Durchbruch

Kürzlich sorgte der Architekt Stefan Braunfels für Unruhe in den Medien. Er zettelte einen Streit über die Ostfassade Franco Stellas an. Braunfels hatte mit einem nicht den Vorgaben entsprechenden Entwurf vor 17 Jahren ein wahres Schloss-Disneyland konzipiert, indem er statt der italienischen Vierflügelanlage Andreas Schlüters eine französische Dreiflügelanlage entwarf und mit den Fassaden des Schlüterhofs garnierte. Und natürlich fiel sein Entwurf in allen Instanzen durch, er war nicht mehrheitsfähig. Nun holte er ihn wieder hervor und verbündete sich mit einer Zeitung, die schon immer gegen das Schloss war. Erreicht hat er nichts. Gott sei Dank ließen sich die mit der Realisierung des Projekts vom Bundestag und der Bundesregierung beauftragten Stellen nicht verunsichern und sahen seine Aktion als einen überflüssigen Sturm im Wasserglas an. Nach wenigen Monaten gab er nun schmollend auf, war beleidigt und spricht nun von einer vertanen „Jahrtausendchance“.

Nun suchen Schlossgegner nach neuen Störfeldern: „Schloss der Steuerzahler“, verkündete ein Magazin, es seien seit einem Jahr kaum Spenden eingenommen worden und so werde der Steuerzahler am Ende doch das Schloss bezahlen müssen. Es seien schließlich erst 7,8 Millionen Euro für die Fassaden an Barspenden bei der Stiftung eingegangen. Und eine andere Zeitung ergänzt, damit rücke die Realisierung der Schlossrekonstruktion in weite Ferne. Übrig bleibe ein Betonschloss, das dem Rohbau einer Konzernzentrale eines Schweizer Pharmazieunternehmens eher gleich käme als dem Berliner Schloss. Was für ein Widerspruch: Während ein Presseorgan suggeriert, der Steuerzahler müsse für alles aufkommen, schreibt ein anderes, dass die Rekonstruktion der Schlossfassaden aus Geldmangel scheitern würde.

Richtig ist, beide Meldungen sind falsch!
Es gibt keine finanzielle Garantie für die Rekonstruktion der Schlossfassaden. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags erwartet sehr energisch, dass wir unsere Zusagen einhalten. Punktum!

Tatsächlich geht es rasant voran:

  • Der Bau des Berliner Schlosses – Humboldtforums liegt wegen des milden Winters vorfristig im Plan. Auch die Kosten des Baus wurden bislang eingehalten. Der Baubeginn für die historischen Fassaden ist ab Frühjahr 2015 vorgesehen, bis dahin wird zunächst der Rohbau hochgezogen. Die dafür notwendigen Sandsteinarbeiten wurden bereits im kalkulierten Rahmen vergeben. Es gibt keine Kostenexplosion!
  • Mit einem Spendenergebnis von über 9 Millionen Euro in bar wurde 2013 das Ergebnis von 2011 fast verdreifacht.
  • Seit 2004 bis Mitte März 2014 sind so rund 35 Millionen Euro in Geld bei uns eingegangen.
  • Davon wurden 27 Millionen an den Bauherrn weitergeleitet, 17 Millionen in bar, 10 Millionen in Form der von uns rekonstruierten Architekturpläne und Fassadenmodelle. Macht 27 Millionen und nicht 7,8! Damit wurde der vorzeitige Baubeginn überhaupt erst möglich!

Das Berliner Schloss wurde vor über 60 Jahren gesprengt, es war vergessen. Wir haben es zurückgeholt. Das geht nicht ohne massive Öffentlichkeitsarbeit und eine tüchtige Verwaltung. Von nichts kommt nichts! Das haben wir seit 2004 geleistet:

