Der Omphalos und der Neptunbrunnen

Schinkels Kandelaber als Omphalos

Der Neptunbrunnen vom Schloss aus

Der Omphalos Delphi

berliner_extrablatt_ausg-86_gesamt_seite_29_bild_0005Unter der Rahmung der Mezzaninfenster an den Rücklagen der Längsseiten des Schlosses befand und befindet sich nun wieder eine kreisrunde, auffällige Scheibe, der Omphalos. Eingefasst wird dieser durch zwei Flügelsteine. Das Zentrum des Steins ist mit einem runden, konvex herausstehenden Punkt akzentuiert. Der Begriff Omphalos entstammt dem griechischen Sprachraum und bedeutet Nabel.

Um den Mittelpunkt der Erde zu suchen, so weiß es der griechische Mythos, sandte Gott Zeus vom äußersten Westen und vom äußersten Osten zwei Adler aus. An dem Punkt, wo sie sich trafen, ließen sie einen Stein zu Boden fallen. Dieser einstmals mit Wollgirlanden (Agrenon) überzogene Stein wurde als „Nabel der Welt“ angesehen und entsprechend verehrt. Im antiken Delphi war es ursprünglich eine Opferstätte der Erdengöttin Gaia. Markiert wurde der Ort durch einen phallischen Kult­ bzw. Opferstein im Adyton des späteren Apollon­Heiligtums. In der antiken Welt wurden Nabelsteine als „Mittelpunkt der Welt“ an verschiedenen Orten verehrt: So gab es Omphali z.B. in Didyma, Alexandrien, Jerusalem, Konstantinopel oder Nicaea. Auch für das Alte Testament und damit für den jüdischen als auch den christlichen Glauben lassen sich Bezüge zum Omphalos schaffen: An jener Stelle der „Leit er erscheinung als Pforte zum Himmel“ ließ Jakob einen Opferstein errichten und gelobte alsbald an seiner statt ein Gotteshaus zu bauen. Beim Islam handelt es sich um einen Kometeneinschlag: An der Stelle, wo vor mehr als dreitausend Jahren ein Komet in den Boden schlug, wurde die Kaaba (arab.: „Würfel“) errichtet. Später entwickelte sich um diese Pilgerstätte die Stadt Mekka. Der massive Kultbau der Stupa markiert in buddhistischen Ländern den Erdenmittelpunkt. Auch für die Gründung Roms kann ein solcher Punkt benannt werden: Die Stelle befindet sich noch heute im Forum Romanum vor dem Triumphbogen des Septimius Severus. Der hier einstmals errichtete kleine Tempel galt als Nabel der Stadt und Mittelpunkt des Imperium Romanum. Von diesem Punkt wurden die Meilen in das römische Reich gemessen.

Für das Berliner Schloss lässt sich ebenfalls ein solcher Punkt benennen: Dieser befindet sich an der Südseite des Schlosses vor dem Portal II und wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Karl Friedrich Schinkel mit einem achtarmigen Kandelaber markiert. Das Schloss wurde als spätmittelalterliche Burganlage an den Rand der Doppelstadt Berlin und Cölln gesetzt und wuchs durch die barocke Erweiterung der Stadt in ihr Zentrum. Mit der Anbringung des Omphalos wies Andreas Schlüter das Berliner Schloss als Mittelpunkt des Preußischen Reiches aus. Damit stehen Fassade und Messpunkt in direkter Verbindung zueinander. Ferner zeugt eine derartige Ikonographie auch von der Anerkennung der Leistungen anderer Kulturen und symbolisiert damit im Humboldtschen Geiste die Weltoffenheit der Erbauer!

Im Jahre 1891 wurde der von Reinhold Begas geschaffene Neptunbrunnen auf den Nullpunkt vor dem Portal gesetzt. Es handelte sich um ein Geschenk der Berliner Bürger an den Monarchen. Der Brunnen wurde nach dem Ende des 2. Weltkrieges in das Marienviertel versetzt. Mit der Rückführung des Neptunbrunnens auf den Schlossplatz würde für die Zukunft nicht nur der historische Kontext gewahrt und die Mitte der Platzanlage markiert. Darüber hinaus würde der alte Bezug von Fassade zum Nullpunkt in Preußen wieder erfahrbar.

Von diesem Nullpunkt aus entwickelte man übrigens das preußische Meilensystem. Dessen noch überall sichtbare Meilensteine messen ihre Entfernung immer von diesem Punkt aus. Später, mit Einrichtung des Brunnens, wurde die sog. „Urmeile“ vom Schlossplatz an den Dönhoffplatz an der Leipziger Straße verlegt, ohne dass sich die Entfernungsangaben der Meilensteine änderten.

Der Neptunbrunnen vor dem Schloss als Omphalos, als Mittelpunkt Berlins

Dieser Ort auf dem Marx-Engels-Forum ist nicht der Nabel Berlins!

Der Omphalos war mit einer runden Scheibe mit Nabelpunkt unter allen Mezzaninfenstern an den Schlüterfassaden vertreten und markierte so auch das Schloss als Mittelpunkt Berlins.

von Marc Schnurbus

  • Sharan Danny Hensel

    Der Neptunbrunnen gehört auf den Schlossplatz, Punkt!

  • Michael Ruth

    hmh….dieser überaus stringente Artikel kann als kostenlose Nachhilfe-Massnahme für Frau Lüscher verstanden und verwendet werden….!!!! 😉

  • Magnus Ahs

    Es hat niemanden entkommen, dass die Verantwortliche Bauvorhabens Berliner Senat denken als die alte DDR-Regirung. Z.B „das ist am Kriegsende ein Vertrag zwischen DDR und die Sowjetunion entahalten , dass die Rossbändiger im Kleistpark  vor 70 Jahre stehen müssen. Dafür müssen sie da vor ewig sein. (Anm: 70 Jahre haben jetzt passiert.)“ Das hat einer der Abgeordneten in letzter Zeit geäussert. Die Tatsache ist dass weder die Sowjetunion oder die DDR nicht mehr existieren.

  • Ellen Nörenberg

    Das ist auch meine Meinung!!!

  • Joachim Trautmann

    Ihr seid richtig toll (positiv).

  • Paul Horst Tribbels

    Ja,allerding,warten wir mal die Wahl ab.Vielleicht geht Frau Lüscher dann in den Ruhestant.Hoffentlich.

  • Magnus Ahs

    In der Morgenzeitung heute stand es:: ‚Ein neues Katastrophwahl für Angela Merkel, jetzt im Land Berlin, ist zu erwarten‘. Hoffe inbrünstig. dass die gleichen gewählten Beamten heute, noch nicht Aufenthalten.

  • Michael Wolff

    ….sonst müß eben er Bürger ein bissl nachhelfen… ^^