Die Kurfürstenbrücke nach dem Krieg

Ich habe hier ein Nachkriegsfoto der Kurfürstenbrücke, die ja zu den bedeutendsten und ältesten Brücken Berlins gehörte,
gefunden. Sie war zwar beschädigt, jedoch leicht wiederherstellbar gewesen. Sogar die Ausbuchtung auf der das Schlütersche Reiterdenkmal der Großen Kurfürsten stand, war noch praktisch unbeschädigt.

Der Totalabriss dieses Kleinods und der anschließende neue Brückenbau waren weitaus teurer, als eine Sanierung gewesen wäre:

http://cgi.ebay.de/BERLIN-1945-09-big-ORIGINAL-ZERSTORTER-DOM-SCHLOSS_W0QQitemZ6611683874QQcategoryZ30994QQrdZ1QQcmdZViewItem

  • Füxlein

    Wie sieht sie heute aus? Habe im Moment gar keine Vorstellung von der Brücke.

  • piwi

    Hallo, Füxlein,

    heute ist dort nur noch eine ordinäre, x-beliebige Spannbetonbrücke, wie es sie in Deutschland tausendfach gibt. Leider!

  • Richard

    Ich habe zwar viele Vorkriegs – Farbfotos von der Berliner Mitte (siehe unteres Bild), aber fast keine Nachkriegsfotos und auch kein Foto von der jetzigen Brücke.

    Vielleicht ringt man sich ja doch noch durch und rekonstruert auch den Renaissanceflügel des Schlosses. Dann hätte man von der Kurfürstenbrücke wieder einen soch atemberaubenden Anblick auf das Schloß und den Dom. Das Farbfoto stammt von 1941:

    http://img146.imageshack.us/img146/3383/berlindoma19418ti.jpg

  • Richard

    Ups….

    Ich glaube ich habe eine zu hohe Auflösung gewählt!

  • Füxlein

    @Richard
    Ist ja sogar eine Farbaufnahme, Richard, ein schönes Bild. Auch wie die Domkirche im Hintergrund glänzt.

    Hallo @Piwi, schön mal wieder von Dir zu hören. Hmmm, die Brücke ist heute also modern, schade. Da wäre eine Reko sicher von Nöten.

  • Dreikant

    danke für das Einstellen eines interessanten Bildes (bei mir übrigens nicht zu groß). Ich würde mir die Wiederherstellung der Renaissance-Fassade mit dem Grünen Hut wünschen (vielleicht geht dieser Wunsch ja auch in Erfüllung?). Dadurch würde vermittelt, daß Berlin seine Wurzeln im Mittelalter hat, was in der Stadt kaum noch ablesbar ist. Berlin begann ja nicht mit dem Alten Fritz…

    Zur Kurfürstenbrücke: Den wirklichen Zustand eines Bauwerkes kann man nur beurteilen, wenn man es in näheren Augenschein (Abstand 50 cm) nimmt. Ich habe so manches gesehen, was noch recht gut erhalten schien und sich bei detaillierter Betrachtung als unrettbar erwies. Ich vermute allerdings, daß man die Kurfürstenbrücke eher aufgrund ihres Namens als aufgrund ihres Bauzustandes beseitigt hat (wie ja auch das Schloß aus ideologischen Gründen fiel).

  • Füxlein

    Öhm, dürfte ich da einmal eine vielleicht dämliche Frage stellen, bestimmt steht es ja auch irgendwo, oder als Schloßfreund muß man es aus dem eff-eff wissen…. Was ist der Grüne Hut?

  • Dreikant

    die Antwort finden Sie natürlich auf eben dieser Website: http://www.berliner-schloss.de/start.php?navId=65 unter dem Titel: 1443

    Na, hoffentlich klappt alles.

  • Dreikant

    http://www.berliner-schloss.de/start.php?navID=65
    unter der Jahreszahl 1443 mal nachsehen.

