Die Fassaden entstehen in alter Bildhauertradition

Wie vor dreihundert Jahren entstehen die Schlossfassaden nach alten Regeln: Zunächst wird jedes Detail in Ton modelliert. Früher wurde das Modell dann mit einem Trennmittel, zumeist Schellack, eingepinselt und dann direkt mit Gips abgeformt. Heute macht man es anders: Das Tonmodell wird mit hochwertigem, flüssigem Silicon bestrichen.

Nach dem Trocknen sitzt dieses wie eine passgenaue Gummihaut und ist sehr biegsam. Deswegen wird vor der Abnahme ein Gipskorsett gegen die Silikonhaut gebaut, dass die Form nach der Abnahme stabil hält. Erst dann erfolgt die Übertragung in Sandstein. Der Weg hat sich durch den technischen Fortschritt und bessere Materialien geändert, aber der historische Dreiklang mit Tonmodell, Gipsmodell und Sandsteinausführung ist geblieben.

Foto: Bildhauer Frank Kösler, Berlin

Adlermodell aus dem Mezzanin der Schlüterfassaden. 40 verschiedene Adler werden in Ton modelliert und schließlich zur Abformung mit Silikon bestrichen.

Die Großaufnahme von Portal V im Schlüterhof zeigt die ganze Schönheit Schlüterscher Architektur. Er war Bildhauer und Architekt zugleich und wurde deswegen nicht von ungefähr der „Deutsche Michelangelo“ genannt.

Weiterführende Links

Die Entwicklung der Fassaden im Modell

  • Alexander Landsberg-Velen

    wäre es nicht einfacher, wesentlich billiger und auch haltbarer die Formen mit einem Sand-Kunstharz-Gemisch auszugießen anstelle die Figuren von Hand zu meisseln ? – Man würde dadurch auch Geld einsparen welches für die Rekonstruktion der Türmchen verwendet werden könnte ???

  • Thomas Notini

    Als Grossenkel eines Ornamentbildhauers interessiert mich dies sehr. Ja, Schellack wird heutzutage bei Stuckarbeit kaum mehr benutzt.

  • Michael Fetik

    Offizieller Eröffnungstermin ist der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt: 14. September 2019. 🙂

  • Michael Wolff

    „..in alter Bildhauer-Tradition“ – also nix mit „Disneyland“ und so … 😉

  • Michael Wolff

    das ist ein interessanter Aspekt; allerdings nur im Hinblick auf das finanzielle Problem. Die plastischen Fassaden-Teile abzugießen, wäre Wasser auf die Mühlen der Disneyland-Quatscher. Die Verwenung des Original-Baustoffes unter Anwendung traditioneller Fertigungsmethoden führt Vorwürfe dieser Art ad absurdum.

  • Günter Martin

    oho Danke !

  • Laurent Beaulieu

    Translation in English is difficult to read. How about this:

  • Laurent Beaulieu

    300 years ago the Palace facade was put in place according to the artisan rules of the day, each detail is modelled. A release agent often shellac was applied directly to the plaster mould. Today it is different, the clay mould is covered with a high quality liquid silicone.

  • Alexander Landsberg-Velen

    Künstlicher Sandstein (Kunstharz i.V, mit Sand > gegossen) ist von echtem Sandstein eigentlich nicht zu unterscheiden wenn die Mischung (Härter incl.) stimmt – ist allerdings nach der Aushärtung wesentlich beständiger

  • Michael Wolff

    das stimmt, dennoch gelten entsprechende Vorgaben, die eingehalten werden müssen.

  • Markus Zitzmann

    Also ich will kein Kunstsandsteinschloss ^^ :O , sondern ein Vollsandsteinschloss !!!! 🙂

  • Alexander Landsberg-Velen

    ja – verständlich aber wenn Geld eingespart und dafür mehr originalgetreu rekonstruiert werden kann würde ich den gegossenen Sandstein bevorzugen zumal er als solcher nicht erkennbar ist – lieber eine guter Fake als plumpe pseudomoderne cauchemars wie z.B der Ostflügel oder das Weglassen historischer Ornamente oder Gebäudeteile

