„Wir müssen Schloss und Palast erklären“

31.01.2020 Berliner Zeitung

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt-Forums, über die Eröffnungspläne, die Komplexität des Ortes und die Problematik inhaltlicher Reduzierungen.

Von Maritta Tkalec

Das Humboldt-Forum steht in der Nachfolge zweier ikonischer Bauten der Berliner Geschichte: Schloss und Palast der Republik. Jetzt ist der Neubau nahezu vollendet. Dort sollen viele Kulturen der Welt einen neuen Ort bekommen und zugleich die Geschichte des Ortes erlebbar sein. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt-Forums, spricht über die komplexe Aufgabe.

Herr Dorgerloh, Sie sind Ost-Berliner. Wie erinnern Sie sich an den Palast der Republik?

Ich habe von 1982 bis 1987 an der Humboldt-Uni studiert und danach ganz in der Nähe gearbeitet, im Institut für Denkmalpflege in der Brüderstraße. In den Vorlesungspausen konnte man in die Bibliothek gehen, ins Museum oder in den Palast der Republik. Da war es warm, hell, die Telefonzellen funktionierten immer, und es gab einen gut sortierten Presseladen. Die gastronomischen Einrichtungen waren – gemessen am Stipendium – nicht so günstig. Bei meiner Immatrikulation im Großen Saal trug die überwiegende Zahl der Studierenden Blauhemd, nur kleine Grüppchen – von den Theologen, Kunstgeschichtlern und Theaterwissenschaftlern – trugen keins oder ganz verschämt, sodass nur der Kragen rausguckte. Wir waren klar die Minderheit. Der Farbkontrast der blauen Masse in den gelben Stühlen ist mir sehr in Erinnerung. Zu den großen Kulturveranstaltungen bin ich nie gegangen. Was mich interessierte, fand nicht in Mitte und schon gar nicht im Palast der Republik statt. Für klassische Musik hatte ich ein Abo im Konzerthaus, und in der aktuellen Kunst und Musik hat mich mehr interessiert, was sich in der alternativen Szene tat – übrigens auch während der Zwischennutzung in der asbestfreien Palastruine.

Inzwischen sind Sie verantwortlich für die Gestaltung dieses Ortes, und man wartet gespannt auf die Eröffnung. Wann geht es endlich los?

Wir sind auf der Zielgeraden. Wir stimmen mit den verschiedenen Beteiligten gerade die Daten ab. Ein konkreter Termin steht noch nicht, aber wir gehen davon aus, dass die Eröffnung ab September beginnen kann und in drei Etappen stattfinden wird. Zuerst öffnen im Erdgeschoss das Foyer mit dem Veranstaltungsbereich, die Flächen für Sonderausstellungen und die Geschichte des Ortes, der Schlüterhof und die Passage sowie im ersten Obergeschoss die Berlin-Ausstellung und die Flächen der Humboldt-Universität. Mit Beginn der zweiten Etappe werden in den beiden oberen Etagen die ersten Bereiche mit den Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst zugänglich. Das wird im zweiten Quartal 2021 sein.  Zum Finale, am Jahresende 2021, werden alle Bereiche dieser Sammlungen sowie diverse Wechselausstellungen und damit das ganze Haus zugänglich sein.

Gibt es zum Start ein Bürgerfest?

Ja, uns ist ganz wichtig, dann endlich Besucherinnen und Besucher im Haus begrüßen zu dürfen. Aber man muss klar sagen: Wir sind noch nicht fertig, wenn wir aufmachen. Doch wir wollen das Publikum mitnehmen – es entsteht ja wirklich ein neues Stadtquartier. Allein der Besuch des Schlüterhofs, der Eingangshalle und der Passagen! Im Außenbereich wird es noch für ein bis zwei Jahre Baustellen geben. Der neue U-Bahnhof Museumsinsel soll 2021/22 fertig sein.

Sind im Inneren noch heikle bauliche Probleme aufgetaucht?

In der finalen Phase gibt es bei so großen und komplexen Bauvorhaben immer etwas, wo es noch hakt. Und es gibt insgesamt im Baugewerbe aktuell Kapazitätsprobleme. Es fehlen in vielen Gewerken Fachkräfte, und die brauchen nicht nur wir, sondern auch andere. Aber ich bin weiterhin optimistisch.

