„Schloss ohne Gläserne Blume“

14.03.2019 Berliner Kurier

Jetzt gibt es heftige Kritik aus dem Senat. Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zeigt sich darüber verärgert, dass die Gläserne Blume aus dem Palast der Republik nicht hinter der wiedererstandenen Fassade des Berliner Stadtschlosses im Humboldt Forum gezeigt wird, so wie es einmal vom Senat geplant war (KURIER berichtete).

Aufstellen des Originals wegen Schäden nicht möglich

Die Skulptur, die einst im Foyer des Palastes der Republik stand, war bei den Besuchern sehr beliebt. Im Humboldt Forum, das Ende November eröffnet wird, sollte sie deshalb entweder als Original oder als verkleinertes Modell als Erinnerung an „Erichs Lampenladen“ gezeigt werden. Letztere Variante wurde favorisiert, da ein Aufstellen des Originals wegen Schäden nicht möglich ist. Doch die Kuratoren der Sonderschau wollen das Kunstwerk im Miniformat im Schloss nicht zeigen.

Darauf reagiert jetzt Stadtentwicklungssenatorin Lompscher. „Ich bedauere es, das die Gläserne Blume oder eine Replik davon nicht wie geplant im zukünftigen Humboldt-Forum aufgestellt werden soll“, sagte sie dem KURIER. „Versprochen war etwas anderes. Aber vielleicht ist das noch nicht das letzte Wort.“

Lompscher erinnert damit an eine Aussage, die sie 2016 als damalige Abgeordnete der Linkspartei aufgrund einer Anfrage vom damaligen Senat erhalten hatte. In dieser Aussage hieß es vor drei Jahren, dass der Senat dafür ist, dass die Gläserne Blume im künftigen Stadtschloss als Zeitzeugnis an den Palast der Republik ausgestellt werden sollte, wenn der Bau fertig ist.

Nicht nur Lompscher zeigt sich verärgert. Auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) schäumt vor Wut. „Für sehr viele Menschen aus der ehemaligen DDR verbinden sich mit der Gläsernen Blume eine Menge schöner Erinnerungen“, sagte er dem KURIER. Die Entscheidung, sie nicht im Schloss zu zeigen, „ist mehr als nur zu bedauern“. „Es ist leider wieder ein Tritt vors Knie der Ostdeutschen, ein weniger Wertschätzen von deren Leben, von deren Erinnerungen“, sagte er. „Ich bin sicher, wäre es um einen Kaminsims aus dem Original-Schloss gegangen, hätten sich Wege und – vor allem Mittel finden lassen.“

Restaurierung des Originals wäre sehr teuer

Die Original-Skulptur gehört seit dem Abriss des Palast der Republik (2008), der Bundesregierung, wird in Einzelteilen in einem Depot des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Spandau aufbewahrt. Ein Aufstellen der Blume sei nicht möglich, da sie nicht mehr standsicher sei, der TÜV dies nicht genehmigen würde. „Eine Restaurierung ist nach Expertenmeinung sehr aufwendig“, sagt DHM-Sprecherin Daniela Lange. „Der finanzielle Aufwand wurde als sehr hoch eingeschätzt, so dass es derzeit keine Pläne gibt, das Kunstwerk auszustellen.“

Schon vor drei Jahren war das Problem bekannt, dass die Original-Skulptur wohl für immer im Depot bleiben würde. Daher wurde damals von der Schlossstiftung ein Modell der Gläserne Blume in Auftrag gegeben, um wenigsten sie in dieser Form in einer Ausstellung zu zeigen. Das Modell wurde damals von dem Magdeburger Künstler Reginald Richter angefertigt, der auch schon die Original-Blume erschaffen hatte. Doch nun erklärte ein Sprecher des Humboldt Forums, dass diese verkleinerte Version des Kunstwerks nicht gezeigt wird, „weil es kein Original ist“.

 

Quelle: Berliner Kurier, 14.03.2019

 

13 Kommentare zu “„Schloss ohne Gläserne Blume“

  1. Welch eine instinklose Entscheidung! Als „Wessi“ kann ich die Reaktion bestens verstehen. Und bitte was heißt „sehr teuer“? Nach alle den guten Erfahrungen mit dem Spendenfluss für die historischen Fassaden sollten sich die Entscheidungsträger trauen, auch die Restaurierung der Blume der Allgemeinheit anzuvertrauen. Als Westdeutscher würde ich jedenfalls mit einer Spende hierfür gern zeigen, dass ich meine ostdeutschen Mitbürger schätze.

