Die FAZ schreibt am 18. Juli 2026:
Weltmuseum ohne historisches Rückgrat
Von Andreas Kilb
Fünf Jahre nach seiner Eröffnung wirkt das Humboldt-Forum konzeptloser denn je. Das Großprojekt des Bundes muss sich dringend neu aufstellen. Das Deutsche Historische Museum könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.

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An diesem Julinachmittag ist das Humboldt-Forum eine Insel der Ruhe. Vor den rekonstruierten Barockfassaden des einstigen Hohenzollernschlosses haben sich Eis- und Würstchenbuden breitgemacht, Berlin-Besucher sitzen auf Liegestühlen und trinken Cocktails und Bier, aber drinnen verläuft sich das Publikum in den hohen Gängen und Treppenhäusern des riesigen Schlossbaus. In der Ausstellung „Berlin Global“ im ersten Stock hat sich wenig verändert, nur dass die darin geübte Gleichsetzung von Holocaust und Kolonialzeit, Antisemitismus und Antiislamismus und die Subsumierung der Revolutionen von 1848 und 1918, des Volksaufstands und 1953 und des Mauerfalls von 1989 unter den pauschalen Begriff „Revolution“ mittlerweile noch anstößiger erscheint als bei der Eröffnung vor fünf Jahren.
Auch die Afrika-Ausstellung des Ethnologischen Museums im zweiten Obergeschoss hat sich nicht von der Stelle gerührt. Erst eine Art Trophäensaal („Schaumagazin“) mit wandhohen, nach Sammlern statt nach Regionen sortierten Vitrinen, dann der überbelichtete, kantinenhaft helle Kamerun-Saal mit seiner ziellosen Kolonialismuskritik, schließlich die Kongo-Sammlung, aus der man über Neuguinea, Ozeanien, das Musikinstrumentenkabinett sowie Nord- und Südamerika in halbstündigem Fußmarsch die Benin-Bronzen erreicht, die wie eine Parade glücklich entschärfter Artilleriegranaten auf abgetreppten Weißflächen und in Hochsicherheitsvitrinen die Museumswanderer erwarten.
Die Liebesaffäre der Deutschen mit der weiten Welt
So geht es weiter: museale Großarchitekturen wie in den Sälen zur Seidenstraße und zum chinesischen Kaiserhof wechseln mit Vitrinen-Labyrinthen, Sonderschauen wie die des indigenen brasilianischen Künstlers Feliciano Lana hängen neben Multimediapräsentationen zu Flüssen und Bergen, Gruppenausstellungen zum Thema Familie, Reliefabgüssen aus Angkor Wat und Theaterpuppen aus Myanmar. Endlich erreicht man in der äußersten Südostecke die Abteilung „Aspekte des Islam“, den Hotspot der museumsdidaktischen Aktualität – und hier, ausgerechnet, ist es völlig leer. Die Besuchergruppen aus Südkorea, Spanien und Dänemark sind in den Sälen zum Hinduismus und zur japanischen Teezeremonie geblieben. Die Einzelbesucher aus Mailand und München erfreuen sich an den Objekten vom Sepik-Strom und aus Neukaledonien. Und im Werkstättenbereich, der einmal „Humboldt-Akademie“ heißen sollte, lümmeln erschöpfte Mütter auf Sofabänken, während ihre Sprösslinge zwischen den mit Krimskrams gefüllten Schaufenstern des „Objekt-Salons“ herumtoben.
Hätte man dieses Zustandsbild den Erfindern des Humboldt-Forums seinerzeit als Film vorgeführt, wäre das Projekt wohl nie zustande gekommen. Damals, vor gut zwanzig Jahren, war von „Weltwissen“ die Rede, von einer Wunderkammer des Geistes, die das deutsche Abenteuer der Weltentdeckung spiegeln sollte, einem Museum, das viel mehr als ein Museum sein würde: ein Zukunftslabor, ein Debattenraum, ein Treffpunkt aller Epochen und Kulturen. Und je heftiger die Verächter der Schlossfassade gegen die Außenhülle des Forums hetzten, in desto glühenderen Farben malten deren Verfechter seinen künftigen Inhalt. Das Humboldt-Forum sollte eine Beziehung wiederbeleben, die spätestens mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus abgerissen war: die Liebesaffäre der Deutschen mit der weiten Welt.