Hat sich der Blick auf die ethnologische Sammlung hinsichtlich kolonialer Raubkunst geändert?

Ich finde es gut, dass die Diskussion über die Zukunft ethnologischer Sammlungen, deren Bestände häufig aus kolonialen Kontexten kommen, eine größere Öffentlichkeit erreicht hat. In Fachkreisen wird sie schon länger geführt. Aber es geht darüber hinaus um die Frage, wie wir generell mit dem kolonialen Erbe umgehen, nicht nur in den Museen. Was bedeutet Dekolonialisierung für unsere Gesellschaft insgesamt? Das ist ein großes und wichtiges Thema, auch eine Folge der Globalisierung.

Ist mit Rückgaben von Objekten zu rechnen?

Die Berliner Staatlichen Museen haben in diesem Bereich ihre Provenienzforschung verstärkt, und die Ergebnisse werden zu weiteren Restitutionen führen. Aber es geht um mehr: um Prozesse, die mit allen Beteiligten partnerschaftlich anzugehen sind, zum Beispiel bei gemeinsamen Ausstellungsprojekten oder im Bereich Vermittlung. Wir wollen das Humboldt-Forum zu einem Ort machen, an dem diese Prozesse sowie Diskussionen über Restitution oder über die Rolle von Objekten für die kulturelle Identität stattfinden – ein Haus der Vielstimmigkeit. So wird es in den entsprechenden Sammlungspräsentationen Medienstationen geben, die eine große Vielfalt aktueller Positionen aufzeigen, zum Beispiel zu den Benin-Bronzen.

Gibt es ein Objekt, von dem man sich bald verabschieden muss?

Diese Entscheidung liegt bei den Staatlichen Museen und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Eigentümerin der Sammlungen. Und es wird mehr als ein Objekt sein.

Wie wird es rund um das Humboldt-Forum aussehen? Gefallen Ihnen Einheitswippe und Badetreppe vor der Haustür?

Das Flussbad ist eine sehr schöne Idee, weil es mit etwas Wichtigem zusammenhängt: der besseren Wasserqualität der Spree. Und wir wollen, dass sich dort das einheimische und das touristische Publikum mischen. Ich bin auch sehr gespannt, wie die Diskussion über die Gestaltung der anderen Seite der Spree weitergeht – Stichwort Marx-Engels-Forum. Es läuft ein Wettbewerb zur Neugestaltung der Grünanlage, aber ich glaube nicht, dass dies das letzte Wort ist. Es wird sicherlich weitere Diskussionen über die Fläche geben.

… also über Heiliggeist-Viertel, Marienviertel …

Genau.

Bebauung – ja oder nein?

Das hängt von Funktion und Zweck der Stadträume ab. Für mich ist es wichtig, dass es kein rein kommerzieller Ort wird oder nur für Leute, die sich die Gegend finanziell leisten können. Ich halte es für notwendig, über die städtischen Räume zu streiten – im Sinne von etwas miteinander aushandeln, und nach langen Diskussionen demokratisch getroffene Entscheidungen auch zu akzeptieren und damit zu leben. Das betrifft auch die Umgebung des Humboldt-Forums, wozu auch die sogenannte Einheitswippe gehört.

Wird man die populäre Gläserne Blume aus dem Palast der Republik im neuen Haus wiederfinden?

Zur Frage, ob man die Gläserne Blume zeigen soll, haben die damals Verantwortlichen in unserer Stiftung ganz aufgeschlossen gesagt: „Das wäre doch was, gucken wir mal, ob das geht.“ Es hat sich dann leider herausgestellt, dass eine Präsentation aus funktionalen, technischen und konzeptionellen Gründen nicht möglich ist. Deshalb haben wir vor dreieinhalb Jahren mitgeteilt: Wir haben geprüft, es lässt sich nicht realisieren – zumindest nicht für eine dauerhafte Ausstellung.

Wie wird an den Palast erinnert ?

