Offener Brief an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

 

Die „Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine“
hat einen offenen Brief an den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer geschrieben:
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Das Berliner Schloss im April 2026
Das Eosander-Portal vom Berliner Schloss im April 2026

Sehr geehrter Herr Dr. Weimer,

 

wir, die Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine, wenden uns an Sie als Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss.

Als bürgerschaftliche Vereine und Initiativen, deren Arbeitsschwerpunkt die historische Mitte Berlins ist, wissen wir um die Bedeutung des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses für die Heilung der durch Krieg und Teilung beschädigten Integrität des Berliner Stadtzentrums. Ohne die Leistung des Fördervereins Berliner Schloss wäre diese Rekonstruktion nicht zustande gekommen.

Umso mehr befremdet uns, dass der Vorstand der Stiftung Humboldt Forum unter Prof. Hartmut Dorgerloh den Mietvertrag des Fördervereins in den Räumen des Humboldtforums gegen dessen Willen hat auslaufen zu lassen.

Wir meinen: wenn der Förderverein Berliner Schloss es für sinnvoll hält, seine Arbeit dort auszustellen, wäre es ein selbstverständliches Gebot der Dankbarkeit und Anerkennung, ihm dies auch weiterhin zu ermöglichen.

Auch ist für uns unverständlich, dass Prof. Dorgerloh das Angebot des Fördervereins ablehnt, Spendenmittel für die Rekonstruktion des Großen Treppenhauses hinter dem Portalrisalit im Schlüterhof zu sammeln. Er erklärt die Rekonstruktion des Schlossbaus als abgeschlossen und möchte keine weitere Störung des Museumsbetriebs durch Baumaßnahmen.

Die im Ostflügel des Gebäudes befindliche Raumaussparung für den Wiederaufbau des Treppenhauses, in der heute bauzeitliche Skulpturen und Spolien ausgestellt werden, ist jedoch überhaupt nicht mit dem eigentlichen Museumsbetrieb verbunden. Andere Baumaßnahmen seit Eröffnung der Ausstellungen im Humboldtforum, wie die Rekonstruktion der historischen Portaldurchgänge, wurden ohne nennenswerte Beeinträchtigung des Museumsbetriebs durchgeführt.

Wir halten dieses Argument daher für vorgeschoben, um nicht klar auszusprechen, dass man den Förderverein nicht länger im Haus haben will und jegliche weitere Rekonstruktion ablehnt, egal wie sinnvoll diese auch sein mag.

 

Vom Schinkelplatz aus gesehen: das Berliner Schloss im April 2026
Vom Schinkelplatz aus gesehen: die Westseite vom Berliner Schloss im April 2026
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Das ab 1699 nach Entwürfen von Andreas Schlüter erbaute Große Treppenhaus war eines der bedeutendsten Kulturbauwerke des deutschen Barocks. Seine Zerstörung beim Abbruch des Schlosses 1950 war ein schwerer Verlust für Berlin und das deutsche Baukulturerbe.

Ein wiedergewonnenes Raumkunstwerk diesen Ranges wäre eine Bereicherung und kultureller Anziehungspunkt für die Bundeshauptstadt und würde die Authentizität der Schlossrekonstruktion unterstreichen. Es könnte indirekte Einnahmen generieren und vielen Bau- und Kunsthandwerkern über Jahre Arbeit verschaffen.

Herr Minister Weimer, Sie haben wiederholt die Bedeutung der Rekonstruktion des Schlossbaus für Berlin und Deutschland herausgestellt, sich als „Fan der ersten Stunde“ bezeichnet. Bitte lassen Sie nicht zu, dass das Geschenk des historischen Treppenhauses, das der Förderverein anbietet, aus fragwürdigen Gründen abgelehnt wird. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel gilt es, die Bedeutung einer bürgerschaftlichen Spendenfinanzierung für Kulturprojekte dieser Art zu würdigen und alle Hindernisse zu beseitigen, die dem entgegenstehen.

Auch der Vorstand der Stiftung Humboldt Forum sollte dies beherzigen. Er handelt letztlich ohne demokratisches Mandat, allein aus eigenem Gutdünken und nicht im Sinne dessen, was für Berlin und die Baukultur unseres Landes den größten Vorteil bietet – im Gegensatz übrigens zum demokratischen Mandat der entsprechenden Bundestagsvoten und der großen Spendensammlung, auf denen die rekonstruierten Barockfassaden des Humboldtforums basieren. Daher sollte auch die personelle Besetzung des Stiftungsvorstands überdacht werden.

Mit freundlichen Grüßen

(…)

 

Die Allianz der baukulturellen Berliner Bürgervereine ist die Arbeitsgemeinschaft der folgenden Berliner Vereine, Initiativen und Stiftungen:

Berliner Historische Mitte; Errichtungsstiftung Bauakademie; Gesellschaft Historisches Berlin; Stadtbild Deutschland, Ortsverband Berlin; Stiftung Mitte Berlin.

