„Offener Brief: Jetzt auch Thielemann gegen Berliner Einheitswippe“

28.07.2018  WELT

Eine Bürgerinitiative macht weiter mobil gegen den geplanten Standort des Einheitsdenkmals in Berlin. Einen offenen Brief haben auch Prominente unterzeichnet, darunter Dirigent Christian Thielemann.
Um das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin gibt es weiter Streit. In einem offenen Brief an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages fordern jetzt auch Prominente aus Kultur und Medien eine Neubefassung des Bundestags mit der Causa, darunter der Stardirigent Christian Thielemann, die Publizistin Lea Rosh sowie Professor Goerd Peschken, Sachverständiger für das Berliner Schloss. Auch die früheren „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben und Dagmar Berghoff, der Unternehmer Hans Wall sowie Berliner Landespolitiker haben den Brief unterzeichnet.

 

Absender des Briefes ist der Verein Berliner Historische Mitte. Schon in der vergangenen Woche begann die gleichnamige Bürgerinitiative eine 77-Tage-Dauerdemonstration vor dem Reichstag.In dem Brief, der WELT vorliegt, heißt es wörtlich:

„Die Idee dieses Freiheits- und Einheitsdenkmals mag gut sein, jedoch bitte nicht an diesem Platz vor dem Humboldt Forum! Das Nationaldenkmal in direkter Nachbarschaft mit/vor dem Humboldt Forum (Haupteingang) stellt den kosmopolitischen Inhalt und Anspruch des Humboldt Forums existentiell in Frage.“  Die barocke Fassade des Berliner Schlosses (Humboldt-Forum) passe mit der geplanten riesigen Wippe nicht zusammen.

Die Unterzeichner fordern, das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal nicht an der Berliner Schlossfreiheit, sondern an einem räumlich und inhaltlich dafür besser geeigneten Ort zu errichten. Konkret vorgeschlagen wird zum Beispiel die Reichstagswiese. Hier wurde die Deutsche Einheit am 3. Oktober 1990 verkündet und vollzogen.

Weiter zitiert wird eine Umfrage, wonach eine übergroße Mehrheit von 65 Prozent der Berlinerinnen und Berliner gegen die „Wippe“ sei.

Nur 16 Prozent votierten für das Denkmal in dieser Form und an diesem Ort. Es bleibt abzuwarten, ob das Gewicht prominenter Stimmen und Unterzeichner des offenen Briefs die Beschlusslage des Bundestages zur „Wippe“ nochmals kippen kann.

 

Quelle: WELT, 28.07.2018

 

 

23 Kommentare zu “„Offener Brief: Jetzt auch Thielemann gegen Berliner Einheitswippe“

  1. Vielen Dank für den offenen Brief zur „Wippe“. Wann hören die verantwortlichen Politiker endlich auf die Meinung der Berliner Bevölkerung? Herr Thierse muss endlich seine starte Haltung aufgeben und umdenken. Die Zerstörung der Schlossumgebung durch den Bau werden die nachfolgenden Generationen uns nicht verzeihen.

  2. Es wäre gut, wenn die Initiative der Prominenten, den Bau der Wippe am Schloss doch noch verhindern könnte, egal aus welcher politischen oder gesellschaftlichen Richtung diese Prominenten kommen. Eine demokratisch-getroffene Entscheidung drückt einen Willen aus, nämlich den der Repräsentanten der gewählten Mehrheit(en). Als solche muss die Entscheidung nicht „richtig´´ sein, d.h. im Sinn der Mehrheit des Volkes. Es dürfte bekannt sein, dass es z.B. Volksvertreter gab, die demokratisch korrekt gewählt wurden, sich hinterher aber als katastrophal erwiesen. Daher sollten die für die Wippe verantwortlichen Politiker, sich nicht der Mühe entziehen, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

