Liebknecht
schrieb am 12. April 2010
um
19:36
Bedauerlich erscheint mir, dass der Förderverein Berliner Schloss schon vor Jahren mit seiner unkritischen Anbiederung an Herrn Lehmanns Humbug-Idee das Schloss als komplexes Kultur- und Geschichtszeugnis aufgegeben hat. Man könnte da auch von Verrat sprechen. Die inhaltslose Kulissenschieberei in Verbund mit der dittklassigen Messearchitektur eines Franco Stella ist nur peinlich.
maus
schrieb am 11. April 2010
um
10:50
@Freiburger Jurist,
auf eine sachliche Ebene zu kommen fällt scheinbar schwer, die Ideologie-Falle wird eben weiter bedient. Man kann dem Leser einmal erklären was „Linke Rhetorik“ ist.
Ich rechne mich zur gesellschlichen Mitte.
Genauso wie die Fassaden als Bauteile beschlossen wurden, so wurde es auch das Innere, indem ihm eine bestimmte Nutzung einbeschrieben wurde, welcher als Konsequenz der alte Schloßgrundriß nicht mehr dienen kann.
Man kann das als „Linke Rhetorik“ verkaufen, so etwa nach dem Motto, was nicht „Schloß“ wird = „links + rot“, der Leser wird das aber nicht nachvollziehen.
Die Tatsache, dass man versucht hier mit „Weltbildern“ zu manipulieren, bestätigt doch eigentlich nur, was unten (2133) bereits gesagt wurde.
***
Bei einer aufrichtigen Diskussion, bei der es nunmehr um rein architektonische Fragen gehen solle, wie es S.Hartmann versucht, müsste man sich auch hier ersteinmal mit der neuen Nutzung auseinandersetzen.
Zu so viel wie möglich Barock aufzurufen, wirkt da eben ziemlich platt, und Sie müssen sich nicht wundern, wenn sich hier jene heraushalten, die etwas Konstruktives beisteuern könnten.
FreiburgerJurist
schrieb am 11. April 2010
um
8:17
Zitat Maus:
\"Der Aufruf: - „Falls Diskussionen, Geistesschärfe und Kampfesgeist angesagt sind, dann allein dafür, so viel wie möglich Barockschloß durchzusetzen (Kuppel, Treppenhäuser usw.) Dafür sollte man sich einsetzen und alle, die etwas zu entscheiden haben, davon zu überzeugen.“ …
… klingt irgendwie als sei jeglicher konstruktive Gedankengang ausgeschlossen.
Aber ich denke hier gilt das Gleiche wie für festgelegte Fassaden, denn im Inneren entsteht nun einmal, wie beschlossen, ein „Humboldt-Forum“. \"
Ein Paradebeispiel für linke Rhetorik: Man wirft dem Gegner vor, dass er in einem an sich harmlosen Kommentar ein Denkverbot erteilt und im nächsten Satz stellt man dann selbst eine \"unumstößliche\" These auf. Der Diskussionsteilnehmer wird scheinbar als reaktionär und in alten Gedankengängen verhaftet \"entlarvt\" und darf sich deshalb nicht zur Wehr setzen. Tut er es doch, so wird er als Ewiggestrig angeprangert. Distanziert er sich, so hat die Maus gewonnen. Hipp hipp Hurra!
Es ist doch offensichtlich, wer hier Denkverbote erteilen möchte.
maus
schrieb am 11. April 2010
um
0:46
Nun, mehr als eine „Annäherung“ ist architektonisch auch nicht möglich.
Es bleibt bei einer Fassade, ob mit Kuppel oder ohne, ob Schlüter oder nicht.
Das Gebilde wird leider einmal ein Denkmal für Geschichtspolitik des beginnenden 21.Jahrhunderts sein, lediglich ein Ergebnis des Parteiengerangels, eine Art Strohhalm, als für die Großen im Allgemeinen immer mehr Stimmen ausblieben, oder vielleicht auch nur um zu dokumentieren, dass die einen mit den anderen nichts zu tun haben wollten. Und was der Leser hier vorfindet, und was dieser oder jener vielleicht einmal festgehalten hat, ist der geistige Querschnitt, auf dem alles fußt. Aber eigentlich ist es egal wie Sie richtig bemerken, da Entscheidungen schon gefallen sind. Die Widersprüche sind aber geblieben, um es noch einmal zu wiederholen, und sollte diesen deshalb ins Auge sehen, wie ich unten bereits schrieb.
