„Kommentar: Wach auf, Humboldt-Forum!“

15.06.2020  Berliner Zeitung

Schlüter- und Eosanderhof sind fertig. Orte für Debatten und Vorträge, die in diesen Zeiten nötig wären. Die Themen liegen auf der Straße. Worauf warten die Veranstalter? 

Von Nikolaus Bernau

Man kann nicht sagen, dass um das Humboldt-Forum zu wenig gestritten würde. Trotzdem ist es bisher politisch bemerkenswert sprachlos geblieben. Die kleinen Vorbereitungsausstellungen etwa zum Klimaschutz oder zum Kulturgutraub in Kolonialzeiten waren bestenfalls Appetizer. Und jene über die Kinderrechte war regelrecht peinlich.

Doch konnte all das darauf zurückgeführt werden, dass es kein eigenes Haus gab. Diese Ausflucht gibt es jetzt nicht mehr. Zwar brauchen der Innenausbau des Humboldt Forums und der Aufbau der Ausstellungen noch einige Zeit, deshalb wurde die Eröffnung wieder einmal verschoben. Aber der offene Schlüterhof und der überdachte Eosanderhof könnten ohne Weiteres bereits für Debatten, Vorträge und spannende Veranstaltungen genutzt werden. Die Fachleute lechzen doch geradezu danach, ihre Erfahrungen in Zeiten des grassierenden Nationalismus, von Covid-19 und Fake News ihre Forschungen einem breiten Publikum vorzustellen. Greift zu, HUF-Planer!

Was gäbe es da nicht alles für Themen: Die katastrophalen Folgen der Politik des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro für indigene Völker im Amazonasgebiet; die Machtpolitik Chinas, das nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern auch die in Hongkong und Taiwan unterdrücken will; Donald Trumps Versuche, die Amerikaner in den Bürgerkrieg zu hetzen; die Identitäten Europas jenseits der Wirtschaft; die Frage, welche Bedeutung Kunst- und Architekturformen überhaupt noch haben, wenn christliche Kreuze und eindeutig anti-jüdische Inschriften ohne alle politische Bedenken über einem Weltkulturenzentrum Humboldt Forum nachgebaut werden. Oder: Warum wird das Humboldt Forum eigentlich ausschließlich von weißen, weit überwiegend männlichen deutschen Akademikern geleitet?

Oder wie wäre es mit diesem Thema, das zu den nachgebauten Schlossfassaden passt: eine Debatte über die aktuellen Entschädigungsforderungen der Hohenzollern-Familie. Das gegebene Datum wäre der 23. Juni. Das ist der 100. Jahrestag der Aufhebung der Adelsprivilegien in Preußen. Der logische Ort wäre der Schlüterhof, eine große, gebaute, barocke Machtdemonstration der Hohenzollern. Und die erste Frage wäre: Warum soll eigentlich diese tief in die Nazizeit verstrickte Familie für ihre Verluste nach dem Zweiten Weltkrieg entschädigt werden, nicht aber diejenigen, die einst im Auftrag der Hohenzollern-Kaiser in Afrika, China oder auf den Inseln Papua-Neuguineas unterjocht, ausgebeutet und getötet wurden? Der Schlüter-Hof dürfte voll werden – selbstverständlich mit Abstand und mit Maske.

 

Textquelle: Berliner Zeitung, 15.06.2020

Foto: Förderverein Berliner Schloss e.V.

 

 

26 Kommentare zu “„Kommentar: Wach auf, Humboldt-Forum!“

  1. Kaum noch etwas. Er reiht sich nur in den Chor derer ein, denen die Rekonstruktion des Schlosses Schon immer ein Dorn im Auge war. Nun kramt er andere Argumente aus seiner schon etwas löchrigen Tasche, um Intendanten des Forums unter Druck zu setzten. Nur, um später verkünden zu dürfen: Ich hab‘s doch gesagt!
    Wie armselig.

  2. Ich fordere diesen Herrn Bernau auf, die Beseitigung von Karl Marx Denkmälern und Strassennamen zu fordern! Marx war bekanntlich ein Antisemit und Rassist der übelsten Sorte.
    Aber wahrscheinlich stört das den Herrn Bernau nicht.

    1. Natürlich stören diese Denkmäler Hr. Bernau nicht im Geringsten. Schliesslich ist die “ Berliner Zeitung“ eine ostberliner Zeitung mit dem entsprechenden Gedankengut geblieben.