Wir müssen und wollen im Humboldt-Forum erklären, warum gegenüber im ehemaligen Staatsratsgebäude, auch noch ein Stück Schloss steckt. Und was es mit dem Palast der Republik auf sich hat. Insofern ist die Erinnerung an die Geschichte des Ortes eine zentrale Aufgabe mit dem Fokus auf das Schloss, den Palast der Republik und das Humboldt-Forum selber. Denn in ein paar Jahren wird man erklären müssen, warum dieses so geworden ist, wie es geworden ist und was die Rahmenbedingungen waren. Im Haus wird man überall Spuren aus der Geschichte des Ortes finden. Erinnern kann sich aber nicht auf symbolische Handlungen beschränken, also einfach ein Stück aus jedem Haus auszustellen. Das machen wir auch, aber es geht ebenso um die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. So präsentieren wir auf einer riesigen Medienwand das ganze Spektrum der Geschichte des Ortes, vom Beginn im Mittelalter über das Renaissanceschloss bis zum Bau und Abriss des Palastes der Republik – einschließlich Schlosssprengung, Aufmarschplatz und kultureller Zwischennutzung nach der Schließung 1990. Zurzeit führen wir Zeitzeugeninterviews, sammeln Daten, bauen ein Archiv und haben vom Bund Hunderte Einrichtungsgegenstände aus dem Palast übernommen. In welcher Weise wir das Material nutzen, hängt auch vom öffentlichen Interesse ab. Der Palast hatte ja verschiedene Facetten – politische und kulturelle.

Aber die Gläserne Blume wäre doch ein zentrales Objekt, um genau den Facettenreichtum zu zeigen …

Ich halte nichts davon zu sagen: Wenn ich Thronsessel und Gläserne Blume ausstelle, ist das Thema erledigt. Es wird immer eine Auseinandersetzung damit brauchen, was an diesem Ort passiert ist, denn es ist der zentrale Ort dieser Stadt. Die Gläserne Blume sollte man auch nicht überbewerten, sie ist zwar ein wichtiges Stück, aber sie steht nicht für den ganzen Palast der Republik. Eine solche Reduzierung widerspräche   dessen Komplexität und Bedeutung, der wir gerecht werden müssen. Wir hoffen daher auch, dass Besucherinnen und Besucher uns an ihren Erinnerungen an den Palast teilhaben lassen. Vielleicht hat der eine oder andere noch ein Objekt aus dem Palast. Auch in unserem Veranstaltungsprogramm wird er eine Rolle spielen.

Was wird aus dem Palast der Republik nun zu sehen sein?

Zwölf Objekte, im ganzen Haus gut sichtbare „Spuren“, die besonders präsentiert und erklärt werden. Darunter sind große, bekannte Stücke, zum Beispiel ein Ausschnitt aus Jo Jastrams Bronzerelief „Lob des Kommunismus“, Wolfgang Mattheuers Gemälde „Guten Tag“, beide im zentralen Treppenhaus zu sehen. Oder ein florales Wandrelief aus Meißener Porzellan, das im ehemaligen Palastrestaurant hing.   Das wird wieder in einem Restaurant zu sehen sein. Aber auch eine Überwachungsanlage wird ausgestellt. Und es gibt neue, aktuelle Kunst, so von dem Berliner Künstler Tim Tantenroth. Er setzt sich mit der sehr populären, kupferspiegelnden Fassade auseinander und übersetzt diese in ein Wandbild – ein Beispiel dafür, dass sich Künstler bis heute vom Palast der Republik inspirieren lassen. Und wir werden das jüngste Stück aus der Palast-Geschichte ausstellen, vom März 1990, eine gläserne Wahlurne. Die brauchte man erst nach den ersten freien Wahlen. Es ist gut, dass gerade sie ganz prominent zu sehen sein wird.

Quelle: Berliner Zeitung, 31.01.2020

8 Kommentare zu “„Wir müssen Schloss und Palast erklären“

  1. Ist ja nett, wie über den Balast der „Republik “ gesprochen wird. Aber darüber wird sich kaum einer informieren wollen. Das interessiert nur noch ein paar ewig gestrige. Wie lange stand das Teil ? Ikonographie – da kann ich nur lachen.