Ich selber hätte mir auch gewünscht, dass Ideologie außen vor geblieben wäre, aber Sie wissen sehr gut, dass jene für das Projekt erst bemüht wurde, und zwar schon vor Jahren, und es keinen Einspruch gab, der der Instrumentalisierung Einhalt geboten hätte, da man ja die „Manövriermasse“ selbst gern in Anspruch nahm, und nimmt.
Selbst wenn es von Anfang an nicht als Symbol gedacht war, sondern einfach nur „schön“ sein sollte, so konnte, und kann man nicht verhindern, dass es von verschiedenen Gruppen vereinnahmt wird.
@Ernst Ludwig, wenn Sie richtig gelesen haben, reagierte man nicht auf meine Ausführungen, sondern kämpfte schon zuvor „um die größtmögliche Umsetzung einer Annäherung an die wunderschöne alte Formgebung“, und zwar, indem man eine „parasitäre Moderne“ bemühte, welche die überkommene so genannte „Wirtsarchitektur“ (Barock?) befällt.
Auf diesem Niveau muß es aber eben scheinbar bleiben.
Der Aufruf: - „Falls Diskussionen, Geistesschärfe und Kampfesgeist angesagt sind, dann allein dafür, so viel wie möglich Barockschloß durchzusetzen (Kuppel, Treppenhäuser usw.) Dafür sollte man sich einsetzen und alle, die etwas zu entscheiden haben, davon zu überzeugen.“ …
… klingt irgendwie als sei jeglicher konstruktive Gedankengang ausgeschlossen.
Aber ich denke hier gilt das Gleiche wie für festgelegte Fassaden, denn im Inneren entsteht nun einmal, wie beschlossen, ein „Humboldt-Forum“.
Grüße
Kreuzberger
schrieb am 10. April 2010
um
22:38
@Hartmann
Nein, was Kompromisse angeht, bin ich sehr stur.
Man muß sich zwar gewissen begründeten Sachzwängen beugen, wobei die modernistische Verkitschung der Schloßrekonstruktion m. E. aber alles andere als in irgendeiner Weise begründet oder nachvollziehbar ist.
Ich weiß nicht, ob wir tatsächlich einen gemeinsamen Grundkonsens haben, aber wenn das so sein sollte, tut das meinem Harmoniebedürfnis schon mal ganz gut 🙂
MitteinsHerz
schrieb am 9. April 2010
um
12:22
@Ernst Ludwig
BINGO! Mein Reden seit Wochen, drum gehe ich auf u.a. neuerlichen Angang der \"Maus\" auch schon nicht mehr ein. Offenbar WILL sie die Grundintention unseres Bestrebens hier garnicht erst begreifen. Es liegt etwas, die eigentliche Sache betreffend, Destruktives in ihrem gebetsmühlenartigen Diskussionsansatz, wie ich finde.
Also:
Pro Orginalannäherung Stadtschloss, und nichts Anderes! Bumms, Aus, Nikolaus! -wie schon der sagenumwobene Schreibtischphilosoph Stromberg so unnachahmlich simpel zu resumieren pflegte. 😉
S.Hartmann
schrieb am 9. April 2010
um
8:58
@ Kreuzberger
um auf das Schlossprojekt zurückzukommen: dafür müsste erst einmal rekonstruierbare Substanz vorliegen. Ich glaube was Rekonstruktionen und den Umgang mit Denkmalen und Kunstwerken betrifft haben wir eine sehr ähnliche Meinung. Nur bei Nachbauten/ Neuschöpfungen gehen Sie scheinbar mehr Kompromisse ein, was den Umgang mit Geschichte angeht.
