„Lederer ist gegen freien Eintritt ins Humboldt Forum“

17.04.2019  Berliner Morgenpost

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer stellt sich am Mittwoch klar gegen die Pläne von Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Von Peter Zander

Einen pauschalen freien Eintritt ins Humboldt Forum auf dem Schlossplatz in den ersten drei Jahren wird es nicht geben. Das verkündete der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) am Mittwoch in Berlin.

Lederer widersprach damit offen den Plänen von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). „Da gibt es nichts zu verhandeln. Berlin hat sich dazu bereit erklärt, freien Eintritt zu gewähren“, hatte Hagen Philipp Wolf, Grütters’ Pressesprecher, erst vor zwei Tagen auf Nachfrage der Morgenpost noch einmal bekräftigt. Über Wolfs Aussage zeigte Lederer sich verwundert: Sie sei mit seinem Hause nicht abgesprochen gewesen.

Ein freier Eintritt sei zwar zwischen Bund und Berlin diskutiert worden, und „wir wollen da auch kein Spielverderber“ sein, versicherte Lederer. Allerdings sollte der Bund der Stadt dafür in anderen Bereichen finanziell entgegenkommen. Dem aber hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) bereits vor vier Wochen eine klare Absage erteilt.

Lederer favorisiert einen eintrittsfreien Tag pro Monat für alle Museen

Der Kultursenator favorisiert keine Bevorzugung des Humboldt Forums. Ihm schwebt vielmehr ein eintrittsfreier Sonntag im Monat für alle Berliner Museen vor, „verbunden mit Vermittlungsangeboten für unterrepräsentierte Gruppen“. Dies komme dann auch eher den Berliner Bürgern zugute und nicht vornehmlich Besuchern aus aller Welt, die für das Humboldt Forum erwartet werden. Es gibt da offensichtlich noch reichlich Klärungsbedarf zwischen dem Bund und Berlin. Die Gräben scheinen aber tief.

Es gilt, die Kultur in ihrer Breite zu sichern

Aber dem Senator geht es nicht nur um die Elfenbeintürme der Kultur, auf die alle schauen. Es ist ein zentrales Anliegen des 45-Jährigen, das wird er nicht müde zu betonen, die Kultur in der Stadt breit aufzustellen und abzusichern, bis in die Kieze hinein. Er wolle auch nicht Hochkultur und Freie Szenen gegeneinander ausspielen: „Das geht nur miteinander.“

Lederer hat es unter anderem erreicht, dass die Mittel für Kulturinstitutionen massiv erhöht wurden, um Tarifsteigerungen zu finanzieren, die dann nicht zulasten der künstlerischen Etats gehen. Die Mittel für die kulturelle Bildung wurden deutlich erhöht, der Bezirkskulturfonds sogar verdoppelt und Mittel für die Freie Szene um 20 Millionen Euro aufgestockt. Mit der Einrichtung eines Festivalfonds hat man auf Dauer die Zukunft kleinerer Festivals wie die Fête de la Musique gesichert, die bislang Jahr für Jahr um ihre Existenz bangen mussten.

Mit dem Radialsystem V habe man einen bedeutenden Kulturstandort für die Freie Szene gekauft, in der ehemaligen Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch entsteht derzeit das größte Produktions- und Probenzentrum der Stadt für freie Theatergruppen. Auch die Alte Münze, die derzeit in Mitte saniert wird, soll zum Kulturstandort ausgebaut werden. Und die Zukunft des Theaters am Kurfürstendamm konnte ebenfalls gesichert werden. „Nichts davon stürzt die Welt um“, sagt Lederer in der ihm eigenen, flapsigen Art, aber den betroffenen Institutionen helfe das sehr.

Bei einigen Brocken muss noch gekämpft werden

Dann gebe es freilich auch noch „Brocken, bei denen wir zu kämpfen haben“. Etwa was die Suche und Sicherung von Atelierräumen für Bildende Künstler angeht. Um Kulturräume zu finden, habe man Strukturen erst mal aufbauen müssen, die noch gar nicht existiert haben.

Vor dem Haus der Senatsverwaltung für Kultur und Europa standen denn auch Vertreter der Aktionsgruppe Bildender KünstlerInnen, die eine schnelle Abhilfe von Lederer forderten. Diese Forderung kann der Senator verstehen. Aber eine kurzfristige Lösung könne es nicht gehen.

Debatten um Barenboim und die Knabe-Nachfolge

So naturgemäß, wie eine solche Senatorenbilanz positiv ausfallen muss, so naturgemäß kommen im Anschluss natürlich Fragen, die Lederer dabei bewusst ausgeklammert hat. Etwa was die künftige Leitung der Volksbühne betrifft. Oder wer die Nachfolge von Hubertus Knabe in der Gedenkstätte Hohenschönhausen antreten soll. Personelle Entscheidungen soll es bis zum Sommer geben. Er lächele bewusst in sich hinein, so der Senator, wenn er höre, der Lederer sei da zu zögerlich. Er führe aber Verhandlungen im geschützten Raum, will dabei keinerlei Spekulationen befeuern und schon gar nicht Kandidaten verbrennen. „Das“, so der Mann, der wie stets im schwarzen Anzug und schwarzen T-Shirt auftritt, „ist nicht mein Stil.“

Ähnliches gelte auch bei der Frage, ob der Vertrag von Staatsopern-Chef Daniel Barenboim nach der kürzlich aufgebrandeten Kritik an seinem autoritären Führungsstil nach 2022 noch einmal verlängert werde. Auch da würde er intern intensive Gespräche führen, vor allem mit den Musikern, die mit Barenboim zusammenarbeiten. „Ich will selber ein Gefühl für das Thema“, sagt Lederer, „will da ein direktes Empfinden haben.“ Aber auch das wird im geschützten Raum und nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen.

 

Quelle: Berliner Morgenpost, 17.04.2019

 

 

2 Kommentare zu “„Lederer ist gegen freien Eintritt ins Humboldt Forum“

  1. da muss ich Lederer mal rechtgeben. Freien Eintritt kann sich Berlin nicht leisten. Touristen und interessierte Berliner, die das Humboldtforum besuchen wollen, zahle auch gerne moderate Einrittspreise.

  2. Auch ich stimme Herrn Lederer zu. Moderate Eintrittspreise sind zur (Teil-)kostendeckung des Museumsbetriebes auf jeden Fall gerechtfertigt.

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