
Eine 32-seitige Sonderausgabe zum „Berliner Extrablatt“ ist Mitte Mai 2026 erschienen.
„Wir brauchen Ihre Unterstützung!“ steht in roter Schrift unübersehbar auf der Titelseite.
Gleich im Eröffnungsbeitrag schildert Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer vom Förderverein Berliner Schloss e.V., den Grund für diese Ausgabe:
„Etwas Unglaubliches hat sich ereignet. Am 31. März 2026 wurden wir auf Veranlassung des Vorstandes der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss aus dem Schloss rausgeworfen! Mit diesem Rausschmiss hat man auch unsere Spender desavouiert. Und indirekt auch den Deutschen Bundestag, der 2002 bestimmte, der Wiederaufbau des Berliner Schlosses mit seinen historischen Fassaden sei von uns ausschließlich über Spenden zu finanzieren. Die Begründung für den Rauswurf: Der Wiederaufbau wäre ja vollendet, damit seien unsere Aufgaben erfüllt. Bis zuletzt durften wir aber noch Geld in Millionenhöhe sammeln und abliefern.“
>> Wie die Zeitung B.Z. Berlin mit einem Kommentar darüber berichtet, ist im hinteren Teil der Sonderausgabe nachzulesen – ebenso nur eine kleine Auswahl zahlreicher Leserbriefe dazu.
Der Geschäftsführer blickt in seinem Beitrag auch zurück auf die in den letzten Jahren immer schwieriger werdende Zusammenarbeit mit der Stiftung, schaut aber auch optimistisch nach vorn:
Der Förderverein hat seit Anfang Mai eine neue Wirkungsstätte in Berlin. Mit dem „Treffpunkt Berliner Schloss“ am Schinkelplatz 3 direkt gegenüber vom Berliner Schloss gibt es wieder eine Informations- und Begegnungsstätte. Denn es sind noch viele Aufgaben unerledigt.
Die Rückkehr der Rossebändiger und des Schlossbrunnens zum Berliner Schloss, die Wiedererrichtung der Gigantentreppe, die weitere Restaurierung der Hermenpilaster „Frühling“ und „Sommer“, die Rückkehr der Oranierfürsten auf die Balustrade der Schlossterrassen – die Vorfreude auf die Umsetzung dieser vielen Projekte wird mit dieser „Extrablatt“-Sonderausgabe mit fundierten Fachtexten und beeindruckenden Bildern verstärkt.
>> Sie erhalten bei Interesse diese Sonderausgabe vom „Berliner Extrablatt“ bei uns im neuen „Treffpunkt Berliner Schloss“ – Schinkelplatz 3, 10117 Berlin-Mitte. Wir haben für Sie täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet!
Deutsch
English
Francais

Der Rauswurf zeigt wie „wichtig“ für manche Menschen diese Rekonstruktion ist. Die Kröten des Brutalismus der Spreefassade ist bestes Beispiel, wie leer es in manchen (oder gar meisten?) Hirnen vorgehen muss. Und wenn diese quadratisch, praktisch eingeschränkt denkenden Menschen auch noch so viel Pfeile auf die Fassade schießen, die Aufgaben des Fördervereins sind lange noch nicht erfüllt.
Ich wünsche dem Förderverein weiterhin viel Erfolg gegen die Betonköpfe, wo sie auch immer sitzen!
Ein fatales Signal an die Bürgergesellschaft! Die Nachricht über den Rauswurf des Fördervereins macht fassungslos. Über Jahre hinweg durfte der Verein unter Wilhelm von Boddien dreistellige Millionenbeträge an Spendengeldern sammeln, damit Berlin seine historische Mitte zurückerhält. Kaum ist das Geld verbaut, setzt die Stiftung Humboldt Forum den Verein vor die Tür. Das ist an Undankbarkeit kaum zu überbieten. Der Rauswurf des Fördervereins Berliner Schloss durch die Stiftung Humboldt Forum ist ein beispielloser Affront gegen das bürgerliche Engagement in unserem Land. Das Berliner Schloss verdankt seine Wiederauferstehung nicht der Initiative staatlicher Kulturfunktionäre, sondern dem unermüdlichen Einsatz von Wilhelm von Boddien und Zehntausenden privaten Spendern. Dass der Bundestag 2002 die Finanzierung der Barockfassaden rein auf privates Engagement verlagerte, war ein Vertrauensvorschuss an die Bürger – ein Versprechen, das der Förderverein mit Bravour und Millionenbeträgen eingelöst hat.Das Schloss war historisch gesehen kein reiner Barockbau, sondern ein über 500 Jahre gewachsenes, einzigartiges Architekturmuseum von der Gotik bis zum Historismus. Den Wiederaufbau mit der Fertigstellung der Außenhülle für „beendet“ zu erklären und den Grundriss für die geplanten historischen Innenräume – wie das Haupttreppenhaus – zu blockieren, ignoriert die architektonische Gesamtidee. Wer private Spenden bis zur letzten Sekunde dankend annimmt, um die Sammler anschließend vor die Tür zu setzen, desavouiert nicht nur die Spender, sondern beschädigt das Vertrauen in die Verlässlichkeit öffentlicher Institutionen massiv. Das Humboldt Forum ist Mieter im Schloss, nicht dessen Eigentümer. Es sollte sich wieder auf seine Rolle als Kulturvermittler besinnen, statt das historische Erbe des Ortes aktiv zu bekämpfen.
Dem Kommentar von Richard Zelsacher kann man nur zustimmen. Sollten die Rossebändiger vor Portal IV jemals wieder an ihre angestammte Stelle zurückkehren, so könnte man ihnen auch den Namen der Stiftung Humboldt Forum verleihen, denn sie wirken wie der gezügelte Fortschritt, dem sich diese Institution mit aller Macht entgegenstellt. Wie ein Klotz am Bein wirkt die Stiftung mit ihrem Intendanten. Leider haben die Gegner einer Innenrekonstruktionen der Räume des Schlosses auch Verbündete in Politik und Kultur. Soll man deswegen aufgeben und den Wiederaufbau z.B. der Gigantentreppe dem Sachverstand kommender Generationen überlassen? Ich finde nicht. Überzeugungsarbeit ist zu leisten.Es könnte ja auch ein Umdenken bei den Leuten einsetzen, die die Rekonstruktion der Innenräume des Schlosses so sehr verhindern wollen. Sie sollten sich einmal fragen, ob man sich denn undbedingt nach dem richten muss, was Walter Ulbricht und seine Genossen in Bezug auf das Berliner Schloss hinterlassen haben, nämlich totale Leere, Ödnis, Ignoranz und geistige Armut. Zwar steht das Schloss wieder, aber innen, ja innen, da fehlt einfach etwas, und das merkt doch jeder, der da reingeht.
Dass es auch anders gehen könnte, zeigt das Beispiel Dresdner Residenzschloss: Dort wurden ganz selbstverständlich neben dem Grünen Gewölbe u.a. auch die Paraderäume und der Kleine Ballsaal originalgetreu restauriert. In Berlin scheint das nicht möglich zu sein, selbst wenn es aus Spenden bezahlt werden würde. Es braucht einen so gut vernetzten und energischen Menschen wie Wilhelm von Boddien und seine Verbündeten, um den Innenausbau gegen alle Widerstände anzuschieben und voranzutreiben.