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Textquelle: Stadtbild Deutschland e.V. Berlin; Fotos: Förderverein Berliner Schloss e.V.

6 Kommentare zu “Offener Brief an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

  1. Der Brief spricht so vielen spendenwilligen Bürgern und Unterstützern des Wiederaufbaus der Gigantentreppe aus dem Herzen. Geb’s Gott, dass Herr Dr. Weimer eine Möglichkeit sieht, die Hindernisse zu beseitigen und dies auch tut.

  2. Man ist tief getroffen auf welchem Niveau sich Prof. Hartmut Dorgerloh und Konsorten bewegen. Die ganze Mischpoke scheint den Wiederaufbau des Schlosses abzulehnen und sich nach dem Palast der Republik zu sehnen. Die Leute sind fehl am Platze. Wieso werden sie nicht ersetzt?

    1. Was besonders nervt, ist, dass Herr Dorgerloh offenbar sehr zufrieden ist mit seiner Arbeit. Das bekannte Foto, wo er breit lächelnd (man könnte auch sagen: grinsend) im Schlüterhof sitzt und in die Kamera schaut, scheint zu sagen: „Mir kann keiner was!“ Herr Dorgerloh wurde schon vor 10 Jahren, als das Schloss noch im Bau war, als Intendant eingesetzt und soll bei einer Veranstaltung mit Journalisten im Jahr 2021 gesagt haben, dass, wenn noch einmal in seiner Gegenwart das Wort „Schloss“ fallen würde, ein Beitrag für die Kaffeetasse fällig sein würde. Nachzulesen ist es im Buch „Abenteuer Berliner Schloss“ von Herrn von Boddien. Herr Dorgerloh verfolgt seine eigene Agenda, die sich bekanntermaßen strikt gegen weitere Rekonstruktionsmaßnahmen im Schloss richtet. Der Rauswurf des Fördervereins ist eigentlich eine Geschichte aus dem Tollhaus. Andererseits ist Herr Dorgerloh ein Beamter und damit weisungsgebunden. Vielleicht gelingt es ja seinen Vorgesetzten, ihn zu überzeugen, dass die Rekonstruktion z.B. der Gigantentreppe doch ein unglaublicher Gewinn für das Schloss und für Berlin wäre, von dem auch das Dorgerloh’sche Humboldt-Forum ganz gewaltig profitieren würde, denn es würde doch die Besucherzahlen erheblich ankurbeln. Warum kommen denn die Menschen nach Berlin? Um etwas Neues zu sehen und – ja – auf sich einwirken zu lassen. Dazu gehören auch solche Räumlichkeiten wie die Gigantentreppe oder der Weiße Saal im Schloss, der auch wiederhergestellt werden und als vielfrequentiertes Veranstaltungsforum dienen könnte. Diese Möglichkeiten auszublenden oder abzulehnen ist doch eigentlich unverständlich und auch ein bisschen kleingeistig. Aber auch das ist Berlin. Umso mehr freut es mich, dass der Offene Brief zustande gekommen ist, den ich nur unterstützen kann.

  3. Man kann nur hoffen, dass Herr Weimar von der Übergabe der Dresdner Schlosskapelle im November 2025 immer noch so ergriffen ist, dass das positiv aufs Berliner Schloss abfärbt.

  4. Das Humboldt-Forum wird doch mittlerweile von Woko Haram bespielt. Interessant ist die intellektuelle Wendigkeit von Herrn Dorgerloh, der ja dereinst als Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) einen guten Job machte. Seit (2018) er allerdings das Humboldt-Forum bespielt hat er seine alte Herkunft „wir sind ja aus dem Osten“ wiederentdeckt, schwärmt für den Palast der Republik, kuriert Ausstellungen zum Thema (allerdings mit Verzicht auf das ganze Stasi Gedöns, das sich im Inneren abspielte), fordert den Förderverein Berliner Schloss e. V. zum Rechtsbruch auf (Nennung von Spendern, die politisch missliebig sind, s. „Berliner Extrablatt“ des Fördervereins) und biedert sich bei Philip Oswalt an (obwohl der von seinem Bruder als Direktor des Bauhauses in Dessau geschasst wurde). Erstaunlich wie man sich verbiegen kann um einen Job zu behalten oder um einem Eichhörnchen auf Ecstasy (Zitat v. Harald Schmidt) seinerzeit zu gefallen, damit er seinen Job anno 2023 verlängert bekommt. Da er demnächst in den wohlverdienten Ruhestand wechselt (Mai 2028), macht er halt, wie auf dem Foto auch dargestellt, noch einmal auf dicke Hose. Spricht für sich selbst.

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