  • Füxlein

    Besten Dank für den Hinweis mit dem Grünen Hut, Dreikant. Schon toll diese Ostfassade, die wirkt richtig romantisch. Zu den Linden hin ist das Schloß eine grandiose barocke Pracht-Inszenierung, die Ostfassade hingegen ist ist eher etwas für Romantiker. Eine gelungene Mischung eben dieses Schloß. Es zieht eine Verbindung von der cöllnischen Burg der Markgrafen bis hin zur kaiserlichen Residenz. An dem Bau war Geschichte ablesbar. Wird es auch in Zukunft wieder sein. Fortsetzung folgt!

  • Richard

    Die Ostfassade war wirklich sehr romantisch. Vergleicht man das Bild mit diesem Bild unten, fällt der Unterschied besonders auf! Der größte Barockbau nördlich der Alpen mußte dieser lächerlichen Tribüne Ulbrichts weichen! Man kann es nicht verstehen, am besten man versucht es erst gar nicht.

    Nur die Domruine und die alte Berliner Börse, die nun, wo die Altstadt abgeräumt war völlig frei stand und mit den gewaltigen Säulen dem alten Museum links neben dem Dom sehr ähnelt, sind noch zu sehen. Die Börse wurde einige Jahre später gesprengt.

    http://img148.imageshack.us/img148/9615/berlindomd19608ly.jpg

  • Füxlein

    Der Berliner Dom hat ja noch eine Kuppel, war das eine Notabdeckung oder die innere Kuppel?

    Mensch, die Börse sah ja klasse aus, wenn man das mit heute vergleicht, traurig, traurig.

  • Richard

    Hallo Füxlein, die Kuppel bekam irgenwann eine Notabdeckung aus Blech, die dann so schön rot vor sich hin rostete. Ursprünglich sollte der Dom ja auch gesprengt werden! Es ist fast ein Wunder, daß er heute noch steht. Ich habe hier ein Bild, auf dem das rostige Blech gut zu sehen ist.

    Was auch interessant ist:
    Die hinteren Dom Türme hatten noch bis in die 70er Jahre die verzierten Laternchen auf den Kuppeln:

    http://img48.imageshack.us/img48/2042/berlindomb19718dy.jpg

  • Füxlein

    Interessantes Bild! Für Gottesdienste wurde der Dom während der Zeit der rostigen Kuppel aber nicht genutzt, oder?

    Ist wirklich erstaunlich das sie den Dom nicht auch pulverisiert haben und ihn stattdessen sogar schön renovierten. Mir gefällt er übrigens heute fast besser als vor dem Krieg, lediglich die Denkmalskirche sollte noch wiederhergestellt werden, so meine ich. Wann ist die eigentlich verschwunden?

    Haben Sie auch Innenaufnahmen vom Dom, während der Zeit der Zerstörung. Sie haben ja wirklich einen reichen Fotoschatz.

  • Richard

    Die Predigtkirche des Domes wurde erst in den 90ern wieder für Gottesdienste und Konzerte genutzt. Die große Sauerorgel und die steinerne Innenkuppel waren sehr schwer beschädigt. Allerdings fanden die Gottesdienste noch viele Jahre in der unbeschädigten Denkmalskirche (Gruftkirche) statt. Ich glaube die wurde erst in den 70ern abgerissen, ich weiß es aber nicht genau.

    Auf der Site des "Bildarchiv der Kunst und Architektur" findet man übrigens hunderte Vorkriegsfotos vom Schloß, dem Dom und eigentlich allen großen Bauwerken aller Deutschen Städte. Allerdings alle in schwarz/weiß.

    Meine kleine Sammlung beschränkt sich auf historische Farbaufnahmen des unzerstörten Berlin (Schloß, Nationaldenkmal, Dom, Reichstag, die Berliner Plätze, etc..) auch viele Farbfoto Ansichtskarten der 30er und frühen 40er Jahre.

    Auch einige wenige Farbfotos mit Ausbesserungen aus den späten 20er Jahren (vom Dom und dem Lustgarten) und wenige Farbfotos der frühen Nachkriegszeit vom Dom.

    Berlin war schon eine schöne Stadt, das muß man sagen!

  • Füxlein

    Schöne Seite, die Sie da vorgestellt haben. Sehr interessant, vielen Dank!