  • Joachim Guischard

    Und anders als beim vermaledeiten Flughafen wird es hier definitiv fertig werden

  • Annika Franke

    Schade, daß der „Schloßherr“ nicht auch den BER übernehmen kann – dann bestünde vielleicht doch noch eine WINZIGE Chance, das „Flugmonster“ in unserer Generation fertigzukriegen… *Ironie*

  • Michael Wolff

    @ Alexander: ich halte dieses Geschrei nach „zu teuer“ für völlig unangebracht. Wenn man sich mal überlegt, was dieser Staat bisher in die Baustelle des BER versenkt hat (damit sich ein paar korrupte Partei-Klüngel auf Steuerzahlerskosten ihre Taschen füllen), ist das Schloß geradezu preiswert. Jeder Euro den dieses Schloß MEHR kosten wird, KANN -im Hinblick auf seinen realen Mehrwert – gar kein Euro zuviel sein!

  • Christian Kirchberger

    Das momentane Bild der Betonfassade entlarvt den
    ganzen „Rekonstruktionsansatz“ des Schlosses. Dies erinnert
    verdächtigt an billige Bauträgermodelle, die als hochwertige Architektur bzw.
    werthaltige Gebäude verkauft werden. Man wartet schon auf die angeklebten die Styroporplatten.
    Hierzu passen perfekt die Silikonadler.

  • HansHausberger

    Christian Kirchberger 
    Nur weil man bei der Übertragung vom Tonmodell auf das Gipsmodell als Trennschicht jetzt Silikon statt wie früher Schellack nimmt, werden die Sandsteinadler zu „Silikonadlern“? Haben sie überhaupt verstanden, um welchen Arbeitsschritt es sich hierbei handelt?

    Der innere Stahlbetonkern ist bei der geplanten Innengestaltung aus statischen Gründen notwendig. Mit der drumrum originalgetreu Stein für Stein aufgemauerten Außenfassade hat er im Grunde nichts zu tun.

  • Christian Kirchberger

    Dies trifft genau den Kern der Sache. Was hat das Innere mit dem Äußeren zu tun ?

  • HansHausberger

    Christian Kirchberger 
    die These, daß das Innere eines Gebäudes zwingend seiner äußeren Fassade entsprechen muß, ist eine Theorie, die allein schon historisch widerlegt ist. Die Architekturgeschichte ist voller Beispiele von fundamentalen Umbauten und Nutzungsänderungen hinter bewahrten Fassaden. So wie man umgekehrt auch nicht gezögert hat, Bestandsgebäuden geänderte Fassaden zu verpassen. 
    So hat man beispielsweise beim Bau des Wiener Stephansdoms die romanische Westfassade stehen lassen, dahinter aber ein gotisches Kirchenschiff gesetzt. Umgekehrt in Syracus: da blieb ein griechischer Tempel stehen, und davor setzte man mehr als 1000 jahre später eine barocke Domfassade. Bei Schlössern gibt es noch viel extremere Beispiele dafür: erst Schloß, dann Stall und dann wieder Schloß, ohne daß sich außen je was geändert hätte. und umgekehrt: permanente Fassadenänderungen bei gleichem Inhalt.

    solange nicht willkürlich mit historisierenden formen gespielt wird, sondern mit konkretem historischen und örtlichen bezug etwas zerstörtes originalgetreu wieder aufgebaut wird, ist das nicht zu beanstanden.

  • Christian Kirchberger

    Dies kann bzw. eigentlich muss ich in diesem Fall etwas anders sehen
    Bei allen Ihren Beispiel gab es ein historische Kontinuität, einen
    Gebäudekern, eine Originalsubstanz mit der es eine bauliche Auseinandersetzung
    gab. Hier gibt es dies nicht mehr. Dies ist natürlich zu bedauern, aber der
    entscheidende Punkt. 
    Bei der Dresdner Frauenkirche gab es zu mindestens einen Trümmerkegel der
    sortiert und zu einer überwiegend auch statischen historischen originalgetreuen,
    soweit so dies möglich war, Rekonstruktion verwendet wurde.
    Dies fehlt hier wie gesagt komplett. Es wird lediglich ein Bild anhand von,
    teilweise ziemlich unscharfen Schwarzweiß Photos errichtet