Kreuzberger
schrieb am 5. Oktober 2010
um
1:09
Das Dumme an \"moderner\" Architektur ist, daß sie immer versucht, naheliegende, zweckmäßige und praktikable Lösungen zu umgehen, weil diese natürlich seit Jahrhunderten praktiziert wurden und welcher Architekt möchte schon als rückwärtsgewandt gelten? Also werden zunehmend diejenigen Pläne aus den Schubladen gezogen, die vor Jahren noch als indiskutabel und absurd galten. Das ist eben der Fluch der Moderne. Alles muß durchexerziert werden, Hauptsache es ist neu.
Hans Kollhoff ist glaube ich der einzige zeitgenössische Architekt, der wirklich urban bauen kann. Seine Bauten sind imposant, sie haben Struktur, Schönheit und Stil. Alles Dinge, die mit dem 2. Weltkrieg untergegangen sind, die aber zunehmend wiederentdeckt werden.
viking1979
schrieb am 4. Oktober 2010
um
9:37
Ja, stimmt auch. Ich bin ja nicht gegen moderne Architektur. Auch wenn ich die historische schöner finde. Mann muß auch bedenken: moderne Architektur äußert sich ja nicht nur in irgendwelchen großen und imposnaten Prestigebauten sondern auch in ganz normalen Wohnungen und Häusern. Da gibt es doch sehr schöne und angenehme Beispiele. Und alte Baustile werden auch in der modernen Architektur hin und wieder \"zititiert\". Doch beschränken sie sich meist auf das Zitat eines Zitats. Der Normalo-nicht-Architekturprofi wird sie wohl kaum wahrnehmen können. Also ist das mit dem Anpassen an die Umgebung auch immer relativ zu sehen. Es gibt da ja kein schwarz und weiß, sondern viele verschiedene Grautöne! 😉
Ich bin nur froh, daß zumindest die drei barocken Seiten wieder rekonstruiert werden, ebenso die drei Seiten des Schlüterhofs. Ich hätte auch eine Rekonstruktion des großen Schlosshofes und der Spreeseite bevorzugt, aber was soll´s? Man kann eben nicht alles haben.
Kreuzberger
schrieb am 3. Oktober 2010
um
23:18
Ganz deiner Meinung, viking1979. Trotzdem gehen alle Museumsinselbauten auf die klassische Antike zurück, die in der Renaissance wiederentdeckt und im Klassizismus neu erfunden wurde. Das ist wie ein roter Faden, der sich in vielen Windungen auch durch den Historismus und arg verknotet weiter durch den Gründerzeitmischmasch zieht. Und heute wird er vielerorts wieder aufgegriffen, um der ausgelutschten Postpostmoderne wieder etwas Substanz entgegenzusetzen.
Wenn also schon keine originalgetreue Rekonstruktion möglich wäre (zum Glück ist sie es) dann sollte man sich doch wenigstens dem baulichen Umfeld anpassen bzw. unterordnen und eben NICHT \"modern\" bauen 🙂
viking1979
schrieb am 3. Oktober 2010
um
19:31
@Tim
Das ist doch unpassend. Entweder man entscheidet sich, das Schloss historisch zu rekonstruieren, oder man läßt es bleiben. Dann lieber ein moderner Neubau als ein neo-neo-klassizistisches Schloss, das es so nie gegeben hat.
Außerdem gibt es sehr wohl klassizistische Bauten in Berlin bzw. neo-klassizistische. Man denke nur mal an das Brandenburger Tor. Das ist Klassizismus pur. Neo-klassizistische Bauten gibt es ja richtig erst seit der Kaiserzeit, ebenso wie neo-barocke Bauten, Neo-Renaissance-Bauten und Bauten aus einem Mix dieser Stile u.a. der Berliner Dom! Berlin hat zwar kein Kolosseum (obwohl das Olympiastation gibt es ja auch) und Gott sei Dank kein Pentagon, aber dafür andere hervorragende Bauten. Man denke nur an die Museumsinsel um ein Beispiel zu nennen.
Tim
schrieb am 2. Oktober 2010
um
21:59
Man sollte das Schloss in der streng neoklassizistischen Variante bauen.
Wenn man schon kein Gebäude in Berlin hat wie das Pentagon oder das Kolosseum in Rom dann brauchen wir wenigstens ein Gebäude das Berlin wieder eine historische Ansicht verleiht.
Schlimmste was man machen kann ist noch mehr Glas.