  2. Betr.: Rückgabe von Objekten „kolonialer Raubkunst´´, genannt werden oben die sog. „Benin-Bronzen´´
    So ziemlich alle rechtlichen Aspekte dieser Thematik werden in dem 2019 publizierten Buch „Who owns history´´ des britisch/australischen Juristen G. Robertson in viel Detail behandelt, wobei dieser insbesondere den britischen Raub der sog. „Elgin marbles´´ von der Akropolis in Athen im Auge hat, aber ganz konkret auch in deutscher Hand befindliche Objekte. Da sich Rechte ohne Macht nicht durchsetzen (lassen), sind hier die juristischen Aspekte uninteressant. Bei den Benin-Bronzen handelt es sich nach Robertson um „3000 artworks from the Palace and ist temple´´ des Königs Oda (Abkürzung) von Edo, einem Staat in Süd-Nigeria. Um Zugang zu „palm oil, rubber and other plentiful resources´´ dort zu haben, hatten 1500 britische Truppen, unterstützt von Schiffen der Royal Navy, in einer „Strafaktion´´ die Stadt Benin-City nach Raub der o.g. Objekte erstürmt und niedergebrannt. Die Briten behielten ca. 700 Objekte, andere wurden verkauft – an Wien (167), Berlin („the Humboldt has 580´´ – so Robertson) und weitere sind in Paris und in der Welt verstreut. Robertson: „… the Benin bronzes are unique, the product of unrivalled 16th- and 17th-century artistry in west Africa´´. Der französische Präsident Macron hat sich klar für Rückgabe ausgesprochen. M.E. sollte die deutsche Regierung ihm folgen – ganz unabhängig von juristischen Argumenten, die nicht weiterhelfen. Dies gilt auch für andere Objekte wie z.B. die Nofretete-Büste. .

  3. @ H.J.W. Müller-Kirsten
    Sie schreiben: „Der französische Präsident Macron hat sich klar für Rückgabe ausgesprochen. M.E. sollte die deutsche Regierung ihm folgen – ganz unabhängig von juristischen Argumenten, die nicht weiterhelfen. Dies gilt auch für andere Objekte wie z.B. die Nofretete-Büste.“
    Daß sich der französische Präsident für eine Abgabe afrikanischer Kunstwerke an Länder, die größtenteils bei der Übernahme durch europäische Staaten noch gar nicht existierten, einsetzt, ergibt sich aus den den Aspirationen der ehemalichen (?) Kolonialmacht, das eigene Einflußgebiet in Afrika nicht nur politisch, kulturell, militärisch und geheimdiesnstlich, sondern auch mental enger an sich zu binden. Wenn nun andere europäische Staaten der französischen Linie folgten, wäre das ein Prestigegewinn ganz nach Macrons Geschmack, der bekanntlich gloriose Auftritte mit Pauken und Trompeten liebt und sich mindestens für den Nachfahren des dritten Napoleon in dessen besserer Zeit hält. Das paßte also auch zum sattsam bekannten französischen Hegemoniestreben in der EU.
    Aber davon abgesehen: Wieso sollen Eigentumsrechte, die juristisch vertreten werden können, plötzöich nicht menr „weiterhelfen“? Die meisten Objekte dürften nach damaliger Rechtsauffassung legal erworben worden sein, und das gilt insbesondere für die Büste der Nofretete. Und dieses Glanzstück sollen wir mal eben den angeblichen Erben irgendwelcher angeblicher Vorbesitzer zurückerstatten? Auf die Idee kann nur ein abgehobenes sozialistisches Gemüt oder eine von Schuldkomplexen durchwalkte protestantische Seele kommen. Oder spielt die Zerknirschung über Jahrtausende währende Unterdrückung und Ausbeutung edler Wilder durch weiße Sklavenhalter eine Rolle? Ich weiß es nicht. Sicher ist , daß es inzwischen viele in Deutschland gibt, die für beliebige Selbstanklagen empfänglich sind, viel zu viele.