Kreuzberger
schrieb am 8. April 2010
um
17:29
@Hartmann
Alles hat mit allem zu tun. Es geht mir darum, daß historische Bausubstanz nicht zur Manövriermasse von Kultur-und Geschichtsallergikern werden darf, auch rekonstruierte historische Bausubstanz nicht.
Im übrigen wurden schon viele übereifrigen \"Rekonstruktionen\" rückgängig gemacht. Das gebietet einfach die Ernsthaftigkeit, mit der man mit unserem kulturellen Erbe umgehen sollte.
S.Hartmann
schrieb am 8. April 2010
um
12:07
@ Kreuzberger
Künstlerische Ergänzungen antiker Statuen sind zwar verpönt, sind heute aber ebenso Teil der Geschichte und Teil eines Gesamtkunstwerkes mit Widersprüchen. Man reisst ja auch denen nicht mehr den Kopf ab. So sehe ich auch die Sache mit dem Dom.
und nun beende ich das Thema Dom, um vielleicht irgendwann mal wieder zum Pseudo-Schloss zu kommen.
Kreuzberger
schrieb am 7. April 2010
um
22:51
Herr Hartmann, selbstverständlich war die Domkuppelbekrönung allein fotografisch tausendfach dokumentiert, so daß Ihr Argument hier vollkommen indiskutabel ist. Auch das \"Zurückdrehen von Geschichtsrädern\" empfinde ich als einen ziemlich abgedroschenen Kampfbegriff, der inhaltlich überhaupt nichts aussagt. Wer was wo hineininterpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Eine historisch korrekte Rekonstruktion kann nur Auskunft geben über das Denken der Entstehungszeit und das muß und soll man eben so zur Kenntnis nehmen wie es einmal war.
\"Künstlerische\" Ergänzungen antiker Statuen sind längst verpönt. Solche Auswüchse von kreativem Vandalismus können Sie nun wirklich nicht als Entschuldigung für die Entstellung der Domkuppel anführen.
Ernst Ludwig
schrieb am 7. April 2010
um
20:44
Liebe Maus und andere,
und??? kann ich da nur sagen. Der Grundstein wird dieses Jahr noch gelegt. In einigen Jahren steht das Barock-Schloß - wenigstens in äußerer Hülle. Es ist beschlossen und wird durchgezogen. Was sollen denn da die sich bis zum Erbrechen im Kreis drehenden Diskussionen?
Komisch, daß immer wieder Leute darauf hereinfallen und diskutieren, was schon zum hunderttausendsten und aberhunderttausendsten Mal diskutiert wurde.
Falls Diskussionen, Geistesschärfe und Kampfesgeist angesagt sind, dann allein dafür, so viel wie möglich Barockschloß durchzusetzen (Kuppel, Treppenhäuser usw.)Dafür sollte man sich einsetzen und alle, die etwas zu entscheiden haben, davon zu überzeugen.
maus
schrieb am 7. April 2010
um
16:52
Ich habe hier noch einige Interessante Texte gefunden:
http://db.bauzeitung.de/files/db_essays/reflexivmodern_db0311.pdf
http://db.bauzeitung.de/files/db_essays/reflexivmodern_db0312.pdf
Von dieser Seite: http://db.bauzeitung.de/de/29/Uebersicht-Seite-3.html?cp=3
informative Exkursion: http://www.foerderverein-baukultur.de/index.php?id=185
Von dieser Seite: - Förderverein Bundesstiftung Baukultur e.V.
http://www.foerderverein-baukultur.de/index.php?id=10
***
Die Widersprüche, die das Projekt beinhaltet sind nun einmal manifestiert, ich glaube, statt sie zu leugnen, sollte man ihnen einfach ins Auge sehen.
Gruß
S.Hartmann
schrieb am 7. April 2010
um
11:13
\"Freibrief zur Geschichtsverfälschung\"- das ist das grosse Problem mit Rekonstruktionen, da jede Form von Wiederherstellung Gefahr läuft das Rad der Geschichte zurückdrehen zu wollen.
Ich gehe mit der Gruppe an Denkmalpflegern, die einen gewissen Originalbestand(z.B.80%) als Vorraussetzung einer Originalgetreuen Wiederherstellung ansehen. Dies war beim Dom nach dem Krieg ja nicht mehr der Fall.