Außerdem ist die Kuppel vom Reichstag sau häßlich.
Zurück zum Thema der schönste Entwurf für das Schloss kommt vom Architekten Patzschke aus Berlin.
Bild:
http://www.welt.de/multimedia/archive/00710/b_zeichnung_BM_Berl_710301p.jpg
Kreuzberger
schrieb am 30. September 2010
um
23:00
Die ist nicht von mir, aber sie ist absolut diskussionswürdig. Ich finde, wir machen einfach viel zu wenig aus unserer Spree. Ein großzügiges Hafenbecken mit beeindruckender Randbebauung, am besten von Kollhoff gestaltet, wäre ein weiterer absoluter Touristenmagnet und natürlich auch für die Berliner ein Anziehungspunkt erster Klasse.
Mittelmäßige Grünanlagen hat jedes Provinznest aufzuweisen und bebaubare Flächen stehen noch jede Menge zur Verfügung, auch im innerstädtischen Bereich.
Daran sollte ein solches Projekt also nicht scheitern. 🙂
Anto
schrieb am 30. September 2010
um
10:25
Jaaa, endlich ma ne geile Idee 🙂
Kreuzberger
schrieb am 30. September 2010
um
0:38
...äh, Marx natürlich. Marx-Engels-Forum.
Kreuzberger
schrieb am 30. September 2010
um
0:33
Ja genau! Fangt endlich an! Und setzt das Marz-Engels-Forum endlich unter Wasser! Besser, als die alten Straßenzüge durch legoeske \"Townhouses\" wiederbeleben zu wollen. Eine Wasserfläche zwischen Schloß und Fernsehturm würde dem stetig wachsenden Sightseeing-Schiffsverkehr entgegenkommen und sie wäre die ideale Abgrenzung bzw. Verbindung zwischen historischer und moderner Stadtmitte.
Wer schon mal in Venedig war, weiß solche innerstädtischen Feuchtgebiete zu schätzen!
Anto
schrieb am 28. September 2010
um
13:50
Ja toll wir wollen aber kein AKW -.- Äh, ...nix Storno! Fangt endlich an zu bauen 😉
Kreuzberger
schrieb am 10. September 2010
um
22:25
Die direkte Flußlage würde sogar ein kleines AKW ermöglichen - mit Barockfassade und Kuppel über´m Kühlturm. Äh, ...Storno!
Rolf
schrieb am 6. September 2010
um
22:44
Es ist mal wieder typisch für Madame Merkel: In den nächsten Jahren verschenkt der Staat dank Madames \"Energie-Revolution\" Milliarden an vier Stromkonzerne, aber für das Schloss hat sie angeblich kein Geld!
Vielleicht könnte sich der Förderverein ja bei RWE und Co. mal um Spenden bemühen. Die dürften ungeheuer großzügig sein!
kater
schrieb am 5. September 2010
um
10:05
Meine Güte, in Deutschland wird immer alles mit pseudointellektuellem Gequatsche zerredet - natürlich gibt es eine passende Architektur für den Platz, nämlich das Barockschloss. Nutzungen für den Bau würden sich mit etwas Pragmatismus finden, sie waren ja vor dem Krieg auch da,oder ?
Pragmatismus scheint aber leider keine Stärke im heutigen Deutschland zu sein, da könnten wir von anderen Ländern lernen. Warum gab es z.B. keine so albernen Diskussionen beim Wiederaufbau des totalzerstörten Warschauer Königsschlosses (1971-84) ?
Matthias Linde
schrieb am 4. September 2010
um
21:13
\"Gibt es aktuell einfach keine richtige Architektur für so einen Bau?
Brandlhuber: Es gibt einfach keinen Grund, hier etwas hinzusetzen. Woher kommt denn diese Rhetorik?
Foerster-Baldenius: Es gibt keine Nutzung für den Bau. Das ist das eigentliche Vakuum. Und das hat sich in den letzten fünf Jahren, seit wir über das Humboldt-Forum sprechen, nicht geschlossen. Ich bin mal gespannt, was in dieser Bude, die jetzt hier hingenagelt wird, der Info-Box fürs Humboldt-Forum, präsentiert wird. Bislang erschien mir das Humboldt-Forum als ein hilfloses Zusammengestückel von Zeug aus den verschiedenen Ecken von Berlin. Ein paar Bücher von hier, paar Segelbote von da, paar Masken von dort. Und am Ende gibt’s noch einen Raum, da reden wir dann noch mal drüber.\"
...