  4. Sehr geehrter Herr Gottlieb, Seit 200 Jahren argumentieren die Griechen juristisch mit den Briten wegen Rückgabe der geraubten Akropolis-Skulpturen herum (also auch schon in osmanischer Zeit!). Ergebnislos! Auf deutscher Seite – da stimme ich Ihnen zu – ist es der uns aufgezwungene Schuldkomplex (mit begleitenden Ritualen) , von dem wir geleitet werden sollen bis hin zu Selbstaufgabe (auch des Landes, s. beliebige Zuwanderung). Dies ist derzeitige Staatsräson der deutschen Regierung, die die anderen natürlich in ihrer nationalistischen Sicht bestärkt und (s. Polen, Griechen, Hereros) zu finanziellen Forderungen veranlasst bzw. (wie Armenier) zu Buße von uns. Die Bundespräsidenten u.a. reisen deshalb zwecks deutscher Buße in der Welt herum – und in diesem Jahr kommt noch einiges auf uns zu (s. 8.5.). — Rechtmäßiger Erwerb wird immer weniger zählen – die anderen werden viel selbstbewusster und wissen um unsere Schwäche, und nicht nur der Deutschen. Schnelle Rückgabe erspart deshalb das endlose Herumargumentieren. — Der UN-Appeal-Richter G. Robertson widmet in seinem Buch „Who owns history?´´ einen ganzen Kapitelabschnitt der „Bust of Nefertiti´´ und sagt darin: „…the German exported the bust deceitfully…´´ (gemeint ist der Archäologe L. Borchardt). Ägypten war damals von den Briten besetzt (d.h. die Ägypter hatten nichts zu sagen)! Robertson weiß noch mehr: Herrmann Göring sei geneigt gewesen, die Büste an Ägypten auszuliefern, aber Hitler „wrote to Egypt promising that the `Führermuseum´ he would build in Linz would have at its centre a large domed chamber. ‚Ìn the middle, this wonder Nefertiti will be enthroned. I will never relinquish the Head of the Queen‘.´´ Heute sieht man die Büste genau so aufgestellt in Berlin. Wie Robertson weiter berichtet, waren die Beziehungen zwischen Berlin und dem Museum in Kairo bis in jüngster Zeit gespannt.

  5. Sehr geehrter Herr Müller-Kirsten,
    was den Status Ägyptens unter britischem Protektorat angeht, so erstreckte sich die britische Herrschaft keineswegs maßgeblich auf alle staatlichen Bereiche. Über die Abgabe der Büste der Nofretete entschied allein der ägyptische Staat, und zwar auf der damals üblichen Grundlage der Fundteilung. Hätten die Briten dort ein Wort mitgesprochen, wäre die Büste heute höchstwahrscheinlich in London, Wieviele wertvolle Altertümer wären wohl schlicht verloren gegangen oder durch unsachgemäße Behandlung zerstört worden, wenn nicht europäische Archäologen mit viel Idealismus und unter Einsatz von viel Arbeit und großen Geldmitteln die Ausgrabungen in die Hand genommen hätten! Besagte Büste ist von ihrem rechtmäßigen Besitzer, dem deutschen Unternehmer James Simon, dem preußischen Staat geschenkt worden. Was Hitler oder Göring mit dieser Sache zu tun haben, erschließt sich mir nicht. Wir sollten nichts abgeben, was gemäß den zeitgenössischen Maßstäben rechtmäßig erworben worden ist. Ihre Motive habe ich nicht richtig eingeordnet. Entschuldigung! In der Sache macht es keinen Unterschied.

    1. Sehr geehrter Herr Gottlieb, Zu Ihrer Sicht das, was ich dem Buch des UN-Anwalts G. Robertson, ,,WHO OWNS HISTORY“ entnehme. Zur Nofretete, die seiner Meinung nach rechtswidrig nach Berlin ging, sagt er (S. 182): ,,Why, by the way were there no Egyptians in Egypt’s antiquities authority? Because they were consideered by the French `too primitive‘ to study at the antiquities institutions that the ran in Egypt or in France itself, and the British consul said publicly that they were not `civilised enough‘ to look after their own heritage. These were the racist views of a time when Egypt was under British occupation, and it was not until Colonel Nasser’s Revolution in 1952 that Egyptians were finally put in Control of the country’s Supreme Council of Antiquities.“

    1. Gut, das zu lesen. Die Riesenangst, die man in Berlin vor Rückgabeforderungen hat, erkennt man auch daran, dass man neben dem Bode-Museum mit Pergamon-Altar ein großes Pergamon-Panorama-Museum errichtet hat, in dem das ganze Umfeld des Altars in riesiger Panorama-Form dargestellt wird mit viel begleitender Erklärung, die das Herkunftsland des Altars, die heutige Türkei, offensichtlich besänftigen soll. Na ja, vielleicht wird man in der Türkei zufrieden sein, wenn irgendwann in der Zukunft Schliemanns ,,Schatz des Priamos“ von Russland dorthin, und nicht nach Berlin, ausgehändigt wird.

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