  • Über 40 große Wanderausstellungen in allen wichtigen Ballungszentren seit 2008. Auch im Ausland waren wir vertreten.
  • 3,5 Millionen Zeitungen, Broschüren und Kataloge wurden gestaltet, gedruckt und verteilt.
  • Schaltstellen unserer Öffentlichkeitsarbeit sind die Infocenter, erst am Hausvogteiplatz in Berlin und seit 2011 in der Humboldt-Box. Ihr Betrieb ist nur durch den Einsatz zahlreicher ehrenamtlich tätiger Schlossfreunde in Berlin möglich. Hunderttausende Besucher wurden betreut. Überall in Deutschland bildeten sich mit unserer Unterstützung ehrenamtliche Freundeskreise.
  • Der zur Bewältigung der Spendenflut und der Durchführung der Öffentlichkeitsarbeit nötige Verwaltungsbetrieb wird mit sparsamsten Mitteln von einem kleinen Team hochmotivierter Mitarbeiter bewältigt. Durch den Einsatz einer leistungsfähigen EDV bleiben die Kosten dafür auch in Zukunft proportional niedrig.

Alle vorgenannten Aufwendungen seit 2004, also in 10 Jahren, betrugen rund 7 Millionen Euro. Das sind im Schnitt 20 Prozent aller Einnahmen, Tendenz mit zunehmender Spendenhöhe stark fallend. 2013 waren es noch knapp 15 Prozent.

  • Aus Sicherheitsgründen haben wir nie weniger als 1 Million Euro auf unseren Konten. Diese Summe wird mit der letzten Rate bei Fertigstellung des Schlosses an den Bauherrn überwiesen. Nicht umsonst tragen wir voller Freude seit 2007 als erster Kulturförderverein Deutschlands das DZI-Spendensiegel, das Zeichen des Vertrauens, das jeweils nur für ein Jahr nach intensiver Prüfung der Bücher verliehen wird.

Unsere Arbeit ist transparent. Unsere Spendenuhr zeigt Ihnen detailliert den Spendenstand und die Mittelverwendung. Der Kreis der Spender wächst von Tag zu Tag.
Richtig an der ganzen Aufregung ist: Es fehlt immer noch viel Geld. Spendengeld! Helfen Sie deswegen bitte gerade jetzt mit Ihrer Spende und lassen Sie sich nicht von Falschmeldungen irritieren! Herzlichen Dank!

von Wilhelm von Boddien

4 Kommentare zu “Durchbruch

  1. Herzlichen Dank für dieses klare Wort. Als langjähriges Mitglied des Fördervereins biete ich gerne meine ehrenamtliche Mitarbeit an, wenn Hilfe gebraucht wird.

  2. Was ist mit den drei Innenportalen, die als Zusatzoptionen wiederkehren können. Man hört diesbezüglich in letzter Zeit nichts Neues; wurden dafür schon Spenden gesammelt? Und übernimmt das auch der Förderverein?
    Stimmt es, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages dem Förderverein verboten hat Spenden für die Zusatzoptionen zu sammeln, solange noch nicht die Spenden für die Fassaden zusammen gekommen sind?
    Und ganz wichtig, wovon man gar nichts mehr hört, aber was meiner Meinung nach wichtig für das Gelingen des Wiederaufbaus ist:
    Wird weiterhin mit der Rekonstruktion der historischen Kutschdurchfahrten geplant? Die Durchfahrten von Portal IV und Portal II würden dem neu geplanten Innenhof Stellas, der an die Uffizien in Florenz erinnern soll, grandiose Eingänge verschaffen. Es wäre wirklich schade, wenn das nicht realisiert werden könnte. Ähnlich seh ich das bei Portal III.
    Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie zu dem Thema einen Blog-Beitrag verfassen könnten, um die Unterstützer und Spender des Schloss über den aktuellen Sachstand in dem Bereich aufzuklären. Ich bin sicherlich nicht der Einzige, den das interessiert.

    Auf den Webcams kann man erkennen, dass im Bereich der historischen Durchfahrten nun Betonsäulen hochgezogen wurden. Ist das schon ein Zeichen gegen die Rekonstruktion der Durchfahrten oder stellen diese Betonsäulen kein Hindernis dar?

    1. Natürlich müssen für die Portale Spendengesammelt werden, für diese gelten die gleichen Regeln wie für die Hauptfassaden. Auch hier gilt: ohne Geld kein Schloss! Der Förderverein fühlt sich zusammen mit der Stiftung Berliner Schloss selbstverständlich verantwortlich für die gesamte Spendensammlung. Aber wir sind auf die Hilfe zahlreicher Bürger angewiesen. Wer das Schloss will, sollte also spenden. Jeder, auch noch so kleine Betrag zählt! Hier unsere Kontonummer:

      BIC: DEUTDEBBXXX, IBAN: DE41 1007 0000 0077227700

      Und nicht vergessen: Spenden an uns sind gemeinnützig und von bei Einkommensteuererklärung absetzbar!