\"Brandlhuber: Ich glaube außerdem, dass es für eine Demokratie ein gutes Zeichen ist, wenn nicht eine Position sich gegen die andere durchsetzt. Die eine Seite hat es zwar geschafft, den Palast der Republik abzureißen, aber das Schloss kriegen sie jetzt nicht. Vielleicht muss man sagen, wir einigen uns auf Unentschieden.
Keré: „Match nul“, wie es im Französischen heißt, das gefällt mir sehr gut. Es ist unentschieden, und dadurch gewinnen wir alle.\"
...
\"Der Platz bleibt frei. Die Geschichte geht darüber nicht verloren.
Würden Sie ihn noch gestalten?
Foerster-Baldenius: Das ist er jetzt ja schon.
Keré: Ein paar Handgriffe …
Brandlhuber: … das kann ein bisschen Sand, ein Stück Schattensegel sein. Bei unserem Gespräch hier sind wir ja froh, dass wir unter dieser Humboldt-Box sitzen dürfen – des Schattens wegen.\"
\"Schatten\" ist das richtige Wort.
Kreuzberger
schrieb am 3. September 2010
um
23:56
@Maus
Frechheit! Das ist so unverschämt, daß es schon fast wieder originell ist 🙂
Maus
schrieb am 3. September 2010
um
22:18
Ich bin mir sicher es gibt eine ganze Reihe Mitglieder hier, die interessiert das Schloss eigentlich gar nicht. Das bemerken Sie schon daran, dass diese sich in der ganzen Zeit, 10 bis 15 Jahre (?), kein bisschen über Architektur, geschweige Geschichte informiert haben, ich meine damit selbständig informiert, und nicht was man ihnen etwa zu einem Touristen-Branding \"Preußen\", oder den unbedingt notwendigen \"Fassaden-Städtebau\" weis gemacht hatte.
________
Lesen Sie einmal dieses Interview, hier steckt sehr viel drinn!
http://www.getidan.de/kultur/dell_matthias/13184/schlossgespenst
Grüße
Kreuzberger
schrieb am 3. September 2010
um
21:38
Ich habe gerade die neue AD durchgeblättert, dieses Werbeheftchen zur Propagierung und Vermarktung mißgestalteten Designs und merkwürdiger Wohnraumgestaltung (nicht nur :-)).
Äh, ja, diese Londoner Gurke ist darin abgebildet. The Gherkin! Ich weiß jetzt nicht, was Dildo auf englisch heißt, aber ich verfüge über die nötige Phantasie, mir das Ding auf dem Markusplatz in Venedig vorzustellen. Oder als Alternative zum Stadtschloß. Very strange, aber für manche sicherlich DER Ausdruck kosmopolitischer und zukunftsweisender Architektur schlechthin! Tja...
Die Maus in den Wahnsinn treiben zu wollen wäre ja ein paradoxes Unterfangen, aber etwas irritieren wird man ihn schon können. Sorry, ich kann´s nicht lassen ...
kater
schrieb am 3. September 2010
um
19:56
Dann wollen wir mal wieder die Krallen schärfen ;-)) - Na, Maus, im Ernst - eine gute Rekonstruktion hat wirklich nichts mit Kitsch zu tun, was man z.B. an der Dresdner Frauenkirche oder dem Warschauer Schloss sieht. Insofern finde ich die jetzige Lösung beim Berliner Schloss allerdings unzureichend - es sollten hier hohe Ansprüche gestellt werden, auch wenn der Wiederaufbau erheblich länger dauern würde und teurer würde, man könnte die Kosten ja über die Jahre verteilen.
Alte Architektur ist auch identitäts-und gemeinschaftsstiftend , was man z.B. bei der rekonstruierten Altstadt von Warschau (inzwischen auch UNESCO-Welterbe) sehr schön sehen kann - wie bitteschön hätte das ein Gemenge moderner Betonklötze erreichen sollen ? Die Polen haben das sehr früh begriffen !
Nochmal: Was die Ästhetik des Bauens betrifft, so ist da sehr viel verloren gegangen - wir können es nicht mehr wie die früheren Baumeister !
Bei barocker Architektur erfreut sich das Auge z.B. an einer schönen Wappenkartusche, an einem schön umrahmten Portal, an einer Plastik , einem Risalit und von verschiedenen Blickpunkten aus wird so ein Bauwerk auch immer wieder neu erlebbar. Wo bleibt das heute ???
