Mittag mit Wilhelm von Boddien

15.10.14, 01:55

Jeden Mittwoch trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch. Heute: Wilhelm von Boddien, Vorsitzender des Schloss-Fördervereins, im KaDeWe bei MyBurger. Es gibt: Classic Burger und ein Pils.

Seit 22 Jahren sammeln Sie. Sind Sie’s nie leid?

Während einer so langen Zeit mit einem ständigen Auf und Ab gewöhnt man sich eine ordentliche Portion Demut an. Man braucht dazu eine nicht versiegende Begeisterung für das Projekt. Und die ist immer noch da.

Es muss doch Momente geben, wo Sie sich über Nichtspender ärgern.

Ich gehe nicht aggressiv an die Leute heran, also gibt es auch keinen Grund, sich zu ärgern. Ich habe sie nie direkt für eine bestimmte Spende angesprochen und Dinge gesagt wie „Hört mal, Ihr seid doch reich genug“. Der Weg für seriöse Spendensammlung geht anders: Man muss die Leute zunächst von der Idee überzeugen und begeistern. Manche Interessenten habe ich auf einer internen Liste stehen, sie frage ich erst ganz zum Schluss. Von ihnen weiß ich, dass sie viel spenden könnten. Damit tröste ich mich.

Über 45 Millionen Euro haben Sie nun – 80 müssen es noch werden. Das muss auch stolz machen, wenn man die Faszination für das Schloss schon als junger Mann hatte.

Ja, seit 53 Jahren ist das Schloss erst mein Hobby gewesen und wurde dann zur Lebensaufgabe. 1961 bin ich als Schülerzeitungsredakteur aus Hamburg nach Berlin gereist. Und 1961, zum Mauerbau, hat man mir gesagt, „Junge, du fährst nach Berlin und machst eine 24-Seiten-Zeitung vom Mauerbau“. Also bin ich nach Berlin und habe beklemmende Szenen erlebt. So etwas prägt, wenn man 19 Jahre alt ist. Und dann will man entweder schnell zurück in den Westen – oder man verliebt sich in die Stadt, in den Widerstand, Trotz und Zorn der Menschen. In Ost-Berlin, am öden Aufmarschplatz mit der Tribüne, fragte ich, was denn hier gewesen sei. Ab da faszinierte mich das dort gesprengte Berliner Schloss.

Ab wann nervt Ihr Hobby die Familie?

Das muss man aushalten. Meine Frau sagte damals: „Mach, denn wenn ich dir das verbiete, fällt dir morgen etwas anderes ein.“ Wir sind jetzt 48 Jahre verheiratet und ich merke, wenn ich den Bogen überspanne. Sie sagt dann bei einem Telefonat: „Sie heißen Boddien? Kennen wir uns?“ Und dann weiß ich, dass es Zeit wird, auch mal wieder nach Hause zu kommen.

Quelle: © Berliner Morgenpost 2014 – Alle Rechte vorbehalten