  3. Ich frage mich, was in den Köpfen der Pro-Entscheider vor sich geht. Das Schloss hat mit dem Einheitdenkmal nicht gemeinsam. Ich stelle mir den Menschenauflauf und das Geschrei der sicher vorwiegend jugendlichen „Tester“ der schrecklichen Wippe vor, die versuchen, dieses furchtbare Monstrum in Bewegung zu versetzen, ich denke, meistens vergeblich. Von den Saufgelagen auf den Treppen davor nicht zu reden. Da gibt man sich soviel Mühe mit den wundervollen historischen Fassaden, und dann wird ausgerechnet bei den symbol- und geschichtsträchtigen Kollonaden gespart. Die gehören unbedingt dorthin ! Der Vorplatz zum Reichstag ist der einzige und richtige Platz, für dieses „Denkmal“ ! Der wichtigste Platz in Berlin und das das Schloss sollte zum Besinnen und Staunen anregen, nicht zur Belustigung .

    1. >>Was in den Köpfen der Proentscheider vor sich geht…<< M.E. ist das klar: Sie wollten ihren demokratischen Sieg (oder wie man das Niederringen der DDR-Führung nennen will) auf den aus ihrer Sicht kriegerischen Sieg von 1871, der damals die deutsche Einheit brachte und wofür das Kaiser-Wilhelm-Denkmal Symbol sein sollte und war, stülpen. Die Wippe-Befürworter hatten ganz klar diese Absicht im Kopf.

        1. Lieber Herr, Lesen Sie, was die heute Machthabenden (und dort waren es die Westdeutschen) auf der Tafel des wiedererrichteten Kaiser-Wilhelm-Denkmals am Deutschen Eck vermerken, nämlich, dass die Vereinigung der Deutschen 1870/71 mit Krieg erreicht wurde, während die 1990 mit Frieden — „friedliche Revolution“ sagt man ja. Ignoriert wird natürlich, dass der Krieg 1870/71 den Deutschen von Frankreich (Napoleon III) erklärt und aufgezwungen wurde – in heutiger Sprache`- „entfesselt“ wurde. Davor lag zudem noch das Trauma, das sein Vorgänger Bonaparte erzeugt hatte. Ist die deutsche Einigung als Folge des Krieges 1870/71 zu verurteilen? Andere Völker haben ihre Einheit ebenfalls auf kriegerische Art erreicht – so z.B. die VEREINIGTEN Staaten von Amerika, das VEREINIGTE Königreich Great Britain, die Eidgenossenschaft der Schweiz.

    2. Hallo Herr Nöther, ich kann Ihnen nur zustimmen. Genauso wird es kommen. In der Theorie und auf Zeichungen klingt und sieht das immer alls total toll. Hübsche Bilder, nette fröhliche Familie die auf der Wippe balancieren. Aber es wird genau das Gegenteil der Fall sein. Ähnliches Volk (entschuldigen Sie den Ausdruck) wie in Hamburg am Jungfernstieganleger wird sich dort herumtreiben und die Museumsbesucher verschrecken. Des Weiteren finde ich auch, dass die Wippe optisch ganz furchtbar an diese Stelle aussieht. Das Schloß hat mir der auch nicht ganz einfachen modernen Rückseite schon Moderne genug.

