Die Innenräume des Berliner Schlosses
Das Innere des Berliner Schlosses ist hervorragend dokumentiert. Dennoch würde eine sofortige, vollständige Rekonstruktion der kostbaren Räume jeden Kostenrahmen sprengen.
Deswegen sollte die Wiederherstellung der wichtigsten Räume in ihren originalen Massen am historischen Ort planerisch vorgesehen werden. Hier dürfen keine vollendeten Tatsachen in Beton geschaffen werden, die einen späteren Weiterbau ausschließen. Spätere Generationen können dann entscheiden, welche Räume sie weiterbauen wollen.
Wir zeigen Ihnen einige der schönsten Räume des Schlosses aus den verschiedenen Epochen, die konzeptionell beim Neubau des Schlosses vorgesehen werden sollten
Die Paradekammern Andreas Schlüters (1699-1706)
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Die Paradekammern Andreas Schlüters im Berliner Schloss, deren Zugang seine berühmte Gigantentreppe war, galten als die künstlerische Meisterschöpfung des bedeutendsten deutschen Barockbildhauers und gehörten zu den großen Raumschöpfungen des Barock in Europa.
Beeinflusst von dem italienischen Barock, der Baukunst Palladios und der Skulptur Michelangelos, schuf Schlüter diese einzigartige Raumfolge und setzte damit einen Glanzpunkt in Berlin. Mit dem Tod König Friedrich I. mussten alle Künstler Berlin verlassen. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I. baute das Schloss zwar noch fertig, hasste aber jeden Prunk. So ließ er die damals noch nicht vollendete Decke der Großen Bildergalerie weiß übertünchen, sie war ihm zu prachtvoll und ihre Fertigstellung hätte zuviel gekostet. Die ursprüngliche Fassung geriet so in Vergessenheit und wurde erst 1835 wiederentdeckt, als dicke Kalkfarbstücke abplatzten und herabfielen. Die gewölbte Decke wurde bis 1841 wieder freigelegt und mit weiteren Deckenbildern ergänzt. Die historischen Bilder stammten von Anthonie de Coxie.
Bei dem Bombenangriff vom 3. Februar 1945 brannten bis auf Schinkels Staatsratssaal und Ihnes Weißen Saal mit den darunter liegenden Wilhelmschen und Mecklenburgischen Wohnungen alle historischen Räume des Schlosses aus.
Viele der Stukkaturen, z. B. des Rittersaales, blieben jedoch erhalten und wurden erst mit der Sprengung des Schlosses 1950 endgültig zerstört. So hätten die berühmtesten Raumschöpfungen Andreas Schlüters, der Rittersaal und der Elisabethsaal ohne weiteres anhand des Bestandes an Stukkaturen ebenso rekonstruiert werden können wie in den fünfziger Jahren das ebenso schwer beschädigte Treppenhaus der Würzburger Residenz Balthasar Neumanns.
Die Königskammern Friedrich Wilhelms II. (1787 – 1798)
| Der Parolesaal von Erdmannsdorf war wohl der schönste, ebenmäßigste Saal der Königskammern. Seine Raumskulptur ist in fast allen Details in Abgüssen oder Modellen erhalten. |
Ein Meisterwerk des Deutschen Klassizismus waren die Königskammern des Nachfolgers Friedrichs des Großen, Friedrich Wilhelm II. Er beauftragte 1787 die berühmtesten preußischen Architekten seiner Zeit, Erdmannsdorf, Gontard und Langhans, mit der Neugestaltung seiner Wohnräume, den später sog. Königskammern.
Hierfür wurden Räume aus der Barockzeit im ersten Stockwerk an der Lustgartenfront im Bereich von Portal IV gründlich umgestaltet.
Dabei verschwanden auch die Reste des Raumes an der Nordwestecke des Schlosses, in dem bis ca. 1720 das berühmte Bernsteinzimmer untergebracht war. Dieses wurde von Friedrich Wilhelm I. dem Zaren Peter dem Großen von Rußland gezeigt. Der Zar begeisterte sich so dafür, daß er nach langen Verhandlungen dem König das Zimmer schließlich für sein Schloss in St. Petersburg abtrotzte. Bezahlt wurde mit 51 Langen Kerls für die Garde des Königs!
