„So feiert Berlin den Mauerfall-Jahrestag“

25.10.2019 Berliner Morgenpost

Vom 4. bis zum 10. November soll es mehr als 200 Veranstaltungen an den Originalschauplätzen des Mauerfalls von 1989 geben.

Von Philipp Siebert

Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls am 9. November soll in Berlin mit einer stadtweiten Festivalwoche an die historischen Ereignisse erinnert werden. An den Originalschauplätzen verwandelt sich die Stadt dazu vom 4. bis zum 10. November in ein großes Veranstaltungsgelände. Insgesamt sind mehr als 200 Konzerte, Lesungen, Theater- und Filmaufführungen sowie Diskussionsrunden geplant – zumeist wie 1989 auf der Straße. Insgesamt erwarten die Veranstalter mehr als eine Million Besucher.

Die Veranstaltungen werden an insgesamt sieben Orten stattfinden, die damals Schauplatz der Geschichte vor und nach dem Mauerfall waren. Die historischen Ereignisse sollen dabei mit Freilichtausstellungen beleuchtet werden. „Sie bilden das inhaltliche Rückgrat für alle Programme“, sagte Projektleiterin Simone Leimbach von der verantwortlichen Kulturprojekte GmbH am Freitag bei der Vorstellung des Programms.

Veranstaltungen an sieben historisch wichtigen Orten

Im Fokus stehen dabei die Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg als Sammelpunkt der Oppositionellen, der Alexanderplatz, wo am 4. November 1989 Hunderttausende für Demokratie demonstrierten, das Brandenburger Tor, wo die ersten Steine aus der Mauer geschlagen wurden, die ehemalige Stasi-Zentrale, der Schlossplatz als ehemaliger Standort des Palasts der Republik, die East Side Gallery und der Breitscheidplatz.

Letzterer ist einziger Standort im ehemaligen Westberlin. „Das soll auch ausdrücken, dass die friedliche Revolution keine ostdeutsche Regionalgeschichte war, sondern eine deutsche Revolution“, sagte Tom Sello, Berliner Beauftragter der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Am Kurfürstendamm solle auf die Rolle Westberlins eingegangen werden und darauf, „dass die Westberliner die Ostdeutschen mit offenem Herzen in die Arme genommen haben“.

3D-Projektionen an Gebäuden und „MauAR“-App

An sechs der sieben Schauplätze können Besucher nach Einbruch der Dunkelheit historische Filmaufnahmen aus den Jahren 1989 und 1990 sehen. Dazu werden großformatige 3D-Projektionen etwa auf die Gethsemanekirche, auf das Alexander- und Berolinahaus am Alexanderplatz, das Europacenter und die East Side Gallery gestrahlt. An der Ostfassade des Humboldtforums soll das Konterfei des 2008 abgerissenen Palasts der Republik zu sehen sein. Mit dem Smartphone und der App „MauAR“ können Besucher außerdem virtuell in die Geschichte eintauchen und zum Beispiel den Verlauf der heute weitgehend verschwundenen Mauer nachvollziehen.

Auf der Straße des 17. Juni wird bereits jetzt das Kunstprojekt „Visions in Motion“ installiert. In Anlehnung an die Transparente der damaligen Protestler konnten 30.000 Menschen ihre Wünsche, Hoffnungen und Ideen für die Zukunft auf kleine Zettel schreiben. Die werden nun zu einem 150 Meter langen Teppich verknüpft, der unweit des Brandenburger Tors durch die Luft wehen soll.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 25.10.2019; Foto: Kulturprojekte Berlin unter Verwendung von Fotos von Harf Zimmermann

 

 

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