Diese Zeiten sind vorbei. Wer heute ins Humboldt-Forum geht, läuft durch die Ruine eines Konzepts, das nie wirklich zum Leben erwacht ist. Am überzeugendsten wirken in diesem Trümmerhaufen noch diejenigen Teile, die keine tragende Funktion haben, wie die auf mehrere Säle verteilte „Geschichte des Ortes“ oder das „Labor“ der Humboldt-Universität mit seiner Themenausstellung „On Water“. Aber auch sie haben nicht annähernd den Publikumszuspruch, den man sich einmal erhofft hat. Weniger als ein Viertel der 3,3 Millionen Besucher, die die Stiftung Humboldt Forum im vergangenen Jahr gemeldet hat, finden den Weg in die weiträumigen Museumsbereiche des Gebäudes, die meisten fahren lieber direkt zum Dachrestaurant, um von dort aus den Blick über Berlin zu genießen, oder tummeln sich im Schlüterhof mit seinem „Lebenswelten“-Bistro. Als Sehenswürdigkeit hat sich der rekonstruierte Schlossbau durchgesetzt, als Kulturort dümpelt er dahin.
Das liegt an einem Grundfehler seines Konzepts. Die Eigenperspektive des Humboldt-Forums wurde nie gründlich genug durchdacht. Deshalb hat sich ein fremder Blick seiner Exponate bemächtigt. Schon vor der Grundsteinlegung brandmarkten postkoloniale Aktivisten die Sammlungen des Ethnologischen und des Asiatischen Museums pauschal als Raubkunst. Bis zur Eröffnung der Dauerausstellung im September 2021 wurde dieses Narrativ so mächtig, dass der Bundespräsident, die Kulturstaatsministerin und die Festrednerin Chimamanda Ngozi Adichie es ungeprüft nachbeteten. Dabei machen die Afrika-Bestände der Ethnologen, auf die sich die postkoloniale Polemik vor allem bezieht, nur einen Teil, und nicht einmal den bedeutendsten, der Dauerausstellung aus. Die überragenden asiatischen Sammlungen haben bislang keine Rückgabeforderungen aus ihren Herkunftsländern ausgelöst, im Gegenteil: Einige Nationen, etwa Südkorea, sähen sich gern stärker im Berliner Schloss repräsentiert.
„Die Bestie ist hier, und ihr werdet alle sterben“
Aber die postkoloniale Erzählung ist so dominant geworden, dass sie inzwischen alle Aktivitäten des Hauses bestimmt, besonders jenen Ereigniskalender, der von der Stiftung Humboldt Forum unter ihrem Intendanten Hartmut Dorgerloh bestückt wird. Sein vorläufiger Höhepunkt war die Tanz-Performance „Dear Museum“ des Südafrikaners Albert Ibokwe Khosa, die vor sechs Wochen im Schlossbau gastierte. In einer anderthalbstündigen Tour de Force rührt Khosa gemeinsam mit seiner Bühnenpartnerin alles zusammen, was ihm zum Stichwortpaar „Kolonialismus“ und „Deutschland“ einfällt: die Kongo-Konferenz, den Völkermord an den Herero und Nama, den Maji-Maji-Aufstand, den Sklavenhandel, die Angst der Weißen vor der Rache der Schwarzen („Die Bestie ist hier, und ihr werdet alle sterben“) und die Wut der Kolonisierten auf ihre Unterdrücker („Aasfresser, Blutsauger, Kannibalen!“).