    2. An Frank Weissenseer: Jede Kritik an Herrn Bernau ist willkommen, nur keine, die wie ein Furz nach hinten losgeht: Karl Marx war Jude, wie eigentlich jeder weiß, und deshalb schwerlich ein Antsemit und Rassist!

      1. Ich empfehle den Artikel von Wolfram Weimer auf NTV und andere. Google ist da sehr hilfreich.
        Wenn jemand als Jude geboren wurde heisst das noch lange nicht, daas er nicht auch antijudäisch und rassistisch sein kann!

        1. Ein Zitat über Ferdinand Lasalle: „Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seiner Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen. Nun, diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen. Die Zudringlichkeit des Burschen ist auch niggerhaft.“ Rasseantisemitismus und Rassismus aus Marxens Munde. Es gibt noch mehr, aber das sollte erst einmal reichen. Daß man zu einer Gruppe gehören, diese aber dennoch haßerfüllt diffamieren kann, beweisen die antideutschen Linksextremisten hierzulande jeden Tag.

          1. Dies schrieb Marx 1862, nachdem Lasalle Marx in London besucht hatte (zit. nach Wolfgang Weimer, ntv.de, 16.6.2020

    1. Oh Mann, da hat jemand gar nichts verstanden!
      Es ist schade, wenn vom menschliche Geist nur noch ideologische Phrasen übrig bleiben.

  3. Die von Herrn Bernau vorgeschlagenen Themen (Antijudaismus, religiöse Intoleranz, die Vormachtstellung des weißen Mannes) sind überaus diskussionwürdig und lassen sich präzisieren: die sich von den Konzentrationslagern Nordkoreas über die Gefängnisse Saudi Arabiens bis nach Schwarzafrika erstreckenden Christenverfolgungen, der Israelhass vieler linker Gruppierungen oder die vielen Fake News, die über Jahrzehnte, gerade auch von Leuten wie Herrn Bernau über das Berliner Schloss verbreitet wurden (etwa, dass es am Berliner Schoss antijüdische Inschriften gebe). Und dann die vielen weißen männlichen Kommentatoren in den deutschen Redaktionsstuben wie Herr Bernau selbst …

    1. Danke! Hätten Sie die Möglichkeit, diesen Kommentar direkt an die Berliner Zeitung zu schicken? Die richtigen Leute sollten ihn lesen…

  4. Also nun mal ein bisschen Maßhalten, verehrter Herr Bernau! Sie hat wohl der Teufel geritten, wie man zu sagen pflegte. Alles um Sie herum finden Sie widerlich, nazistisch, rassistisch usw. Suchen Sie einen Job in der Berliner Regierung oder bei Herrn Senator Dr. Lederer? Sie könnten sich direkt an die Stellen wenden, statt hier Ihren Frust los zu lassen.

  5. Das einzig positive , das ich diesem Kommentar abgewinnen kann, ist die Übung, diesen geistigen Eintopf aushalten zu müssen.
    Schließlich hat jeder das Recht auf seine Meinung.
    Gut so!
    Leider ist dieser geistige Eintopf am Ende Müll.

    Gruß aus Berlin.

  6. Es tut mir Leid, aber die Republik ist ziemlich müde von den unendlichen Debatten über Nicht-Themen. Deutschland braucht weniger Debatten und mehr Machen! Statt sich über Quatsch aufzuregen, z. B. fiktive Probleme wie „Kulturraubgüter“ und „Disneyland-Architektur“, sollen wir gemeinsam die Digitalisierung vorantreiben. Wenn die millionen Killerdronen vom Feinde über unsere Städte ziehen und zehntausende Bürger töten, wird keiner an irgendwelches Kreuz oder geklaute Tonscherbe oder sonst was irrelevantes denken. Hören Sie auf mit dem Scheiß. Wir haben wenig Zeit, um uns mit dem wahren Themen zu beschäftigen!

  7. Auch Redakteure stehen heutzutage unter erheblichem Streß, müssen sie sich doch täglich Artikel für Artikel abringen. Da war es vermutlich nur vorteilhaft, daß Genosse Bernau auf das reichhaltige Archiv SED-Zeitung vor der Wende zurückgreifen und schnell aus bewährten Versatzstücken einen leicht modernisierten Artikel nach alter Art zustande bringen konnte. Kennzeichend: Es gibt in dem Artikel so gut wie keinen Satz in sachlicher Sprache, alles ist schlichteste Schwarzweißmalerei, Diskussion und Erkenntnisfortschritt werden garnicht erst anstrebt. SED eben.