Die Königskammern galten als die bedeutendste Raumfolge des deutschen Klassizismus. Einer der Räume war die Blaue Französische Kammer. Sie war ursprünglich mit einer blauen Seidentapete ausgestattet und behielt ihren Namen trotz des Farbwechsels auf rosa. Sie enthielt kaum Stukkaturen, alles war feinste tromp l’ oeil Malerei.
Die Wohnung Friedrich Wilhelms IV.
Karl Friedrich Schinkel baute Anfang des 19. Jahrhunderts im Ost- und Südflügel des Schlosses die kronprinzliche Wohnung Friedrich Wilhelms IV. ein. Zu ihr gehörten als bedeutendste Räume der Teesalon und der Sternensaal, dieser hier ohne Bild.
Der Teesalon ist besonders gut dokumentiert und könnte ohne Problem wiederhergestellt werden. Seine Skulpturen existieren als Abgüsse in der Gipsformerei SPK.
Der Weiße Saal
Der Weiße Saal, im Nordwestflügel des Schlosses gelegen, wurde dreimal neu gestaltet. Ursprünglich war er von Eosander als Schlosskapelle geplant und wegen des Todes Friedrichs I. nicht fertig gestellt worden. Friedirch Wilhelm I. ließ ihn 1728 zum Festsaal anlässlich des Staatsbesuchs von August dem Starken, König von Polen und Sachsen, in nur fünf Monaten ausbauen. Seine Wände waren mit weißlichem Stuckmarmor ausgestattet, seine Ornamente versilbert. Er erhielt deswegen seinen Namen. Er diente vor allem auch zur Ausstellung des großen Silberschatzes des Königs, dessen Wirkung durch die vornehme Ausgestaltung des Saales verstärkt wurde.
Der zweite Entwurf stammte von Friedrich August Stüler und schließlich der dritte, Ende des 19. Jahrhunderts von Ernst v. Ihne. Stülers Saal war zu klein geworden, seine Dekoration mit seinen zahlreichen Kronleuchtern wurde im Kaiserreich als kleinlich empfunden. Hunderte von Kerzen legten einen Rußschleierim Saal, der Staub der Heizung tat sein übriges. Die Damen verschmutzten so ihre festlichen, unsäglich teuren Roben, da es damals noch keine chemische Reinigung gabe, wurden sie unbrauchbar.
Ihnes neuer Saal wurde zum Hof hin verbereitert, maß nun 16 x 32 m und war 14 m hoch. Er wurde als erster Festsaal Berlins elektrifiziert, indirektes Licht ersetzte die Wärme der bisherigen Kronleuchterausstattung. Seine Warmluftheizung wurde im Keller des Schlosses durch Filter gereinigt, man konnte endlich großartige Bälle feiern, ohne vom Ruß der blakenden Kerzen und dem Staub der Heizungsluft seine Abendgarderobe zu ruinieren.
Wenn auch hier wieder, diesmal echter, weißer Marmor überwog: die Decke war reich vergoldet und farbig gefasst. So wirkte dieser Saal wesentlich wärmer in seiner Anmutung als sein Vorgänger.
Das sagenhafte Bernsteinzimmer – Es sollte gar nicht in das Berliner Schloss – Die wahre Geschichte
Die Berliner Zeit:
1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg zum König Friedrich I. in Preußen. Für dieses Ereignis hatte Andreas Schlüter schon 1699 den Auftrag erhalten, das Renaissance-Schloss an der Spree zu einer prachtvollen Residenz im Stile des italienischen Barock umzubauen und zu erweitern. Er schuf mit den Paradekammern prunkvolle Innenräume, um die Macht und Größe des Königs zu unterstreichen.
Schließlich wurde es im Berliner Schloss, in dem viel kleineren, nordwestlichen Eckraum im Paradegeschoss des Eosanderbaus eingebaut, direkt am Weißen Saal. Wegen der Größe dieses Raumes konnten nicht alle Paneele. verwendet werden, einige wurden deswegen eingelagert. Später, nach dem Ausbau des Bernsteinkabinetts, wurde diese Kammer zu dem berühmten ”tabacs-collegium” Friedrich Wilhelms I.
