Nationaldenkmal

Hallo Freunde des Berliner Stadtschlosses,

weiß zufällig jemand, ob und inwieweit auch das Nationaldenkmal Wilhelm I vor dem Westportal des Schlosses wieder erstellt werden soll?

  • Ein Gast

    An eine Rekonstruktion ist nicht gedacht. So weit ich weiß, gab es eine Abstimmung im Bundestag stattdessen dort ein Einheitsdenkmal hinzusetzen, mit dem Ausgang, daß es noch zu früh für so ein Vorhaben sei.
    Zudem wird darüber nachgedacht, die ganze oder Teile der Schloßfreiheit wieder für eine Häuserzeile zu nutzen ( dann allerdings in "zeitgenössischer" Form ).

  • Edelweiss

    Leider, diesen Kenntnisstand habe ich zwischenzeitlich auch erworben: Im Jahr 2000 forderten rund 100 Bundestagsabgeordnete die Bundesregierung auf, den Bau eines Denkmals für die "friedliche Revolution" von 1989 und die deutsche Einheit zu erstellen. Als Ort schlägt die Initiative den Sockel des Denkmals auf der Schlossfreiheit vor. Laut dem Bundestagsabgeordneten Nooke (CDU) hat die derzeitige Rot-Grüne Bundesregierung aber "kein Interesse an solch einem positiven deutschen National-Denkmal".

    An einen Wiederaufbau des Denkmals, so wie 1993 in Koblenz mit dem "Deutschen Eck" geschehen, denkt in Berlin momentan niemand. Finanzmittel für Denkmalrestaurationen sind offensichtlich reichlich vorhanden, denn kürzlich wurden rund 5 Millionen Euro für das sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow verwendet.

  • Piwi

    Das Denkmal Wilhelm I. am Deutschen Eck ist gegen anfänglichen politischen Widerstand durch einen privaten Mäzen errichtet worden. Heute stört es niemanden, im Gegenteil, viele sehen, dass auch historisierendes nicht unbedingt das allerschlechteste ist.

    Warum sollte sich in Berlin nicht ebenfalls ein privater Sponsor für die Wiedererrichtung dieses Denkmales finden? Es kann in Verbindung mit dem Schlossaufbau nur harmonisieren. Und wenn das Schloss erst steht, wird sich vielen ein modernes Denkmal alleine aus visuellen Gründen verbieten.

  • S.Hartmann

    Ich kann ihre Angst vor neuer Architektur teilweise verstehen, doch auch in anderen europ. Städten gibt es tolle Beispiele von modernen Denkmälern im alten Stadtbild: z.B. Kriegsdenkmal für Australier am Wllington Arch in London zwischen Hyde Park und Green Park. Die Zeiten der Nationaldenkmäler sind eh überholt, Denkmäler mit Funktion sind gefragt(Lady Diana Memorial im Hyde Park, London).

    Geschichte ist hoch spannend und wichtig aber wir dürfen sie nicht konservieren, sondern fortführen.

  • Piwi

    Sie liegen vollkommen richtig damit, dass ein Land sich weiterentwickelt durch entsprechende Stile. Modernes hat daher durchaus seine Berechtigung.

    Aber:

    1. Sich seiner Geschichte zu erinnern, hat auch viel mit der Identität eines Volkes zu tun. Nicht alles vor 1933 war so schlecht, dass man Personen nicht gedenken oder erinnern sollte, die Deutschland weiterentwickelt und wesentlich zu ihrer Zeit geprägt haben.
    An Denkmälern z.B. von den Stauffern oder Luther, stört sich meines Wissens niemand.

    2. Der Platz um Schloss, Dom, Lustgarten, Kommandantur und Zeughaus ist historisch und architektonisch viel zu sensibel, um dort ein modernes Mahn- oder Denkmal – gleich welchen Zweckes auch immer – zu errichten.

    Nun hängt meine Glückseligkeit gewiss nicht vom neu errichteten Wilhelm-Denkmal ab, würde aber dem Platz sicherlich das i-Tüpfelchen aufsetzen. Sollte es nicht durchsetzbar sein, dann lasst den Platz lieber unbebaut.

    Doch zunächst sollten wir jetzt erst einmal das Schloss bauen!

  • Ben

    Ich frage mich, ob – wenn sollte es einen privaten Mäzen geben, der die nötigen Mittel bereitstellt – mman auch dankbar "Ja!" sagen wird, oder eher aus Prinzip "Nein!"…Dasselbe gilt für das Kaiser-Friedrich-Denkmal vor dem Bodemuseum, das F-W-III.-Denkaml aus dem Lustgarten und die Rückführung des Gr. Kurfürsten auf seine (rekonstruierte)Brücke…Schließlich hat man denen auch die jew. Anlagen/Gebäude zu verdanken, ohne die Mitte nicht das wär, was es heute ist und polit. weren sie auch das eine oder andere geleistet haben.

    Ein Einheitsdenkmal sollte lieber vor den Reichstag, auf den "Platz der Republik" entstehen, der ja jetzt einfach nur leer ist. Schließlich ist der eher ein Symbol für das wiedervereinte Deutschland (weil gemeinsames Parlament), als das Schloss, was ja irgendwie eher für die Teilung steht (Ullbricht etc.). Man kann es ja erst Mal in bescheidenerer Form aufbauen.

