„Flussbad-Pokal – Berliner schwimmen Sonntag wieder in der Spree um die Wette“

30.06.2018  Berliner Zeitung

Und platsch: An diesem Sonntag können Neugierige wieder an der Berliner Museumsinsel baden gehen. Der Flussbad-Pokal macht möglich, was sonst verboten ist: abtauchen im Spreekanal, vorbei am Pergamonmuseum, Zeughaus oder an der Schlossbaustelle.

Für den Wettbewerb hätten sich 123 Schwimmer registriert, 41 Frauen und 82 Männer, teilte der Verein Flussbad Berlin mit. Der jüngste Schwimmer sei 16 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin 75. Mehr als 200 Badeenthusiasten wollen danach einfach aus Spaß in den Kanal steigen.

Mit der traditionellen Sommer-Aktion wirbt der Verein Flussbad Berlin für ein rund 800 Meter langes Badebecken in der historischen Mitte der Hauptstadt. Ob das Schwimmen im Verbindungskanal zwischen den Spreearmen in Zukunft möglich sein wird, kommt auf den Erfolg der Idee an: Die Badeenthusiasten müssen bis 2019 wissenschaftlich nachweisen, dass ein ökologischer Pflanzenfilter im Spreekanal funktionieren würde.

Bei kräftigem Regen kann nicht geschwommen werden

Bereits heute hat der Spreekanal Badewasserqualität. Einzige Ausnahme: Sturz- und Dauerregen in den Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg und Friedrichshain. Dann schwappen die Mischwasserkanäle in Berlin-Mitte über und die Drecksbrühe läuft auch in die Spreearme. Damit wird Baden zur Gesundheitsgefahr. Sollte es bis Sonntag kräftig regnen, muss der Flussbad-Pokal ausfallen. Ersatztermin in dann der 9. September.

1925 schlossen die letzten Berliner Badeanstalten an der Spree, weil der Fluss im Industriezeitalter zur Kloake geworden war. Die Großindustrie in Berlin ist lange Geschichte. Die Vision des Vereins ist es, 100 Jahre später – also im Jahr 2025 – ein Bad im Spreekanal zu eröffnen. Das Abgeordnetenhaus forderte den Senat Ende November mit breiter Mehrheit auf, dieses Projekt zu unterstützen.

Wem gehört welcher Zentimeter im Spreekanal?

Dennoch liegt vor den Badefreunden neben der Finanzierungsfrage ein mühsamer Weg. Sie müssen nicht nur den Pflanzenfilter fit bekommen. Vor allem müssen sie mit allen Anrainern klären, wem welcher Zentimeter im Spreekanal gehört. Positiv sieht der Verein, dass die Anrainer dem Flussbad inzwischen grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Dazu gehört auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Unesco-Weltkulturerbestatus der Museumsinsel nicht gefährdet wird.

Auch die Berliner Wasserbetriebe hat der Verein auf seiner Seite. Im vergangenen Sommer war das Probeschwimmen im Spreekanal buchstäblich baden gegangen – der Jahrhundertregen Ende Juni verursachte zu dreckiges Wasser. (dpa)

 

Quelle: Berliner Zeitung, 30.06.2018

 

 

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