  8. Mir fehlt ein bisschen das Verständnis dafür, wie aggressiv der Artikel Herrn Bernaus hier zerrissen wird. Natürlich scheint zwischen den Zeilen durch, dass er in tiefstem Herzen ein Schlossgegner ist – soll er doch; seine Meinung sei ihm nicht genommen. Abgesehen von der zugegebenermaßen abgedroschenen Leier bezüglich des Kreuzes, das nun mal zur Reko dazu gehört und der unbewiesenen antijüdischen Inschrift, kann ich aber nicht erkennen, dass die von ihm genannten Diskussionsthemen nicht wichtig oder nicht aktuell wären.
    > Die Fragen um Kulturgutraub und Kolonialbesitz sind ein Dauerbrenner bei der Stiftung preußischer Kulturbesitz und durchaus diskussionswürdig. Wir regen uns ja auch regelmäßig über unsere in der Ermitage schlummernden Kulturgüter auf und wollen sie zurück; die Namibier und andere haben natürlich das gleiche Recht sich zu ärgern.
    > Die Vernichtung des Regenwaldes geht uns alle an, wenn wir die Lebensqualität unserer Kinder und Enkel erhalten wollen.
    > Die Diskussion um Demokratie und Menschenrechte ist staatstragend und das in bestem republikanischen Verständnis. Hätten dieses Diskussionen nicht 200 Jahre lang immer wieder stattgefunden, wären wir heute nicht dort wo wir heute stehen (und wir stehen gut).
    > Die Forderungen der Hohenzollern rühren am Selbstverständnis unserer Republik und dem eines jeden Steuerzahlers. Jeder Kulturfreund sollte sich dem entgegenstellen.
    Alles in allem sind das sehr wichtige zeitgeschichtliche Themen, die uns alle beschäftigen sollten. Natürlich könnte man die Liste um Themen erweitern, die Herr Bernauer nicht auf dem Schirm hat (oder uninteressant findet), wie einer meiner Vorschreiber schon anmerkte.
    Ich bin selbst ein großes Befürworter der Berliner Schlossrekonstruktion, muss mich aber über die Aggression anderer Schlossfreunde hier schon sehr wundern.

  9. Herrn Reinhold,
    Sie wundern sich über die „Aggression“ mancher Schlossfreunde hier, ich nicht, oder besser gesagt, die sehe ich nicht.
    Daß Herr Bernau Schlossgegner ist, sei ihm unbelassen. Daß er aber bei jeder Gelegenheit aggressiv gegen das Schloss schreibt, ja, daß einem sein Hass auf Deutschland aus seinen Zeilen förmlich entgegen springt, ist für mich nicht akzeptabel! Ich jedenfalls sehe bei ihm keinerlei Toleranz! Ihm geht es vorherrschend nur darum alles was früher war schlecht zu machen. Egal ob es um Baustile früherer Epochen oder um Geschichtliches geht. Alles sieht er negativ, da kann man schon seine Schlüsse ziehen!
    Zu den Forderungen der Hohenzollern. Ganz so einfach ist die Sache nicht. Meiner Ansicht nach sollte sehr wohl darüber vorurteilsfrei neu verhandelt werden. Die Rechtslage ist nicht ganz eindeutig.
    Zur Provinienzforschung von Stücken aus früherem Kolonialbesitz, die ist doch schon seit längerem Thema. Fragt sich nur wo manche Kulturgüter heute wären wenn sie nicht von Forschern und Entdeckern gerettet worden wären. Vieles wäre für immer vernichtet oder für Geld in dunklen Kanälen verschwunden. Daß darüber geredet werden sollte ist ja unstrittig! Ich frage mich nur ob andere Länder ihre kolonialen Kulturgüter in politisch unsichere Länder zurückgeben werden. Aus England wurde zu dieser Frage schon angemerkt, daß diese in den dafür geeigneten Museen in England am besten aufgehoben sind. Auch Russland denkt nicht daran geraubte deutsche Kulturgüter zurück zugeben. Vorauseilenden Gehorsam in dieser Frage sollte Deutschland unterlassen!
    Und zur Frage von Herrn Bernau, warum das Humboldt-Forum „ ausschließlich von weit überwiegend männlichen weißen deutschen Akademikern geleitet wird.“ da kann ich nur den Kopf schütteln, die Höflichkeit verbietet es mir deutlicher zu werden!