  • Piwi

    Ich frage mich, ob – wenn sollte es einen privaten Mäzen geben, der die nötigen Mittel bereitstellt – man auch dankbar "Ja!" sagen wird, oder eher aus Prinzip "Nein!"…

    Genau. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Politiker grosse Probleme mit der Wiedererrichtung von Denkmälern und/oder Gebäuden haben. Sie scheinen ja geradezu Angst davor zu haben. Es könnte ja vielleicht der Geist des alten Preußens Einzug in das moderne Deutschland halten…

    Daher wird eher das Drei-Affen-Prinzip bis zu Vollendung beherrscht. Bloß nichts entscheiden oder beschleunigen, was evtl. den Hauch von Rückwärtsgerichtetem hat. Aber das Schloss wird kommen, dessen bin ich mir sicher. Auch der Regierende hat sein Taktieren beendet, und sich nunmehr klar bekannt.

  • Linden

    > Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass viele Politiker grosse Probleme mit der Wiedererrichtung von Denkmälern und/oder Gebäuden haben. Sie scheinen ja geradezu Angst davor zu haben. Es könnte ja vielleicht der Geist des alten Preußens Einzug in das moderne Deutschland halten<

    Nun…dieses Problem ließe sich umgehen.
    Was machte dieses Denkmal eigentlich so malerisch, daß es sich zum beliebtesten Fotomotiv (neben dem Schloß) emporhob?
    Die eigentliche Stärke dieses Denkmals war weniger der Kaiser auf dem Pferd, als diese romantische Kolonnade, die nachts von innen sogar beleuchtet wurde. Der Blick durch diese Säulenhalle zum Schloß war einfach überwältigend.

    Allerdings haben heutzutage natürlich nur noch Gebäude eine Chance, die einen wirklichen Nutzen bringen! Gebäude, die nur einfach "schön" und "was für’s Auge" sind, werden nicht mehr realisiert, was ein Blick in die deutschen Innenstädte beweist!

  • S.Hartmann

    Haben sie damals schon gelebt und das Denkmal erlebt?

    Auch heute werden, "nur schöne"- Dinge gebaut. Der Tarot-Garten von Niki de Saint-Phalle zum Beispiel, mit aufwendigen Mosaiken etc.

    Ich finde auch Ihre Art und Weise, wie sie über das "Schloss" reden sehr komisch. Es entsteht doch gar kein Schloss, sondern eine undefinierte Zwischenform. Und das man doch den Rest später noch rekonstruieren kann stimmt nicht.

  • Linden

    >Haben sie damals schon gelebt und das Denkmal erlebt? >

    Haben sie schon mal was von Fotos gehört?
    Es existiert eine Nachtaufnahme von 1940 auf der die von innen beleuchtete Kolonnade mit dem beleuchteten Westflügel des Schlosses im Hintergrund zu sehen ist.
    Außerdem besitze ich einige Farbfotos des Schlosses und den benachbarten Gebäuden aus den späten 30er Jahren.
    Sie sehen: Man muß nicht damals gelebt haben um zu wissen, wie schön und lebendig die alte Berliner Mitte einst war.

    <Ich finde auch Ihre Art und Weise, wie sie über das "Schloss" reden sehr komisch. Es entsteht doch gar kein Schloss, sondern eine undefinierte Zwischenform. Und das man doch den Rest später noch rekonstruieren kann stimmt nicht.>

    Ihre Ansichten finde ich auch recht sonderbar;-)

    Das Humboldtforum wird nun mal von den Linden und der Schloßbrücke aussehen wie das Schloß, auch wenn es im Inneren zum großen Teil modern werden wird.
    Die Nutzung wird allerdings die gleiche wie vor der Zerstörung sein.

    Ich empfehle ihnen mal einen Besuch des Karlsruher Schlosses: Von außen rekonstruiert und von innen zu 100% modern.
    Das Humboldtforum soll wenigstens die wichtigsten Säle, Galerien und Zimmer zurückbekommen. Je mehr, desto besser!

  • S.Hartmann

    Die Kolonaden waren wahrscheinlich "schön"(das ist ein Wort, welches ich ungern benutze, weil es zu subjektiv ist). Doch sollte man Fotos nicht überbewerten, denn sie geben nicht die Wirklichkeit wieder, sondern geben nur eine Ahnung von der Realität und unterliegen dem subjektiven Gestaltungswillen des Fotografen. Aus diesem Grund der Einwand, ob sie die Kolonaden selbst erlebt haben.

    Leider war ich noch nicht in Karlsruhe, ist bestimmt eine Reise wert.

    "Je mehr, desto besser"
    Wie viel denn am liebsten?

    Ich bin dafür die Geldmittel erst einmal in den Bestand zu investieren: Staatsoper-Renovierung kostet ca. 160Mio € und wird jetzt fällig.

    Dann ist der Schlossplatz noch ein bisschen länger "unansehnlich", aber dafür typisch Berlin.