Nach etwa einer Stunde fordern die beiden Performer ihr Publikum auf, die Parole, in der ihr Auftritt kulminiert, im Chor zu wiederholen: „Decolonize the colonizers“ – „Dekolonisiert die Kolonialisten!“ Und die Zuschauer, eben noch als Träger der kolonialen Erbschuld des Deutschen Kaiserreichs angeklagt, brüllen gehorsam mit. Es ist eine kollektive Selbstfreisprechung, ein Bußgebet mit unmittelbar folgender Absolution. Dass zu der Wiedergutmachung, die Khosa als Vertreter „meines Kontinents“, wie er sagt, verlangt, die Rückgabe sämtlicher Artefakte afrikanischer Herkunft aus deutschen Museen gehört, ist den Rufern offenbar egal – oder es kommt ihnen gerade recht.
Das Humboldt-Forum wird so zum Sprachrohr für seine eigene Abschaffung. Es wird zur Bühne für jene historisch unaufgeklärte, die gesamte Kulturgeschichte in Gut und Böse, Täter und Opfer sortierenden Dogmatik, die es doch gerade widerlegen wollte. Statt von Austausch und gegenseitiger Wahrnehmung spricht es von Schuld, Scham und Sühne. Es ist, als hätten die Ethnologen und Asienkundler vergessen nachzuschauen, was in den letzten sechshundert Jahren auf der Welt passiert ist, und beeilten sich nun in nachholendem Eifer, möglichst alle Positionen der Postkolonialen zu übernehmen.
Für die Bundespolitik ist das Humboldt-Forum deshalb vermintes Gelände. Das feindselige Desinteresse von Claudia Roth war mit Händen zu greifen, und bei ihrem Nachfolger sieht es nicht viel besser aus. Dabei hätte gerade Wolfram Weimer die Chance, das Haus auf ein neues Gleis zu setzen. Die Gelegenheit dazu ergibt sich im nächsten Jahr, wenn die Berlin-Ausstellung planmäßig abgeräumt und das halbe erste Obergeschoss mit 4000 Quadratmetern Fläche zur Verfügungsmasse wird. Hinter den Kulissen wird seit Monaten um diesen Platz gefeilscht. Das Land Berlin möchte hier eine Präsentation zum Mauerfall und zum Ende der DDR einrichten – am falschen Ort, denn der Palast der Republik, der hier stand, war gerade kein Schauplatz der Friedlichen Revolution. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz will das Museum Europäischer Kulturen in den Sälen unterbringen – eine sinnvolle, aber nicht dringliche Idee, denn das Museum hat einen sicheren Standort in Dahlem.
Der Völkermord wurde damals im Reichstag debattiert
Der dritte Kandidat für die frei werdenden Flächen ist das Deutsche Historische Museum. Seit fünf Jahren hat es keine Dauerausstellung mehr, und durch die Verzögerungen bei der Sanierung des Zeughauses Unter den Linden ist die Wiedereröffnung auf frühestens 2030 verschoben; ein Zustand, der, wenn man es sich richtig überlegt, angesichts der aktuellen politischen Deutungskämpfe um die deutsche Geschichte eigentlich unhaltbar ist. Ein vorübergehender Einzug des DHM könnte aber nicht nur dessen eigene Notlage, sondern auch das konzeptionelle Grundproblem des Humboldt-Forums lösen. Denn die Interimsausstellung des Museums im Schlossbau müsste sich wegen der kleineren Fläche auf einen historischen Ausschnitt beschränken – und dieser Ausschnitt könnte eben das Deutsche Kaiserreich mit seinen Kolonien in Asien und Afrika und das Fortdauern kolonialer Pläne und Projekte im Nationalsozialismus umfassen.
So würde man etwa erfahren, wie es möglich war, dass einige Hundert deutsche Kolonialbeamte und Offiziere und einige Tausend schwarze Söldner eine nach Millionen zählende afrikanische Bevölkerung auf einer Fläche vom Umfang ganz Westeuropas in Schach halten konnten (nämlich durch umfassende Kollaboration der Einheimischen) oder unter welchen Umständen der Völkermord an den Herero und Nama tatsächlich stattfand (nämlich begleitet von einer erbitterten Debatte im Reichstag und in deutschen Zeitungen und einem Machtkampf in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika). Das taumelnde Humboldt-Forum bekäme ein festes Rückgrat in Gestalt historischer Aufklärung.