übrigens gibt es viele Beispiele in den Bildenden Künsten in denen diese Verfälschung stattfand und heute ein Gesamtkunstwerk ergibt. z.B. im Pergamonmuseum die Antikensammlung, mit antiken Statuen deren Köpfe aus dem 18-19 Jahrhundert stammen.
Kreuzberger
schrieb am 1. April 2010
um
22:58
Herr Hartmann, ich muß ihnen leider insofern widersprechen, als ich den Wiederaufbau der Domkuppel als eine Rekonstruktionsmaßnahme ansehe und eben nicht als eine aus welchen Gründen auch immer zulässige Neuinterpretation des ursprünglichen Baukörpers, wie sie uns in ähnlicher Form mit der \"Wiedererrichtung\" des Stadtschlosses bevorsteht.
Was Sie hier verteidigen, ist eigentlich ein genereller Freibrief zur Geschichtsverfälschung, wenn Sie der breiten Masse der Besucher unterstellen, ohnehin kein Interesse an Authentizität zu haben und sich mit einer fragwürdigen, aber wohl gefälligen Fotogenität zufrieden zu geben.
Der gesamte Bereich der Kunst und des Kunsthandwerks unterliegt zu Recht der selbstverständlichen Verpflichtung, Artefakte aller Art zu konservieren, sie nach neuesten Erkenntnissen zu restaurieren oder bei Bedarf in möglichst zurückhaltender Weise zu rekonstruieren.
Stellen Sie sich bitte einmal ein solches Vorgehen wie an der Domkuppel bei Gemälden, Bilderrahmen oder Plastiken vor. Undenkbar!
Daß die breite geschmackliche Nivellierung auf immer tieferem Niveau schon zu Beginn der Industrialisierung einsetzte, ist klar. Dennoch war das Gebrauchsdesign noch lange in enge Korsetts gebunden und alles war noch irgendwie miteinander kompatibel. Bis zum Spätbiedermeier war es sogar recht schwierig, Disharmonien zu erzeugen. Die Fabriken boten einfach noch nicht diese Riesenauswahl an Designmüll, wie sie es heute tun 🙂
S.Hartmann
schrieb am 1. April 2010
um
15:41
@Kreuzberger
Ich bin mit Ihnen d\'accord was den Geschmackssinn und die Verkitschung in der Gesellschaft angeht. Nur ist dies nicht unbedingt ein modernes Phänomen(man denke an die billigen Kopien und Verkitschungen des 19.Jahrhunderts). Nur in seiner Ausprägung hat sich das Phänomen durch die Produktionstechniken gesteigert.
Was den Dom anbelangt halte ich die jetzige Kuppel gelungen, weil Sie in Ihren Formen und Proportionen als Einheit wirkt. Ohne das Hintergrundwissen der Geschichte, welches leider viele Besucher nicht haben, erhällt man den Eindruck es wäre schon immer so. Da die Kuppel ein fast kompletter Wiederaufbau ist, der Jahrzehnte auf sich warten liess, halte ich es für durchaus berechtigt eine abgeänderte Form zu verwenden.
maus
schrieb am 31. März 2010
um
11:32
@Mitte ins Herz
Nun wer den Faden hier unten liest erkennt doch wie Begriffe, die aber leider kaum hinterfragt wurden, “gebetsmühlenartig” immer wieder von neuem auftauchen, allerdings ohne sie weiter ausführen zu können als dahingehend zu sagen: „Das ist schön“.
Während andererseits immer neues Material zum Nachdenken angeführt werden kann, wie bspw. die Arbeiten von Dieter Wieland.
Mit Ihrem Statement hier unten relativieren Sie aber nur scheinbar.
Aber zur Erinnerung, wie der
„Kampf um die größtmögliche Umsetzung einer Annäherung an die wunderschöne alte Formgebung“ aussieht (um Ihre Worte zu gebrauchen), wiederhole ich noch einmal das, was Sie scheinbar keine „Nerven“ gekostet hatte.
