„Von Pomp und Zerstörung“

05.05.2017  Berliner Morgenpost

 

Fabian Hegholz hat sich auf Spurensuche im Berliner Stadtschloss gemacht

Von Gabriela Walde

Noch immer ist nicht viel zu sehen, eine neue Rolltreppe hier, eine verputzte Fassade da. Das Humboldt Forum befindet sich noch mitten im Aufbau. Anlässe, die Baustelle zu bestaunen, gibt es immer wieder – so wie am Mittwochabend. Da hat Architekt Fabian Hegholz auf den Schlossbau geladen, um seine frisch erschienene Dissertation „Die Wohnung Friedrich Wilhelms IV. im Berliner Schloss“ vorzustellen.

Hegholz hat eine historische Spurensuche hinter sich. Seit 2010 arbeitet er im Berliner Büro des Schlossarchitekten Franco Stella mit an der Rekonstruktion der Barockfassaden des Baus. Dass ihn in seiner Doktorarbeit die Frage beschäftigt, wie die Wohnung des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. aussah, hat jedoch nichts mit der Arbeit für Stella zu tun. Denn die Räume werden nicht rekonstruiert. Es ist bloß wissenschaftliche Akribie und ein fast leidenschaftliches Interesse für die Schlossgeschichte, die Hegholz antreiben. Für die brennt er sowieso, seit er als Schüler in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal vom Schloss erfährt, von Pomp und Zerstörung. „Seit damals hat mich immer eine Mischung aus Faszination und Fassungslosigkeit für den Bau angespornt“, sagt er.

In seinen Recherchen, die der deutsche Kunstverlag jetzt als Buch herausgebracht hat, zeichnet Hegholz die Bleibe Friedrich Wilhelms IV. nach. Der wohnte Anfang des 19. Jahrhunderts im ersten Stock des Schlosses – also genau da, wo bald Paul Spies‘ Berlin-Etage einziehen soll. Statt friderizianischem Schreibkabinett wird man hier also Berlins Geschichte erleben. Mit einiger Fantasie und Hegholz‘ Buch in der Hand kann man dennoch versuchen, in den noch recht rohen Räumen die Spuren des preußischen Prinzen zu erkennen.

Trotz Zerstörung hat Hegholz Quellen aufgetan, die die Wohnung detailliert zeigen: Fotografien von 1944 und Zeichnungen Karl Friedrich Schinkels, der das Apartment für den Prinzen grundlegend renovierte. Denn Friedrich Wilhelm wünschte sich mehr Platz für Kunst, Seemotive an den Wänden, italienische Ornamentik, Mauern wie Porzellanschalen. Doch für echten Marmor reichte das Budget nicht, Schinkel musste sich allerlei optische Täuschungen einfallen lassen. All der Prunk ist fort, aber zumindest gut dokumentiert.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 05.05.2017