„Teile aus Erichs Lampenladen ziehen ins Schloss“

01.04.2019  Berliner Kurier

Von Norbert Koch-Klauke

Erst sollte sie präsentiert werden, dann wieder nicht. Die Gläserne Blume aus dem Palast der Republik. Die nun doch als Mini-Modell hinter der wiederaufgebaute Schloss-Fassade im Humboldt Forum ausgestellt wird. Das Hin und Her in den vergangenen zwei Wochen beweist erneut, dass der Wunsch vieler Berliner da ist, dass an dieser Stelle auch an Erichs Lampenladen, deren Mauerreste nach der Asbestbefreiung auf Grund eines Bundestagsbeschlusses vor über zehn Jahren abgerissen wurden, erinnert wird.

Erichs Lampenladen soll in der Ausstellung „Geschichte des Ortes“ wieder aufleben

Dort, wo der Palast von 1976 bis 2008 stand, wird Ende November das Humboldt Forum mit der Stadtschlossfassade eröffnet. „Der Stiftung war von Anfang an bewusst und wichtig, dass in dem neuen Haus auch an den Vorgängerbau aus DDR-Zeiten erinnert werden muss“, sagt Stiftungssprecher Michael Mathis dem KURIER. Und so wird der Palast der Republik in die Stadtschlosskopie einziehen – zumindest in Form von Erinnerungstücken.

Dazu gehört auch die markante bronzene Fenster-Front des Palastes der Republik, die im künftigen Schloss und Humboldt Forum die Besucher begrüßen wird als ein gigantisches Wandbild des Berliner Künstlers Tim Trantenroth, das sich im Treppenhaus des Schlosses über zwei Etagen ziehen wird.

An mehreren Stationen soll im Humboldt Forum Erichs Lampenladen, wie der Palast im DDR-Volksmund auch bezeichnet wurde, wieder auferstehen. Der größte Teil wird an zwölf Orten im Rahmen der Dauerausstellung „Spuren“ im Bereich „Geschichte des Ortes“ im Humboldt Forum zu sehen sein. Es sind vor allem originale Objekte und Kunstwerke aus dem Palast der Republik.

Wie das 3,30 Meter breite und 5,27 Meter hohe Wandbild mit Blumen und Blütenblättern aus Meißner Porzellan, von dem es im Palast der Republik gleich zwei Stück gab, die in einem Restaurant hingen. Eines der Bilder ziert heute leicht verkleinert den Sitzungssaal des Bundesfinanzministeriums.„Das zweite Wandbild wird ab Ende 2019 in einem Restaurant im Erdgeschoss des Humboldt Forums wieder zu erleben sein“, sagt Stiftungssprecher Michael Mathis.

Ins Humboldt-Forum kommen auch Objekte der Stasi

Kunstobjekte, die extra für den Palast der Republik angefertigt wurden und den Sozialismus preisen, werden im Rahmen der „Spuren“-Sonderschau ebenfalls einen neuen Platz erhalten. Etwa das Bronze-Relief „Lob des Kommunismus“ von Joachim Jastram, das Bertolt Brechts gleichnamiges Gedicht in Bildern umgesetzt zeigt. Das Kunstwerk wird gerade restauriert, genauso wie das Gemälde „Guten Tag“. Das Bild von Wolfgang Mattheuer zeigt eine DDR-Familie beim Aufstieg eines Berges. Im Hintergrund ist im Tal eine monströse Industrielandschaft zu sehen. Das Gemälde war eines von insgesamt 16 Werken großer DDR-Maler, die einst in der Galerie des Palastes der Republik hingen.

Das Modell der Gläsernen Blume hätte als Kopie nicht in diese Schau gepasst, urteilten deshalb die Kuratoren und verbannten die Skulptur als Palast-Erinnerung aus dem Schloss. Doch nach Kritik aus dem Senat beschloss nun die Stiftung, dass 50 Zentimeter kleine Blumen-Modell im Eingangsbereich des Forums in einer Vitrine auszustellen.

In die Sonderschau dagegen kommen auch Palast-Objekte, die mit Kunst eher wenig gemeinsam haben, dafür aber die wechselvolle gesellschaftliche Geschichte des Hauses zeigen. Zum Beispiel ein Überwachungsmonitor der Stasi, der dokumentiert, dass der Staatssicherheitsdienst der DDR auch im Palast der Republik präsent war. Teller werden gezeigt, die zum Service gehörten, das anlässlich von Staatsempfängen im Palast der Republik gedeckt wurde.

Auch die friedliche Revolution in der DDR hinterließ im Palast Spuren, die in der künftigen „Spuren“-Schau des Humboldt Forums gezeigt werden sollen. Dazu gehört eine gläserne Wahlurne, die 1990 angefertigt wurde, und an der die damaligen DDR-Parlamentarier der ersten freigewählten Volkskammer über die Wiedervereinigung Deutschlands abstimmten. Sogar das Palast-Ende wird in der Sonderschau im Schloss zu sehen sein. Mittels einer Medienstation, in der Filme zeigen, wie die Palast-Ruine als Kunstort zwischengenutzt wurde, bevor die Reste für immer verschwanden.

 

Quelle: Berliner Kurier, 01.04.2019

 

 

9 Kommentare zu “„Teile aus Erichs Lampenladen ziehen ins Schloss“

  1. Das ist doch schön!
    Dann können sich die Linken und Grünen darüber freuen und erzählen wie toll doch die DDR war und was für hervorragende Leistungen der Sozialismus hervorgebracht hat und wie sehr doch der Osten durch den Abriss dieser hässlichen Kiste beleidigt wurde.

  2. Schön wäre es in diesem Zusammenhang natürlich auch, wenn das für das ‚ursprüngliche‘ Gebäude gegolten hätte, d.h. dass zumindest ein oder zwei Räume des früheren Schlosses rekonstruiert worden wären wie dies beispielsweise im Braunschweiger Schloss geschehen ist. Spontan fällt mir dazu Schinkels Teesalon ein. Aber für so etwas würde natürlich kein Geld bewilligt werden. Dann doch lieber die dolle Glasblume sanieren und präsentieren.

  3. Im Schloß an die kommunistische Zerstörung des Schlosses zu erinnern und Überbleibsel des kommunistischen „Palastes“ dort zu präsentieren ist eine Schande. Im Hause des Mordopfers erinnert man auch nicht nostalgisch an den Mörder. Die, die im Angesicht des Schlosses schamhaft schweigen sollten, reißen schon wieder das Maul auf. Wer in Berlin wählt eigentlich diese tiefrot-grünrot-rote Mischpoke?

  4. Mischpoke lassen wir mal weg. Wir leben im 21. Jahrhundert mit Moral und Anstand.

    Ich hätte mir zur Alex Seite die rekonstruierte Fassade des PdR gewünscht. Klassisch und Modern.

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