„Naturschutzbehörde kündigt Auflagen für Einheitsdenkmal an“

19.09.2019  rbb24.de

Für den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals vor dem wiederaufgebauten Berliner Schloss wird es Auflagen zum Naturschutz geben.

Der Antrag des Bundes für eine artenschutzrechtliche Zulassung des Baus liegt derzeit bei Berlins oberster Naturschutzbehörde.

Der in Kürze folgende Bescheid werde „Auflagen zu naturschutzrechtlich erforderlichen Kompensationsmaßnahmen enthalten“, teilte die Umweltbehörde am Donnerstag mit. Zur konkreten Ausgestaltung gab es keine Angaben. Zunächst müssten die Antragsteller informiert werden, hieß es. Die Baugenehmigung ist nach Angaben des Bundes bereits um ein weiteres Jahr verlängert.

Für das seit Jahren umstrittene Projekt hatte der Bundestag im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro freigegeben. Auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem künftigen Humboldt Forum soll eine riesige begehbare Waage an die friedliche Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern.

Ursprünglich sollte das Denkmal zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im November 2019 fertig werden. Aller Voraussicht nach ist auch der 30. Jahrestag der Einheit am 3. Oktober 2020 als Ziel nicht mehr möglich. Das offiziell „Bürger in Bewegung“ benannte Werk wird von Kritikern auch als „Einheitswippe“ bezeichnet.

 

Quelle: rbb24.de, 19.09.2019

Foto: Förderverein Berliner Schloss e.V.

 

10 Kommentare zu “„Naturschutzbehörde kündigt Auflagen für Einheitsdenkmal an“

  1. Seit ich über die Cam aus Nordrichtung das wachsende Meer von Pflastersteinen vor dem Schloss sehe, hoffe ich sehr, dass zu etwaigen Belangen des Naturschutzes auch eine angemessene Auswahl von Solitärbäumen gehört. In meiner Stadt murkst an seit 30 Jahren mit den teuersten ausländischen Bäumen herum. Das einzige, was wirklich ordentlich gedeiht (neben den nicht heimischen Platanen), sind Linden, die es bekanntlich durchaus gern etwas wärmer mögen. Bei soviel Wasser, das in Schloßnähe verfügbar ist, stellt sich auch die Frage nach Trockenschäden durch Klimaerwärmung nur bedingt. Bleiben also die Schäden an der Belaubung durch thermische Aufwinde vom Pflaster und Ozonbildung.

    Also bitte heimisches Solitärgrün, damit die Vögel und Insekten nicht nur eine Granitwüste vorfinden. Und sich der Flaneur im Sommer auch mal etwas in den Schatten stellen (oder gar setzen!) kann.

    Aber nach den Grabenkämpfen um Neptunbrunnen, Rossebändiger, Schloßterrasse usw. muss man ja auch bei diesem Thema mit dem Schlimmsten rechnen….

  2. Mir ist ja immer noch nicht klar, warum eine Wippe die Einheit verdeutlicht…..
    Vor dem Parlament, als Symbol der Balance der Macht, würde sie viel besser passen

  3. Antwort für Robinson: Vor den Reichstag. Recht hat er. Warum das Teil auf das alte Kaiser-Wilhelm-Denkmal vor das Schloss soll, erschließt sich mir nicht.

  4. Ein Einheitsdenkmal wurde gefordert und viel Zeit ging ins Land für eine Idee die keiner umzusetzen vermochte. Eine Ausschreibung sollte es richten und so entstand die wundervolle Idee einer überdimensonierten begehbarer Schale.
    Wohl eine Art Rettungsboot für Einheitsdenkmal im Herzen der Stadt.
    Wäre es nicht naheliegender gewesen, eine Stück Mauer am Brandenburger Tor mit den jubelnden Menschen oben drauf aus Naturstein zu bauen ,die mit Einer Flasche Sekt auf die Einheit abstossen?
    Ja gut, das kommt jetzt von einem, der nichts zu sagen hat, da uns ja auch keiner gefragt hat

  5. Hallo, schlaft nicht wieder! Die für diese Denkmäler verantwortlichen Politiker wie Thierse (SPD), Süssmuth (CDU) u.a. planen schon längst das nächste Denkmal (zum Gedenken an Polen). Für diese ihre Bauten haben sie auch die neue Flächeneinheit „Fußballfeld´´ erfunden, wie auch für ihren BND-Mammutbau. Die Größe dieser Bauten messen sie stolz in so-und-so vielen Fußballfeldern.

  6. Die Wippe ist ein typisches Elitenprojekt, das namentlich keiner will, der noch über Geschichtsbewußtsein und ästhetisches Empfinden verfügt. Die übergroße Mehrheit der Bevölkerung lehnt es ab. Es wird trotzdem gebaut. Ähnlich steht es mit dem Polendenkmal, das schon ein Fall von grober Geschichtsklitterung wäre. Auch die Betonhalde, die angeblich dem Andenken an die ermordeten Juden gewidmet ist, stieß in der Öffentlichkeit auf Unverständnis und Ablehnung. Selbst Bundeskanzler Kohl und Rudolf Augstein, ansonsten zwei Antipoden, wünschten sich ein würdigeres Denkmal. Die Betonhalde wurde trotzdem eingerichtet. Thierse u. a. nennen das „parlamentarische Demokratie“. Aber eine reine Parlamentsherrschaft hat mit dem ursprünglichen Begriff von Demokratie wenig zu tun. Deshalb war England auch niemals die erste Demokratie der Neuzeit, sondern lediglich das erste parlamentarische System, das vom Adel und der bürgerlichen Oberschicht getragen und genutzt wurde. Unser System gleicht einer „Demokratur“, die die Herrschaft des gesellschaftlich abgehobenen politisch-medialen Komplexes sichert und scheinlegitimiert. Aber darin unterscheidet sich Deutschland nicht prinzipiell von des allermeisten politischen Systemen dieser Erde. Mich wundert nur immer wieder, wie unverfroren deutsche Journalisten über demokratische Defizite in anderen Ländern herziehen, ohne den Balken im eigenen Auge zu bemerken.

    1. ..und natürlich auf keinen Fall gegenständlich. Das wäre ja zu altbacken 😉
      Ich persönlich bin der Gegenwartskunst nicht abgeneigt, das Holocaustdenkmal hat mich persönlich berührt und zum Innehalten angeregt. Natürlich wären auch andere Formen des Erinnerns denkbar.
      Beim Schloß fragt man sich einfach, warum man so instinktlos irgendetwas in die Landschaft stellt.

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