    Hmmm, zeigen Sie doch mal Ihr Foto vom Nationaldenkmal, wäre nett. Dann kann man sich vielleicht mal ein neues Bild von ihm machen? War es wirklich so kitschig wie manche behaupten? Wenn ich da an Roms Vaterlandsaltar denke, kann es so bombastisch sicher net gewesen sein.

  • Richard

    Das Nationaldenkmal war nicht häßlich! Im Gegenteil, die Säulenkolonnade sah sogar romantisch aus, weil sie direkt am Wasser stand und sich darin spiegelte. Ein beliebtes Fotomotiv vor dem Krieg. Das Reiterdenkmal selbst war mit den Löwen, die übrigens noch erhalten sind, etwas protzig…

    Hier noch zum Abschluß drei interessante Ansichten:

    1. Blick zum Dom 1940 mit der linken Ecke des Schlosses und dem Uhrentürmchen auf dem "Weiße Saal Flügel"

    2. Der gleiche Blick ca. 1970

    3. Ein bekanntes Ansichtskartenmotiv des Schlosses mit dem Denkmal

    http://img93.imageshack.us/img93/8971/dom405tm.jpg

    http://img137.imageshack.us/img137/1079/dom728er.jpg

    http://img137.imageshack.us/img137/2962/schlo144bv.jpg

  • Füxlein

    Vielen Dank für die tollen Bilder. Das Spreeufer war auch noch so schön mit Efeu bewachsen. Wirkte wirklich sehr romantisch.

    Das mittlere Bild ist schon krass und fast ein wenig unheimlich. Der bröckelnde Dom mit der rostigen Kuppel und dahinter die neu entstandene sozialistische Stadt.

    Vom Denkmal sieht man ja nicht allzuviel, doch von der Spree-Seite aus wirkte es durchaus schön.

  • Dreikant

    ich habe das mittlere Bild (70er Jahre) schnell wegklicken müssen, um einen Durchfall zu verhindern. Und ja die Spreeseite des Schlosses war im Gegensatz zu Schlüters barocken Fassaden sehr romantisch. Für mich ein Grund mehr, warum auch diese Schloßseite rekonstruiert werden sollte (abgesehen mal davon, daß damit die mittelalterlichen Wurzeln Berlins wieder ablesbar wären).

  • Füxlein

    Tja, Dreikant, mit Mittelalter ist in Berlin ja leider nicht mehr viel. Da wäre die St. Marienkirche, die St. Nikolaikirche, die Heilig-Geist-Kapelle und ein Stück historischer Stadtmauer im Bereich der barocken Parochialkirche. Ach ja und das Graue Kloser. Auf dem Internat des Grauen Klosters war übrigens Otto von Bismarck Schüler.

    Ja, die Ostfassade wäre wirklich wünschenswert.

  • Dreikant

    >Tja, Dreikant, mit Mittelalter ist in Berlin ja leider nicht mehr viel.

    Und genau deswegen wäre die Rekonstruktion der Ostseite so wichtig, um eben diese Wurzeln aufzuzeigen. Da gab es ein paar Fischerdörfer entlang der Spree und einen nahegelegenen Hof des Ordens der Tempelritter, nach dem noch heute ein Stadtbezirk Berlins benannt ist. Aber das ist fast vergessen, es gibt nur noch wenige materielle Spuren. Aber eben diese materiellen Spuren sind wichtig (auch wenn sie rekonstruiert sind), um die Identität eines Ortes zu erhalten oder wiederherzustellen.

    Und wie das aussieht, wenn Bewohner sich mit ihrer Umgebung nicht identifizieren können, haben wir unlängst in den Pariser Vororten sehen müssen. So gesehen sind Rekonstruktionen zerstörter Bauten seltsamerweise auch ein Beitrag zum sozialen Frieden (ich weiß, das klingt ziemlich absurd).

  • Füxlein

    Das sehe ich auch so, Dreikant. Was man liebt, was einem vertraut ist und was man kennt und weiß wofür es steht, das zerstört man auch nicht. Gerade wenn man sich noch damit identifiziert.

    Niemand darf vom Schloß ausgeschlossen werden.