  10. Herr Reinhold hat offenbar nicht mitbekommen, daß Bernaus Artikel lauter Stuß enthält. Da Herr Koch das schon hinlänglich dargestellt hat, möchte ich mich auf ein paar Zitate beschränken: „Donald Trumps Versuche, die Amerikaner in den Bürgerkrieg zu hetzen“; „christliche Kreuze und eindeutig anti-jüdische Inschriften ohne alle politische Bedenken“, „eine große, gebaute, barocke Machtdemonstration der Hohenzollern“, „diese tief in die Nazizeit verstrickte Familie“, „die einst im Auftrag der Hohenzollern-Kaiser in Afrika, China oder auf den Inseln Papua-Neuguineas unterjocht, ausgebeutet und getötet wurden“. Können Sie mir erklären, werter Herr Reinhold, wie ein einzelner Mensch in einen einzigen Artikel eine soclche Menge Blödsinn packen kann? Und dabei habe ich die „weißen Männer“ noch nicht einmal berücksichtigt. Wieso glaubt jemand, es reiche, einfach Namen wie „Bolsonaro“, „Trump“, „Hohenzollern“ in die Gegend werfen zu sollen, und damit sei alles gesagt? Meint er, daß seine Leser schon das gleiche schlichte Weltbild hätten wie er selbst? Eine Zeitung ist doch kein roter Stammtisch.

  11. Die Bräsigkeit des Artikels ist schwer in Worte zu fassen. Den Hohenzollern wurde in der Weimarer Republik ein Staatsvertrag gegeben. Diese Vermögenswerte wurden im Stalinismus enteignet respektive ruhen gelassen. Die polemische Debatte nun bezieht sich auf ein Gesetz der Nachwendezeit, nach dem auf Restitution verzichtet werden darf bei Enteignungen von Nazis im Stalinismus, das aber im vorliegenden Fall gar nicht und auch „nicht mehr“ anwendbar ist. Es ist davon auszugehen, dass die Verträge aus Weimere Zeit Bestand haben, etwa bzgl der Dauerleihgaben aus Monbijou. Die unsägliche Polemik aus der Kulturetage brauchen wir nicht im Stadtschloss. Das können wir Gerichten überlassen.

  12. Anfangs fängt sein Kommentar harmlos, ja fast zustimmungsfähig an. Aber dann ist es schon erstaunlich, wen und was alles Nikolaus Bernau an mehr oder weniger unpassenden Beispielen bemüht, um seine persönliche Abscheu gegenüber dem teilrekonstruierten Berliner Schloss als Bauwerk und dem Humboldt-Forum als Kulturzentrum zum Ausdruck zu bringen. Er lässt wieder einmal christliche Kreuze, eindeutig anti-jüdische Inschriften (?), die Preußen und die Hohenzollern, deren weltweite Kolonialgeschichte und sogar aktuelle Entschädigungsforderungen als Beweise seiner Ablehnung auffahren. Sogar die Aufhebung von Adelsprivilegien und den Schlüterhof als „barocke Machtdemonstration der Hohenzollern“ müssen herhalten, um das Städtebauprojekt wenn nicht mehr zu verhindern, so wenigstens noch zu beschädigen. Den kuriosen I-Punkt setzt er mit einem Frontalangriff auf die „weißen, weit überwiegend männlichen deutschen Akademiker“, die das Humboldt-Forum leiten. Welch eine verkorkste, bunte Sammlung an zusammengewürfelten, feindschaftlichen Emotionen. Da lob ich mir den Bezirksbürgermeister von Dassel. Der sagt einfach, offen und ehrlich, er findet den Schlossbau „grausig“. Er hat keine Scheu, damit zuzugeben, dass er von Kunst- und Architekturgeschichte nichts versteht und dass er die wiedergewonnene städtebauliche Ästhetik in Berlin Mitte nicht einmal wahrnimmt.

  13. Leidet der Mensch unter einer Psychose oder Verfolgungswahn? Wieviel Frust muss ein Mensch haben, jahrelang gegen ein einziges Projekt zu wettern… Ab zum Psychologen!

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