Rein zufällig und turnusmäßig muss im kommenden Jahr auch der Hauptstadtvertrag novelliert werden, der unter anderem das kulturelle Engagement des Bundes in Berlin regelt. Der Vertrag, dessen Aushandlung derzeit wegen der politischen Schwäche der Regierung Wegner stockt, böte den idealen Hebel dafür, hinter den Schlossfassaden endlich etwas in Bewegung zu bringen. Die nötigen Machtmittel hat der Kulturstaatsminister in der Hand, denn das Land Berlin ist bei der anstehenden milliardenteuren Sanierung der Philharmonie auf die Hilfe des Bundes angewiesen und muss ihm deshalb an anderer Stelle entgegenkommen. Für ein solches Regierungshandeln müsste Wolfram Weimer allerdings zwei Voraussetzungen mitbringen, die er bisher nicht öffentlich gezeigt hat: ein entschiedenes Interesse an der Zukunft des Humboldt-Forums – und den festen Willen, zwischen der Ideologie der Postkolonialen und den historischen Verzerrungen der AfD einen dritten Weg zu finden, eine Strategie, die den Nutzern des Berliner Schlosses aus ihrer Haltung der Selbstverleugnung heraushilft. Fünf Jahre lang hat die Kulturpolitik des Bundes dabei zugesehen, wie ihr einstiges Lieblingsprojekt in eine Sackgasse lief. Jetzt ist sie am Zug.
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>> Text-Quelle: FAZ, 18.07.2026; Foto-Quelle: Felix Zahn/Stiftung Humboldt Forum
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Hartmut Dorgerloh war von Anfang an eine absolute Fehlbesetzung für den Posten des Intendanten! Eine entsprechende Innovation ist von ihm nicht zu erwarten! Es ist höchste Zeit, dass er geht!
Der Artikel ist Klasse! Genauso habe ich es im Frühjahr empfunden, als ich dort endlich mal reinmarschiert bin…Ging zunächst dort völlig unbefangen hin, weil ich die vielen deutschtypischen Nebengeräusche über die Jahre gar nicht an mich rangelassen habe und wenn doch, dann waren sie auch schon wieder längst vergessen. Wie auch immer…nach 30 Minuten hatte ich keine Lust mehr und nach einer Stunde war ich echt wütend! Bin anschließend nur geblieben, weil ich das Ticketgeld nicht vergeuden wollte. Ich hätte es lassen können, denn es zementierte dann im Anschluß eine schlechte Laune epischen Ausmaßes! Ich fragte mich immer wieder, dann einmal sogar laut: “ Was wollt ihr?…Was verdammt nochmal wollt ihr von uns?…Sollen wir uns im Schlosskeller ein Flagellum abholen und eine Stunde selbstgeißeln, oder was?“ Als ich sogar einmal sogar laut sagte: „So eine verdammte Scheiße, so eine miesepetrige Gülle von Museumsbetrieb“, da habe ich ganz und gar ausgeblendet, dass noch zwei Personen, die ich vorher nicht bemerkt hatte, im Raum waren. Die Beiden waren natürlich völlig verdattert…Aber was soll’s, es mußte raus.
Für jemandem, der sich mit Islamischen und Afrikanischen Sklavenhandel (von Afrikanern) beschäftigt und mehrfach beide Chinesische Nationalmuseen besucht hat, ist das Innere der Ausstellung jetzt ein vermintes Gebiet.
Echtes Kotzbrockenland.
Ja,….und Dogerloh…ach, ich lasse es…Ich kann diesen Namen einfach nicht mehr hören und sich an dieser Person abzuarbeiten, macht nur wieder gallig…Fakt ist, dass diese sogenannten „Eliten“ dieses Land in ein ungeheuren Kratzpullover verwandelt haben. Kein Wunder, dass viele nur noch gehen wollen.