  2. Widerspruch

    Was bitteschön hat dieses Kunstwerk mit der Lebensleistung sogenannter „Ostdeutscher“ zu tun?
    Ich wurde in der sogenannten „DDR“ geboren. Aber dieses Gebäude „Palast der Republik“ ist ein Zeugnis einer menschenverachtenden und ökonomisch zerstörerischen Diktatur gewesen.

    Glauben Sie allen Ernstes, daß man ohne Probleme Veranstaltungen innerhalb dieses „Kultur“-Gebäudes besuchen konnte?
    Leute mit Beziehungen zum System hatten die besten Chancen dazu.
    Die roten Genossen waren die Nutznießer, sonst niemand!

    Mehr Widerspruch zu dieser Taktik, sich mal wieder als Anwalt der „armen Ostdeutschen“ zu gerieren, wäre angebracht!

    Der Palast der Republik und diese „Blume“ steht nicht für DIE Ostdeutschen!
    Zumal die Bürger Individuen waren und sind! Kein Kollektiv!

    Ich verbitte mir, von dieser Linkspartei „vertreten“ zu werden und dieses Symbol der SED-Diktatur mit dem verlogenen „Kleid“ eines Parlaments identifiziert zu werden.

    Das eigentliche deutsche Parlament z7u damaliger Zeit war der Bundestag und Bundesrat! Stichwort: Alleinvertretungsanspruch!
    Leider war es einem als Deutschem in der „DDR“ untersagt, an freien Wahlen teilzunehmen.

    Obiges Auftreten der Linken ist ein Hohn gegenüber den SED-Opfern!

    1. Es geht hier nicht um Lebensleistung oder politische Erwägungen, sondern um Geschichte! Die Zeit mit dem Palast der Republik ist ein Teil der Gesc hichte dieses Areals – völlig unbenommen von der Frage, wie das Gebäude oder die dort tätigen Menschen politisch zu beurteilen sind. Die Gläserne Blume war ein Kunstwerk, das Menschen gefallen und etwas bedeutet hat. So wie anderen das Schloss etwas bedeutet, oder die Frauenkirche, etc. Vernichten von Kunst und Zeitzeugnissen macht Geschichte nicht ungeschehen. Was müsste man sonst mit dem Völkerschlachtdenkmal tun, den Kaiserdenkmälern, mit Circus Maximus und sonstigen Bauten und Denkmälern, die aus unserem heutigen Verständnis fragwürdig sind. Kunst und Denkmäler dienen nicht nur der Verherrlichung, sondern auch dem Erinnern und Mahnen. Sie auf dem Schrottplatz der Geschichte zu „entsorgen“ hat jedenfalls noch niemandem genützt.
      Und deshalb bin ich für ein Restaurieren und Aufstellen dieser Blume.

  3. Das sind doch wieder die gleichen inhaltslosen Argumente wie damals bei den Ampelmännchen, die man angeblich nicht herstellen könnte, heute sind sie in ganz Berlin zu finden. Oder der Rekonstruktion von historischen Gebäuden des Dresdner Neumarktes, als es hieß, dass das nicht zu machen sei und erst die Bürger ein erstes Haus erschaffen mussten. Und heute kann man sich Dresden ohne den Neumarkt gar nicht mehr vorstellen. Also ihr spießigen Kuratoren, stellt Euer Amt zur Verfügung. Ihr seid eine Schande für Berlin.

  4. Sich zur deutschen Geschichte zu bekennen heißt nicht kommunistischen Plunder wertzuschätzen und repräsentativ in der Öffentlichkeit auszustellen. Wer heute nostalgisch an selige „DDR“-Zeiten erinnern will, vergißt, daß das kommunistische Regime lediglich eine Agentur der SU war und zu keinem Zeitpunkt von der großen Mehrheit unserer Landsleute in freier Wahl akzeptiert wurde. Man kann „DDR“- Relikte museal ausstellen, aber bitte nicht im Schloß, dessen Originalgebäude die Kommunisten bekanntlich in einem Akt wiollkürlicher Barbarei gesprengt haben. Das wäre nämlich eine weitere Kulturschande. Leider haben sowohl die SED als auch deren kommunistische Gesinnung überlebt. Was aus einem links regierten Gebiet wird, kann man unschwer am Beispiel Berlins verfolgen. Ich wohne übrigens in Westdeutschland, aber als „Wessi“ fühle ich mich nicht, sondern immer, vor und nach 1990, als Deutscher.

    1. Richtig, in jedem System, ob gut oder nicht, finden sich nach einem Umbruch sofort geeignete Vasallen, die begierig sind, in der Macht mitzumischen – das war im Westen genauso wie im Osten. Und Bilderstürmer gab es im deutschen Westen genauso wie im Osten. Wer die Macht hat, ob demokratisch erlangt oder nicht, bestimmt letztlich was die richtige Meinung oder die Wahrheit ist.

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