1713 starb Friedrich I. und hinterließ immense Schulden. Sein Nachfolger war äußerst sparsam und dem Prunk seines Vaters überhaupt nicht zugetan. Deswegen hielt er auch nichts von dem “Cabinet aus Bernstein”.
1716 weilte Zar Peter I. von Rußland am Berliner Hof. Dieser äußerte ungeniert, was er am liebsten aus Berlin als Gastgeschenk mitnehmen wollte. So schenkte Friedrich Wilhelm I. dem Zaren wertvolle Schätze aus dem Besitz seines Vaters, um sich seiner Bündnisgunst, insbesondere bei der Übernahme Pommerns durch Brandenburg-Preußen, zu versichern.
“…daß der König dem Czaar zwey kostbahre praesente gethan hat, nämlich das prächtige, schöne Jagtschiff (heutige Lesart: Luxusyacht), dan ein prätieuses Bernstein-Getäffel zu einer vollenkommenen Bekleidung und Ausschlagung eines Cabinets….Der Czaar hat mit großer Verbindlichkeit zu erkennen gegeben, daß er auf ein Gegenpräsent starck würde bedacht seyn.”
30.000 Reichstaler hat das Bernsteinzimmer gekostet, weit weniger als das “Jagtschiff”, das mit 100.000 Talern zu Buche schlug. 1717 verließ das Zimmer Berlin und wurde über Memel und Riga nach St. Petersburg gebracht. Dort wurde es zunächst im alten Winterhaus, sechs Jahre später im Winterpalais eingebaut. Von dort kam es 1755 in das Versailles nachempfundene Katharinenpalais in Zarskoje Selo, der Sommerresidenz der Zarenfamilie.
Das Bernsteinzimmer in St. Petersburg im Schloss Katharinenhof, Zarskoje Selo:
Der mit dem Einbau beauftragte Carlo Rastrelli brauchte zusammen mit dem Italiener Martelli acht Jahre, um das Bernsteinzimmer in einen etwa sechsmal so großen Saal so einzufügen, dass trotz dieser gewaltigen Vergrößerung der ursprüngliche Charakter des Zimmers erhalten blieb. Dabei fanden natürlich auch die Paneele Verwendung, die nach dem Einbau des Kabinetts im Berliner Schloss eingelagert wurden. Erst Friedrich der Große schenkte sie dem Zaren.
Zusätzlich mussten viele Teile neu angefertigt werden, so z.B. 24 venezianische sowie ein bernsteingerahmter Spiegel. Das Zimmer bestand nach der Vergrößerung also nur noch zum kleineren Teil aus der Originalsubstanz des Berliner Schlosses. Das silberne Denkmal Friedrichs des Großen, nach dem berühmten Berliner Standbild als Miniatur geschaffen, wurde erst im 19. Jahrhundert im Zimmer aufgestellt, als Zeichen der Bewunderung und des Danks für diesen Preußischen König.
Gegengeschenk des Zaren für das Bernsteinzimmer:
An das Gegenpräsent hat sich der “Herrscher aller Reussen” erst ein Jahr später wieder erinnert.
König Friedrich Wilhelm I. hatte eine Vorliebe für lange Soldaten, die mindestens 1,90 m groß sein mussten. Mit einer sehr hohen Mütze ausgestattet, waren sie furchterregend lang, denn die Menschen des 18. Jh. waren doch sehr viel kleiner als die des 21. Jahrhunderts.. Die “Langen Kerls” wurden so zu Lieblingsgarde des Königs, der durch sie zum “Soldatenkönig” wurde, ohne dass er auch nur einen einzigen “richtigen” Krieg mit ihnen geführt hatte.
Um dem König zu schmeicheln, schickte der Zar deswegen 55, mit Gewehren aus Tula bewaffnete “Lange Kerls” im Sommer 1718 nach Berlin, dazu eine Drechselbank (eine weitere Vorliebe des Königs), eine Barke und einen von Peter selbst gefertigten Elfenbeinpokal.
Das ist nun die wahre Geschichte!
(Quellen:Günter Wermusch: Die Bersteinzimmer – Saga; Goerd Peschken: Das Bernsteinzimmer, Schriftenreihe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 2002)


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