  • S.Hartmann

    Leider hinkt ihre Argumentation gewaltig. Jedenfalls für Berlin. Siehe Märchenbrunnen etc.; durch Sprayer verunstaltet, obwohl identitätsbildend und ganz sicher ein Brunnen nach ihrem Geschmack.

    Und übrigens; das Denkmal am Schloss stand nicht an der Spreeseite sondern am Kupfergraben.

  • Richard

    Nur der Vollständigkeit wegen, hier noch zwei allerletzte Fotos. Da hier offenbar Interesse an alten Farbaufnahmen besteht, möchte ich diese beiden Fotos von 1940 nicht vorenthalten.

    Besonders interessant ist, dass hier viele Menschen zu sehen sind, die teilweise durch das gewaltige Eosanderportal gehen. Von dem ersten Foto bekommt man einen guten Eindruck von den Ausmaßen des Portals.
    Das zweite Foto zeigt, wie das Schloß von der Schloßbrücke aus gesehen wirkte.

    So wird es in einigen Jahren wieder erstrahlen und dazu noch frisch gestrichen! Das wird die architektonische Hauptattraktion Berlins, die zudem auch noch viele Arbeitsplätze schafft. Auch später in der Nutzungsphase.

    http://img68.imageshack.us/img68/1024/schlofreiheit7vj.jpg

    http://img68.imageshack.us/img68/4624/schlofreiheit2a0bb.jpg

  • Dreikant

    Die von Ihnen erwähnte Verunstaltung des Berliner Märchenbrunnens durch Sprayer (Grundhaltung Destruktivität) zeigt doch sehr deutlich, wie wichtig die Wiederherstellung zerstörter, indentitätsschaffender Bauwerke ist. Was ich liebe, beschmiere ich doch nicht.

  • Füxlein

    Vielen Dank, noch einmal!

    Ihre Fotos haben mir sehr gut gefallen.

  • Richard

    Das geht mir genauso!
    Ich bin jedesmal aufs Neue begeistert, wenn ich die alten Fotos anschaue.
    Berlin hat sich seit dem Krieg schon sehr stark verändert. Die Stadt war früher architektonisch wesentlich urbaner und irgendwie "gefühlswärmer", nicht so abweisend und ausdruckslos wie die Stadt in großen Teilen jetzt wirkt.

    Plätze wie der Potzdamer Platz wirken mit all den Glasgebirgen und Stahlträgern kalt und steril. Das ist aber natürlich nur meine Meinung!

  • Kösters

    Richard, ich gebe Ihnen Recht. Den Postdamerplatz halte ich für architektonisch verunglückt – obwohl namhafte Architekten daran mitgewirkt hat. Ich glaube, es lag u. a. daran, dass die vorgesehenen Hochhäuser – die m. E. überhaupt nicht zueinander passen, nachträglich noch aufgestockt worden sind. – Ich bin nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser, etwa am Alexanderplatz. Aber bitte: harmonischer konzipiert! – Aber welch ein Unglück, wenn uns statt des PdR nicht das alte Schloss, sondern wiederum ein unmöglicher Neubau präsentiert wird. Das wäre auch der Fall, wenn, wie in Postdam, der Neubau zwar in den Maßen des Schlosses erbaut wird, aber, abgesehen vom Fortunaportal, das Gott sei Dank! schon steht, mit Fassaden, die hier im Forum schon ausreichend und mit Recht kritisiert worden sind. – Nein, das Schloss muss her – und zwar in der vom Bundestag beschlossenen Form! Und dies möglichst bald! – Abgesehen von den Prachtzimmern und – sälen dürften dabei die übrigen Räume gern dem neuen Verwendungszweck "Humboldt-Forum" angepasst werden.

  • Füxlein

    Der Potsdamer Platz geht meiner Meinung noch einigermaßen, ich finde z. B. das Hotel Ritz, die DB-Zentrale und auch das Backsteinhochhaus recht gelungen.

    Jedoch als absolut häßlich bezeichne ich die Bauten hinter dem P´damer Platz, wie: dem Sony-Center oder die orangefarbenen Bauten von Renzo Piano am Marlene-Dietrich-Platz. Auch die überdachte Einkaufs-Passage bietet architektonisch nichts. Das Weinhaus wiederum finde ich ganz gut integriert.