  3. Stimmt es, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages dem Förderverein verboten hat Spenden für die Zusatzoptionen zu sammeln, solange noch nicht die Spenden für die Fassaden zusammen gekommen sind?

    Das kann er uns gar nicht verbieten! Wir wären wohl ziemlich verrückt, wenn wir spendenbereiten Bürgern, die nur für die Zusatzoptionen spenden wollen, diese Spende verweigern würden. Aber natürlich müssen wir unsere Verpflichtung erfüllen, sämtliche Fassaden über von uns gesammelte Spenden zu finanzieren!

    Und ganz wichtig, wovon man gar nichts mehr hört, aber was meiner Meinung nach wichtig für das Gelingen des Wiederaufbaus ist:
    Wird weiterhin mit der Rekonstruktion der historischen Kutschdurchfahrten geplant? Die Durchfahrten von Portal IV und Portal II würden dem neu geplanten Innenhof Stellas, der an die Uffizien in Florenz erinnern soll, grandiose Eingänge verschaffen. Es wäre wirklich schade, wenn das nicht realisiert werden könnte. Ähnlich sehe ich das bei Portal III.
    Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie zu dem Thema einen Blog-Beitrag verfassen könnten, um die Unterstützer und Spender des Schloss über den aktuellen Sachstand in dem Bereich aufzuklären. Ich bin sicherlich nicht der Einzige, den das interessiert.

    Möglich ist dies alles. Aber auch hier gilt, dass dies über zusätzliche Spenden finanziert werden muss. Also müssen sich alle, die dies vorrangig wünschen, selbst fragen, ob sie nicht auch mit einem Scherflein dazu beitragen können. Von nichts kommt nichts!

    Auf den Webcams kann man erkennen, dass im Bereich der historischen Durchfahrten nun Betonsäulen hochgezogen wurden. Ist das schon ein Zeichen gegen die Rekonstruktion der Durchfahrten oder stellen diese Betonsäulen kein Hindernis dar?

    Sie sehen im Augenblick überall nur Beton, das ist das nötige Tragwerk für das Gebäude, seiner Sicherheit geschuldet. Schließlich sollen sich Tausende von Besuchern gleichzeitig darin aufhalten können, ohne Gefahr für Leib und Leben. Im nächsten Frühjahr beginnt nach dem Richtfest der Bau der historischen Fassaden. Die Anfertigung der dazu gehörigen Sandsteinelemente hat bereits begonnen, damit sie zügig im Baufortschritt eingebaut werden können. Vor die Betonfassaden wird ein im Schnitt 80 cm dickes Ziegelmauerwerk gebaut, in das dann die Sandsteine für Gesimse, Fenstergewände, Reliefs und anderes mehr kraftschlüssig tief eingelassen werden, von unten nach oben den Bauplänen folgend. Man wird also ab Frühjahr 2015, immer mehr werdend, die Schönheit der Schlossfassaden erkennen. Vorbild dafür ist der Ablauf des Baus der Musterfassade neben dem Schlossbauplatz.

    Die Betonsäulen im Inneren sind statische Elemente und werden bleiben, da an eine Rekonstruktion historischer Räume z.Z. schon aus Geldmangel nicht gedacht wird. Sie wären in ihrer Struktur auch schlecht in das Konzept des Humboldtforums einzuplanen.

    Aber die Innenmaße des Schlosses entsprechend weitgehend den des historischen Vorgängerbaus, sodass künftige Generationen damit anfangen können, mit neuen Ideen, neuer Kraft und viel Geld. Wir sehen den Bau des Schlosses jetzt also als Beginne eines Prozesses, für unsere Generation wurde das menschenmögliche politisch erreicht, nun sind wir im Zugzwang und müssen liefern: Spenden, Spenden, Spenden und noch mehr Spenden – oder als Kurzformel: Viel Geld. Packen wir‘ also gemeinsam an!

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