Zitat:
„Ich nenne das \"architektonisches Parasitentum\", was die \"Moderne\" heute verbricht. […]“
„…um sich dort dann parasitär (gleich einem Wirtskörper, den sie befallen kann) in den Vordergrund spielen zu können…“
„…sich selbst auferlegtem Dictus, keine Kleinteiligkeit, keine Verspieltheit, keine Zurückhaltung, vor allem aber: Schönheit ist Sünde! ...“
„…peinliches Degenerationsstadium …“
„ … deshalb drängt sie sich in den Vordergrund, wo immer sie vom Glanz vergangener Epochen profitieren kann…“
***
Politische Entscheidungen wurden auch auf Grund von Manipulationen dieser Art getroffen. Verzeihen Sie, aber es gibt viel zu wenig Menschen, die Einspruch erheben, vor allem jene, die es wissen müssten. Auch wenn sich das Projekt im Bau befindet, ist es gut und richtig, solche Äußerungen nicht unkommentiert stehen zu lassen, sonst käme der Leser noch auf den fatalen Gedanken hier allgemeinen Konsens wahrzunehmen.
***
Zitat (2108):
„Dort in Spanien, in Toledo
Sprengte man den Alcasar
Aufgebaut ist er als Credo:
Spanien, neu und wunderbar!“
De Alcazar Taucht auch hier als Beispiel auf: http://berliner-schloss.de/de/Rekonstruktionen.htm
***
Vielleicht hat der Leser aber einmal nachgesehen, zu welchem „medienwirksamen Zweck“ der Wideraufbau (im Jahre 1940!) genutzt wurde.
S.4-7: http://www.awro.wiso.uni-erlangen.de/artikel/brinkmann01.pdf
von dieser Seite: http://www.awro.wiso.uni-erlangen.de/
Interessant ist die propagandistische Verwertung, auch im Deutschland der 30er und 40er Jahre. http://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_des_Alc%C3%A1zars_von_Toledo
http://de.wikipedia.org/wiki/Erinnerungskultur
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtspolitik
***
Was lassen Sie den Leser über „Alcazar“ und „das Parasitentum der Moderne“ hinaus weiterhin wissen, was zum „Kampf um die größtmögliche Umsetzung einer Annäherung an die wunderschöne alte Formgebung“ beitragen mag?
Grüße
MitteinsHerz
schrieb am 31. März 2010
um
9:42
...Ok, man möge mir den u.a. vermeintlich platitüdenhaft wirkenden Zynismus nachsehen. Die hier eeewig von Neuem aufgenomenene Grundsatzdiskussion \"Wiederaufbau Stadtschloss oder moderne Architektur inmitten geballten Klassizismus\" an dieser exponierten Stelle fasst mich persönlich, nach Monaten nervenschleifenden Hin-und Her´s, nunmehr ein wenig an, muss ich konstatieren. Auch bitte ich um Nachsicht in der Ungehörigkeit, ohne Gruß aus dem Beitrag gegangen zu sein, denn auch bei allem Ärger, ein Grundverständnis von Höflichkeit sollte, gerade in diesem illustren Kreise gewahrt bleiben.
Nichtsdestotrotz bleibt die INTENTION meiner Aussage die GLEICHE: Der Fakt des Wiederaufbaus eines Stadtschloss-\"artigen\" Gebäudes (in welcher letztendlich abgesicherten Form auch immer) ist und bleibt eine politisch beschlossene und unabänderliche Sache. Allein der Kampf um die größtmögliche Umsetzung einer Annäherung an die wunderschöne alte Formgebung scheint ein Langwieriger zu werden. Da KANN man in meinen Augen nicht, zumindest nicht AN DIESER STELLE, immer wieder in eine gebetsmühlenartige Diskussionen um das grundsätzliche Für und Wider von Geschmacksausrichtungen zurückfallen. Das kostet unsäglich, und vor Allem unnötig, Zeit und Nerven, die an DIESER Stelle eben für die nächsten wichtigen Schritte einer konstruktiven Projektförderung in der Sache ansich aufgewendet werden sollten.
