„Stadtschloss-Kuppel: Rückkehr der Propheten“

01.März 2024 – B.Z. Berlin

Sandsteinfiguren werden montiert

Von Andra Fischer

Nanu, was machen die Steinfiguren da vorm Stadtschloss?

Von einem Drahtzaun und weiß-roten Baken umstellt, lagern mitten in Mitte acht riesige und tonnenschwere Sandstein-Skulpturen auf dem Pflaster vorm Humboldt Forum. In Teilen noch verpackt und mit Zugbändern auf Holzbalken-Konstruktionen geschnallt.

Es sind die biblischen Propheten-Figuren Daniel, Hesekiel, Hosea, Jeremias, Jesaias, Jonas, Zacharias und Zephaniah. Daniel steht schon aufgerichtet und schaut zum Schloss hinüber. Bald steht er weiter oben.

► Hintergrund: Die werden die historische Kuppel des Schlosses – der ehemaligen Hohenzollern-Residenz – vervollständigen! Voraussichtlich am 18. März und 19. März sollen die Propheten-Figuren montiert werden. Eine Bamberger Spezialfirma stellt sie an ihren historischen Plätzen rund um die Schlosskuppel auf.

Dafür hievt ein 500-Tonnen-Kran Daniel, Hesekiel und die anderen hinauf zur Kuppel. Jede einzelne Figur misst 3,30 Meter und wiegt 3 Tonnen!

Im Mai 2020 wurden die letzten Kupferarbeiten an der Kuppel vollendet, das umlaufende, viel diskutierte Bibel-Schriftband fertiggestellt und schließlich setzte ein Kran am 29. Mai 2020 die insgesamt 18 Tonnen wiegende Laterne mit dem Kreuz auf die Kuppel. Seither ist das imposante Bauwerk 68 Meter hoch.

Vor mehr als 20 Jahren, am 4. Juli 2002, hatte der Bundestag beschlossen, Nord-, West- und Südfassade des 1950 gesprengten Berliner Schlosses sowie die Barockfassaden des Schlüterhofs nach historischem Vorbild zu rekonstruieren.

Die komplette Ostfassade entstand als moderne Variante. Das Projekt Schloss kostete alles in allem 644 Millionen Euro (ursprünglich waren mal etwa 550 Millionen geplant).

Das große Schlossbau-Finale folgt 2025: mit den letzten Figuren für Nord- und Südseite.

 

Quelle: B.Z. Berlin, 01. März 2024

Ein Kommentar zu “„Stadtschloss-Kuppel: Rückkehr der Propheten“

  1. Die Skulpturen auf der Kuppel und auf den Portalen wirken als eindrucksvolle, kunstvolle Steinmetz¬arbeiten. Sie werden erheblich zur historisch korrekten Dokumentation der rekonstruierten Schlossteile und damit des Gesamtbildes der Stadtmitte Berlins beitragen. Noch fehlen der weiter festgehaltene Schlo߬brunnen und die Rossebändiger. Ich wünsche mir, dass die Berliner ihr eigenes Stadtbild nicht voll verklemmter Aversionen und ideologischer Vorbehalte zu Religion, König- und Kaiserzeit, DDR-Nostalgie, Retro- oder Modernismus-Fixierung ablehnen. Stattdessen hoffe ich, dass die Berliner die tolerante Größe haben werden, dieses wiedererstehende, prächtige Gesamtkunstwerk, so wie es ist und noch werden kann, als wieder sichtbares, harmonisches und ästhetisches Gesamtkunstwerk zu genießen.

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