Die Kulturpolitik der Bundesrepublik bezüglich des wiedererrichteten Berliner Schlosses war von Anfang an völlig verkorkst. Warum musste der Betreiber eigentlich unbedingt Humboldt- und nicht Schlossforum heißen? Und warum musste das Schloss, das um 1700 aus ganz anderen Gründen gebaut wurde, als zur Aufnahme von „modernen“ Museen, die einseitig-missratene Berlin-Global-Ausstellung aufnehmen? Ganz richtig, weil niemand anders da war, der sie hätte haben wollen. Das Gleiche gilt übrigens für die höchstens traumatisierende Afrika-Ausstellung des Ethnologischen Museums. Auch sie passt nicht in die Mitte Berlins und schon gar nicht hinter die Barockfassaden eines Schlosses, ja nicht einmal in den Palast der Republik, selbst wenn er noch stehen würde. Mir ist schon klar, dass das vor Jahren alles so beschlossen wurde, aber muss das für die Ewigkeit gelten? Beschlüsse kann man aufheben und Gesetze kann man novellieren, wenn man es denn will.
Dabei könnte es auch ganz anders und viel besser gehen. Vorschläge gefällig? Hier sind einige:
1. Auflösung oder Umbenennung der Stiftung Humboldt-Forum in Schlossforum und grundlegende Überarbeitung ihrer Ziele und Aufgaben im Sinne des Fördervereins Berliner Schloss e.V. resp. ihres Vorsitzenden Wilhelm von Boddien.
2. Personelle Umstellung an der Spitze des Humboldt-Forums sowie dem Bauvorstand der Stiftung Humboldt-Forum, das heißt vor allem die Verabschiedung von Personen, die immer wieder die Rekonstruktion der Innenräume des Schlosses – aus welchen Gründen auch immer – ablehnen und zu verhindern wissen.
3. Unverzüglicher Beginn der Rekonstruktion der historischen Innenräume des Schlosses unter Einbeziehung vor allem des Fördervereins Berliner Schloss e.V., wobei das letzte Wort der Förderverein haben soll, und nicht, wie im Falle der Hermenpilaster am Portal IV, die Berliner Denkmalpflege, die sich mit ihrer unsäglichen bürokratischen Begrenztheit jeder praktischen Lösung verschließt und dabei auch noch den Beifall des Bauvorstandes der Stiftung Humboldt-Forum findet.
4. Unverzügliche Rückkehr der Rossebändiger und des Neptunbrunnens an ihre angestammten Plätze vor dem Schloss (mehr ist dazu wirklich nicht zu sagen).
Den meisten Menschen in Berlin würde das besser gefallen, und ich glaube im übrigen Deutschland auch. Man muss sich doch nur einmal vergegenwärtigen, was für eine gigantische Anziehungskraft das Schloss mit der Rekonstruktion eines Teils seiner schönsten Innenräume auf Besucher aus dem In- und Ausland ausüben würde. Die genannten Vorschläge sollen eine Anregung an die Entscheidungsträger sein, die etwas bewirken können, wie z.B. Herr Weimer, der durch völlige Inaktivität in Fragen Humboldt-Forum oder Schloss auffällt, denn zu hören ist von ihm rein gar nichts.
Aber auch Herr Wegner könnte kurz vor dem Ende seiner Amtszeit noch etwas zur Verschönerung der Umgebung des Schlosses beitragen. Es wäre einfach für ihn und schön für die Stadt, deren Regierender Bürgermeister er immer noch ist und die er ganz sicher auch noch liebt.
Was die Möglichkeiten im Rahmen der Novellierung des Hauptstadtvertrags und das weitere Schicksal z.B. der reichlich deplatzierten Afrika-Ausstellung angeht, so bietet das Schloss auch nach der Rekonstruktion z.B. der Gigantentreppe und des Weißen Saals samt Treppenhaus noch mehr als genug Freiraum, um diese (nach Überarbeitung) mitsamt weiteren Ausstellungen in den Räumlichkeiten dieses Riesenbaus unterzubringen, denn es erscheint ohnehin nicht sinnvoll, das gesamte Schloss auch im Innenbereich vollständig zu rekonstruieren. Das wäre selbst vielen Schlossfreunden zu viel des Guten. Überflüssig zu sagen, dass die eventuelle Wiederherstellung der schönsten Schloss-Innenräume nach bewährtem Muster aus Spendengeldern finanziert werden sollte.