Mit freundlichem Gruß
MitteinsHerz
Kreuzberger
schrieb am 31. März 2010
um
0:42
Herr Hartmann, ich kann mich erinnern, daß Sie die kitschig-geschmäcklerische 60er-Jahre-Bekrönung der Domkuppel einmal als \"schön\" und angemessen verteidigt haben.
Aus meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, daß man in solchen Fällen nicht gegenargumentieren kann, ohne die ästhetische Sozialisation seines Gegenübers komplett in Frage zu stellen, weswegen ich die Sache auf sich beruhen ließ.
Inzwischen bin ich aber der Meinung, daß man gerade solch krasse Fälle fahrlässiger und unüberlegter Entwertung historischer Bausubstanz anprangern muß, wo immer sie einem begegnet.
Man trifft sie auf Schritt und Tritt und wenn es nur hässliche Baumarkt-Beschläge an aufwendig getischlerten Gründerzeit-Türen sind. Unsere Gesellschaft ist ästhetisch dermaßen entsensibilisiert und von unserer marktmächtigen Kitschindustrie so gehirngewaschen, daß Feinabstimmungen in Form, Farbe, Stil und Material für die Gestaltung des öffentlichen Raums längst routinierten Bürokraten überlassen werden können, deren Designhorizont über Ikea, Obi und Domäne nicht hinausgeht.
Man kann Schönheit durchaus definieren. Nicht exakt, aber in einem gewissen Rahmen. Zuerst muß man aber lernen zu sehen.
\"Die gemordete Stadt\" ist aktueller denn je!
FreiburgerJurist
schrieb am 30. März 2010
um
16:25
@ S.Hartmann
Die Wahrscheinlichkeit der subjektiven Schönheit eines Bauswerks nimmt nur leider seit 1900 exponentiell ab. Es mag sein, dass es Beispiele für schöne Moderne gibt, aber ich glaube, dass es dagegen hunderte Gegenbeispiele der klassischen Architektur gibt.
@ Maus
Und noch ein Tipp: Werten Sie unser subjektives Empfinden für Schönheit bitte nicht als Dummheit. Mit ihren intellektuellen (leider nicht intelligenten) Ausschweifungen machen Sie kein Stück Boden bei jemandem gut, der einmal die Geschichte, die Schönheit und Eleganz des Berliner Stadtschlosses erfasst hat.
@MitteinsHerz
Danke für Ihren zynischen Beitrag, der leider aus ideologischen Gründen nicht von allen hier so gewürdigt werden kann. In der Sache haben Sie Recht und deshalb versucht man Sie über bestimmte Wörter zu widerlegen, was aber nicht gelingen wird.
S.Hartmann
schrieb am 30. März 2010
um
12:17
@ MitteinsHerz
nun melde ich mich auch mal wieder. Diesmal zurück im \"schönen Paris\". Dem schönen Paris, mit der stinkenden Metro, den schimmelnden dunklen Häusern, deren Fassade zwar ornamental glänzt aber für viele Wohnungen im Inneren schlechte Bedingungen liefert.
So genug kritisiert, da ich ja doch ganz gern hier lebe.
Packen Sie mal Ihre beiden Zitate:
\"die \"Maus\" ist wieder ihrem puristischen beengtem Loch entkrochen\"
und
\"1. Barock, Klassizismus, Wilhelminisch, Jugendstil, Stuckatur, Sandstein, Blattgold, Putten, Säulen, Schwünge, Resalite, Symetrie usw. = SCHÖÖÖN!!!\"
zusammen.
Dabei sollte Ihnen auffallen das auch Sie einen sehr beengten Begriff von Schönheit haben. Es ist doch nicht vom Material oder Stil abhängig ob etwas schön ist, sondern in seiner Komposition und qualitativen Umsetzung.
Ich habe einfachste urtümlichste Hütten in Afrika gesehen, bis zu hochmodernen Bürohäusern und ich finde in jeder Kategorie schöne Beispiele.
Daher ist das Argument Schönheit in Bezug auf dieses Projekt einfach fehl am Platz.
Das Schloss war schön- ein Neubau könnte schön sein.