  4. Natürlich ist ein „kriegerischer Sieg“ nicht grundsätzlich denkwürdiger als ein „demokratischer Sieg“. Und warum „Sieg?“ Vergleich und Frage sind falsch. Die Einigung 1871 folgte zwar auf einen Sieg, war aber Ausdruck einer starken deutschen Volksbewegung als Reaktion auf Napoleons Aggression, auf die restaurative Bundespolitik Metternichs (danach Wartburgfest 1817, Hambacher Fest 1832, Märzrevolution 1848/49, Frankfurter Nationalversammlung 1849). Selbst Wilhelm II folgte mit dem Bau des Kaiser W.-Nationaldenkmals nur einer breiten nationalen Grundstimmung. Es war Napoleon III, der schon 1866 Luxemburg und linkrheinische Bundesteile vom dem Deutschen Bund „abtrennen“ wollte, der Preußen 1870 im spanischen Erbfolgekonflikt demütigen wollte und der dann Deutschland den Krieg erklärte, weil er ihn unbedingt wollte. Weder Bismarck, noch Wilhelm I waren die Kriegstreiber, wie man in ihren Erinnerungen nachlesen kann.
    Im Blick auf die spannungsvolle deutsche Geschichte war es 1950 ein ganz mieser, respektloser Stil, ein im 19. Jhd. von begeisterten Bürgern gespendetes Denkmal dieser Zeit aus ideologischem Hass zu verunglimpfen, zu schleifen. Heute ist es ebenso mies, die denkmal-geschützten Fundamentreste nun zweckentfremdet mit einem neuen Denkmal mit anderer, „zeitgemäß demokratisch-politisch korrekter“ Deutung zu überdeckeln.

  5. Vollmundig wurde mit großen Worten erklärt, Berlin erhielte mit dem Berliner Schloss in seiner ursprünglichen Kubatur seine Mitte zurück. Einen unpassenderen Ort als die Schlossfreiheit konnte man für die Freiheitswippe gar nicht finden. Die Wippe ist für das einleitende und indessen von jedermann akzeptierte Statement der reinste Hohn. Reicht denn die architektonisch langweilige Ostfassade als Kompromiss nicht aus? Wahrscheinlicher ist doch, dass die Wippe zu Europas größtem Taubenklo mutieren wird. Ist doch egal , Hauptsache noch ein Superlativ.
    Muss es denn immer so sein, dass Entscheidungen erst dann zurückgenommen werden, wenn die ursprünglichen Entscheider nicht mehr da sind? Einsicht ehrt auch die Irrenden. Die ehrliche Mehrheit ist doch schon dagegen.

  6. Die Einheitswippe hat am geplanten Aufstellungsort nichts zu suchen! Unabhängig von ihrem eigenen wenig überzeugenden Eindruck, den sie hinterlässt, ist ihr Wirken im Gesamtkontext des Schlosses und des Schlossumfeldes einfach nur unpassend und deplatziert. Architektonisch und historisch auch richtig begründet, kann es grundsätzlich eigentlich keine Alternative zu den Kolonnaden vor dem Schloss geben und genau deswegen sollten diese auch dort wieder entstehen, um schlüssig als Ensemble im Einklang mit dem Schloss zu wirken. Dieser Ansatz wird von so vielen Menschen befürwortet, dass man sich fragen muss, wie Politiker als Volksvertreter überhaupt auf die Idee kommen können dort etwas anderes hinstellen und aufnötigen zu wollen. Auch wenn´s schwer fällt, Politik muss sich bisweilen eben doch immer mal wieder mit dem Gedanken vertraut machen, dass Demokratie so funktioniert.

  7. Die Wippe als Denkmal für die Kraft der Bewegung, wenn Menschen gemeinsame Sehnsüchte und Ideen haben, gehört unbedingt ans Schloss. Weder Kaiser noch Politiker haben die Wende und damit ursächlich erst den Wiederaufbaus dieses Geschichtssymbols ermöglicht, sondern es war der Drang zur Freiheit der Bürger. Kommentare von Besserwessis sind nur Ausdruck des Bedauerns über den Verlust der Bonner Republik.

  8. Ich bin für die Errichtung eines Einheitsdenkmals, jedoch nicht neben dem Humboldtforum. Der Vorschlag, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages über den Standort nochmals abstimmen zu lassen, finde ich gut. Jedoch sollte dies in einer offenen Befragung erfolgen, sodass die Nachwelt, angefangen bei ihren Kindern und Enkelkindern erfährt, wofür sich jeder Einzelne entschieden hat.

  9. Richtig! Sie meinen namentliche Abstimmung wie im Fall des Holocaust-Mahnmals. Niemand sollte sich aus Opportunitätsgründen (bessere Jobchancen) in der Anonymität einer nicht-namentlichen Abstimmung verstecken können.

