweck, würde ich die Architektur und die Sinnigkeit eines Jüdischen Museums von Liebeskind allemal vorziehen. Es gibt ja einen Grund, warum für eine Kultur, die uns einst in unserer Mitte bereicherte, nun ein Ort errichtet wurde, der alles andere tut, als sich tradierten Bauformen anzubiedern. (wobei das nicht seine Hauptaussage ist) Alles hat seinen Grund, man muss nur gewillt sein zu verstehen.
http://www.daniel-libeskind.com/projects/show-all/jewish-museum-berlin/
Warum ist es denn gut, durch eine Wiedererrichtung eines monumentalen Baues, der alles andere als bürgernah war, mit endlosen Fensterreihen, in die man von der Strasse aus nicht hineinsehen konnte, mit einer im Vergleich zu seiner Größe mäßigen Zugangssituation, an eine Vergangenheit anzuknüpfen, die doch daraus folgend alles andere als ein \"Sanssouci\" war?
Der \"große künstlerische Wert\" des Berliner Schlosses wird nur eingeredet. Es gibt viele Kulturdenkmale auch Schlösser, die unbedingt der Zuwendung bedürfen, damit sie vor dem Zerfall bewahrt werden.
Zauberwald?
schrieb am 20. August 2010
um
11:16
Warum wird jeder Raum des Humboldtforums von Stella mit einem Wald aus Säulen und Trennwänden zugestellt? Architektonisches Mittel zur Raumgestaltung, oder was?
kater
schrieb am 15. August 2010
um
14:20
Tja, der Liebeskind zeigt, wie abgehoben heute zumindest ein Teil der Architekten ist und dass sie offenbar gar kein Verhältnis zu alter Architektur haben...
Ich habe vor Jahren mal das 1946-80 wiederaufgebaute Stettiner Schloss besucht, was für ganz verschiedene Zwecke genutzt wird, welches auch völlig unkompliziert läuft und von der Bevölkerung voll akzeptiert wird. Die Polen haben sich das nicht so kompliziert gemacht !
Die beste Lösung wäre sicherlich, dass alle alten Fassaden einschliesslich des Spreetrakts und die Kuppel wieder hergestellt werden und wenigstens perspektivisch auch die wichtigsten Innenräume und Treppenhäuser. Es ist eine gute Idee, hier museal an die preussisch-deutsche Vergangenheit anzuknüpfen.
Bliebe das Problem mit den maroden Dahlemer Räumen. Da aber grosse Teile der Schlossräume sowieso nicht historisch wertvoll waren, gäbe es hier ja durchaus Möglichkeiten auch für die aussereuropäischen Sammlungen in entsprechend gestalteten Räumen.
So wie das jetzt mit dem Humboldtforum läuft , ist das ein Krampf und dieser Mischmasch,der dabei entsteht, macht letzten Endes keinen so richtig froh...
Beim Potsdamer Stadtschloss sieht es zwar etwas besser aus, aber auch da werden m.E. nach zu viele Kompromisse gemacht (Dachlandschaft, Maße) und leider wird auch das \"Innenleben\" weitestgehend negiert...
Warum achtet man in Deutschland immer noch nicht grosse künstlerische Werke,so wie es denen zustehen würde ???
Kreuzberger
schrieb am 13. August 2010
um
22:29
Bei allem Respekt für Libeskind ist dieser Vorschlag an Idiotie tatsächlich nicht zu überbieten. Er reiht sich damit ein in die Fraktion der Mediaspreegegner und derjenigen, die es als Sakrileg ansehen, die Gedächtniskirche durch moderate Hochhäuser überragt zu sehen.
Das größte Dorf Deutschlands ist immer noch Stuttgart. Wollen wir dem wirklich Konkurrenz machen?