Der ausgezeichnete FAZ-Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf – einziger Kritikpunkt: leider wird der Skandal um den Rauswurf des Fördervereins und den Umgang mit dem hochverdienten Wilhelm von Boddien nicht thematisiert.
Da schafft ein Mensch in unserer mittelmäßigen Zeit Gigantisches und schon nagen die Mittelmäßigen mit ihrer Angst vor Außergewöhnlichem, ihrem Neid, ihrer Mißgunst, mit ihrem minderbemittelten Geschichtsbewußtsein bei herausragender fachlicher Inkompetenz, wie Loriots‘ „Steinläuse“ auf der Suche nach den geistigen Katakomben des Vorgängerbaus an den Fundamenten einer grandios umgesetzten Idee.
Ich kann den bisherigen Kommentatoren nur zustimmen und empfehle darüber hinaus, sich ein Beispiel an der Rekonstruktion des Dresdner Schlosses zu nehmen.
Gäbe es, neben einer musealen und kulturgeschichtlichen Nutzung, einen würdigeren Rahmen für Staatsempfänge der Bundesrepublik als in einigen wiederhergestellten Festsälen des Schlosses?!
Wie die Sache auch ausgeht, eines kann der Herr Dorgerloh jedenfalls nicht verhindern: der Name Wilhelm von Boddien und das von ihm mit Richard Schröders‘ Unterstützung entfachte bürgerschaftliche Engagement des Fördervereins ist längst untilgbar in die Annalen der Schloßgeschichte, Berlins und ins dankbare Gedächtnis aller Unterstützerinnen und Unterstützer eingegangen, wenn man den Namen Dorgerloh allenfalls mit einem Schauplatz aus Fontanes‘ „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ assoziiert.
Sehr gute Kommentare. Dogerloh & Co sind eine woke Fehlbesetzung. Wie die Politik es zulassen kann, dass derartige Gestalten eine so großartige bürgerliche Aufbauarbeit verhunzen hat wenige vergleichbare Negativbeispiele
Als Spender an der Fassade des Humboldtforum, dessen Name ohne jeglichen Bezug zum Bau gewählt wurde, habe ich noch nie die fertigen Innenräume besucht und fühle mich durch den FAZ-Artikel bestätigt.
Wieso füllt man ein historisch bedeutsames Gebäude (auch wenn es ein Wiederaufbau ist) nicht repräsentabler? Wenigstens einen Trakt des riesigen Baukörpers hätte man mit seinen ehemaligen Räumen bestücken können.
Gebt doch alle ach so räuberischen Exponate zurück (in Dahlem war das nie eine solche Diskussion), dann herrscht endlich Ruhe.
Ich bin es leid, mich als Deutsche dauernd schuldig fühlen zu sollen, wie sehen das eigentlich andere ehemalige und größere Kolonisten wie Briten und Franzosen, Spanier und Niederländer? Historische Ereignissen sollen aufgearbeitet werden, aber sie sind Fakt und können nicht im Nachhinein umgeschrieben werden (wie bspw. gewisse Straßennamen).
Das ganze Kasperletheater, das z.B. im Schlüterhof stattfindet, steht nur für eine feiersüchtige und an nichts anderem als Essen und Trinken interessierten Gesellschaft, die es, was Berlin betrifft, ohne dieses Schloß bzw. „Hohe Haus“ eines frühen Regenten nicht geben würde. Dann wäre es ein kleiner unbedeutender Marktflecken im Sumpf (was der Name „Berlin“ bedeutet) geblieben. Aber irgendwie ist Berlin den „Sumpf“ nie richtig entwachsen, oder?