  10. Was kaum bekannt und deshalb auch nie berücksichtigt wird: Das 1950 abgebrochene Denkmal war im Gegensatz zu vielen derartigen „Siegesdenkmälern“ ein Denkmal, mit dem der Friede verherrlicht wurde – nichts von militaristischem oder nationalistischem Pathos wie z.B. Am Arc de Triomphe in Paris. Die Folgen von Krieg und Frieden wurden jeweils in Bildhauerreliefs einander sehr eindrucksvoll gegenübergestellt. Die Rekonstruktion der Kolonnaden würde also würdig an ein Denkmal des Friedens erinnern, passend zur friedlichen Revolution! Übrigens war die Rücksete des Fünfzigpfennigstücks nach 1948 einem Motiv des genannten Friedensreliefs nachempfunden. Ein von einem modernen Künstler zu schaffendes Sinnbild könnte in würdigerer Weise innerhalb der Kolonnaden an die „Leipziger“ Revolution und die Widervereinigung erinnern als diese Wippe, mit der sich Deutschland weltweit lächerlich machen würde. Will man von der Wippe dennoch nicht lassen, gehört sie auf keinen Fall auf die Schlossfreiheit.

    1. Es ist völlig richtig, dass es sich um ein Friedensdenkmal handelte. Die allegorische Engelsfigur, die das Pferd von WI am Zügel geführt hat, war nicht die Victoria, sondern die Pax.

  11. Zu ergänzen wäre noch zur Mitte des Denkmals: Der durchaus pathetisch an erhabener Stelle reitende Kaiser bestimmt den Weg des Pferdes nicht selbst – es wird von einer Göttin geführt. Die Throninsignien befinden sich nicht auf der Höhe des Kaisers, sondern liegen, zugänglich für jedermann auf der Treppe. Aus dem Buch der Verfassung lugt nur ein Wort hervor: Freiheit. Das Denkmal war auch weit entfernt von jeder Verherrlichung des Absolutismus – im Gegenteil. Natürlich will niemand Wilhelm „den Großen“ wiederrichten, aber die Erinnerung an sein Denkmal ist nicht unwürdig. Die einst sehr schönen Relieftafeln zum Preis des Friedens dagegen könnten als Rekonstruktion durchaus einen wertvollen Beitrag leisten.

  12. Interressant ist das beredte Schweigen der Ja-Entscheider, allen voran Herr Thierse und die dreizehn Abgeordneten, die ausnahmsweise mal zu einer Bundestagssitzung gekommen waren und brav die Hände gehoben hatten. .

    1. Man kann das Theater um die Einheitswippe nur bestaunen.Interessant ist ja, dass die Entscheider im Bundestag keinen Bezug zur Geschichte haben. Mein Gott, wie selbstverleugnerisch sind wir –
      diese Abgeordeten mögen sich selbst nicht, geschweige diese Republik.

      1. Es wäre wünschenswert, interessant, aber auch mutig, wenn ein Wippe-Verteidiger sich am Wochenende der Offenen Baustelle der Öffentlichkeit stellen und dort seine Sicht verteidigen würde. Mut, liebe Leute!! Angesichts der bevorstehenden letzten und endgültigen Entscheidung sollten sich die Verantwortlichen nicht verstecken, sondern erst recht hervortreten und sich äußern.

  13. Herzlichen Glückwunsch! Diese Idiotenschaukel passt absolut zu Herrn Thierse und seinen Unterstützern. Die Nachwelt wird es ihm nie vergessen und nie verzeihen.

  14. Herzlichen Glückwunsch! Dieses Monstrum passt absolut zu Herrn Thierse und seinen Unterstützern. Die Nachwelt wird es ihm nie vergessen und nie verzeihen.

  15. Herzlichen Glückwunsch! Dieses Monstrum passt absolut zu Herrn Thierse und seinen Unterstützern. Die Nachwelt wird es ihm nie vergessen und nie verzeihen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.