Da es nun einmal ein trauriger Umstand besonders in Deutschland ist , dass Krieg und Nachkriegs - Tabularasa soviel kaputt gemacht haben, empfinde ich es geradezu als Verpflichtung, bedeutende Baudenkmale so gut wie möglich zu rekonstruieren ! Ich möchte jedenfalls nicht in einer gesichts-und geschichtslosen Wüste leben !
Ich empfehle mal Literatur zum Thema: 1. Schicksale deutscher Baudenkmale im 2.Weltkrieg Berlin 1978 2 Bände (ehem.DDR)
2. Kriegsschicksale deutscher Architektur Neumünster 1988 2 Bände (ehem.BRD)
Diese 4 Bände vermitteln eine Vorstellung über das Verlorene und über verstümmelte und ihrer Schönheit und Historie beraubte Städte und vielleicht versteht Maus dann besser die ihrer Meinung entgegengesetzten Meinungen...
Maus
schrieb am 3. September 2010
um
16:59
Der Leser wird sehr gut erkennen, wo Konstruktivität zu finden ist.
Ironie: - \"Ratte\" oder \"Maus\" oder \"Troll\" ist ja hier scheinbar gleichgültig.(?)
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Natürlich hat jeder Bauherr auch Rechte. In Berlin, an dieser Stelle, baut aber nicht \"jeder\" Bauherr.
Was man hier vorsieht ist von öffentlichem Interesse. Ein Schloss wird es nicht. Es gab lediglich einen Beschluss für ein Humboldt-Forum, mit Schlossfassaden.
Wie oft wurde hier der Begriff des Tourismus bemüht? Am Ende der \"Geschmack\" usw., interessanterweise zeigt auch dafür die Arbeit einige Antworten auf.
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@viking1979, es ist möglich, dass man sich in Anbetracht der Erkenntnisse der unten verlinkten Arbeit, oder meiner Darlegungen dazu, gekränkt fühlen mag. Das ist bei Ihnen vermutlich nicht anders. Ihre Anrede für mich, hier im Gästebuch, in der 2. Person, spricht ja Bände. Ein Versuch mich vorzuführen? Wohingegen es Ihnen aber scheinbar nicht möglich ist, die Parallelen die sich zwischen Schlossfassaden-Projekt und dem \"Schönen Schein\", der Arbeit, mit der ich den Leser hier konfrontierte, sachlich zu widerlegen.
Sie müssen wissen, dass über Pressekampagnen und Politisierung + Ideologisierung das Projekt dahin gebracht wurde wo es jetzt ist. Wenn Sie so wollen wurde und wird die Öffentlichkeit für dumm verkauft. Mit diesem Hintergrund habe ich keine Bedenken hier einmal diese interessante Lektüre vorzustellen.
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Die Zusammenhänge, die dargelegt werden, sind ja mehr oder weniger schon immer bekannt gewesen! Was glaubt der Leser, warum sich so wenige Architekturbüros für den Wettbewerb für das Humboldt-Forum interessiert hatten?
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Ein Rekonstruktions-Schloss ist eben auch so etwas wie \"Mediale Architektur\". Es sollen bestimmte Inhalte, die man gemeinhin damit verbindet transportiert werden. Natürlich kann man die Idee von einem Kunstwerk nicht trennen, was Sie fragen, und diese Idee ist zu dem Kunstwerk \"Schloss\" heute nicht mehr die gleiche, wie zu seinen Entstehungszeiten.
Wie Sie auch in dieser Arbeit, \"DER SCHÖNE SCHEIN\", lesen können, macht weniger das Objekt, das Kunstwerk selbst den Kitsch aus, sondern der Gedanke den man dabei hatte. Schon der Gedanke des \"Wiederholenkönnens\" ist der Kitsch, und entspringt der Industrieproduktion. Selbst wenn Handwerker die Steine behauen werden, bleibt das wiederholte \"Schloss\", ein Kitschobjekt.
\"DER SCHÖNE SCHEIN\",
Eine psychologische Untersuchung der Wirkungsgeschichte des Kitschs.
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=969867247&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=969867247.pdf
Viele Grüße
Berliner Kater
schrieb am 3. September 2010
um
16:38
Lieber viking,
schon gut ein Dutzend Teilnehmer kamen zu dem gleichen Schluss, mal früher mal später: mit dem Mäuse-Troll wird nicht mehr diskutiert! Es ist sinnlos. Wir haben hier ein Paradebeispiel der Trollerei.
..und immer, immer wieder findet die Maus ihre Opfer.