„Bauarbeit am Berliner Schloss: Kuppel mit Kreuz“

25.01.2020  Frankfurter Allgemeine

Die Bauarbeiten am rekonstruierten Berliner Schloss sind in vollem Gang. Im September soll das Berliner Humboldt Forum eröffnen. Und schon im Mai soll das Kreuz auf die Kuppel des Baus kommen. Daran hatte es Kritik gegeben.

Die historische Rekonstruktion der Kuppel auf dem Berliner Stadtschloss soll voraussichtlich bis Mai abgeschlossen sein. Neben der Kupfereindeckung und der sogenannten Laterne gehöre dazu auch das Kuppelkreuz, sagte der Sprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Bernhard Wolter. Zur Kuppelfertigstellung seien begleitend öffentliche Diskursveranstaltungen geplant. Termine stehen noch nicht fest.

Das Kuppelkreuz habe von Anfang an zu den Planungen der Architekten gehört, sagte Wolter. Die vollständige historische Rekonstruktion der Kuppel soll aus Spenden bezahlt werden, die bereits erfolgreich eingeworben worden seien.

Nach Kritik an den Plänen, auch das Kuppelkreuz wieder zu errichten, hatte der Stiftungsrat im Juni 2017 sein Vorhaben der vollständigen historischen Rekonstruktion der Kuppel bekräftigt. Das inzwischen rund 644 Millionen Euro teure Humboldt Forum im wiederaufgebauten Stadtschloss soll in diesem Jahr eröffnet werden.Auch das historische Stadtschloss wurde von einem Kreuz gekrönt.

Kritik an den Plänen für das Kreuz hatte seinerzeit die Berliner Stiftung Zukunft ausgelöst. Sie sah eine Gefahr für den Dialog der Kulturen und Religionen. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch beklagte damals, „dass im Laufe der Debatte Aussagen aus einer nicht-christlichen Haltung immer mehr zu anti-christlichen Stellungnahmen wurden“. Der Berliner Landesbischof Christian Stäblein bekräftigte diese Woche, bei dem Kreuz gehe es nicht um ein „Symbol des Triumphs“. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erwartet auch keine weiteren Auseinandersetzungen mehr darüber, sagte er nach einer gemeinsamen Sitzung mit der Leitung der evangelischen Landeskirche.

Das Humboldt Forum wird nach weitgehend historischem Vorbild am Ort des früheren Berliner Schlosses errichtet. Das Barockschloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1950/1951 abgerissen. In der DDR stand dort der Palast der Republik, der zwischen 2006 und 2008 abgerissen wurde. 2002 hatte der Bundestag den Wiederaufbau des Schlosses als Humboldt Forum beschlossen.

 

Quelle: Frankfurter Allgemeine, 25.01.2020

 

13 Kommentare zu “„Bauarbeit am Berliner Schloss: Kuppel mit Kreuz“

  1. Wann hält dieses Gekwatsche, ob man andere Religionen hiermit beleidigen würde man auf. Interessiert die ob wir uns beleidigt fühlen über deren Kultur?

  2. Zur Diskussion um das Kuppelkreuz möchte ich einen Kommentar vom 16.08.2019 von Herrn Peter Stephan hervorholen. Besser kann man diese unsäglichen, völlig haltlosen Argumente der Kuppelgegner nicht zerpfücken! Ich hoffe, daß ich damit keine Regeln verletzte!

    Peter Stephan sagt:

    16. August 2019 um 23:18 Uhr

    Nicht wieder die alte Leier mit dem Kreuz, das wurde nun hinlänglich diskutiert! Die Kuppel wurde von Friedrich Wilhelm IV. als Schlosskapelle errichtet, darauf nimmt die ganze Ikonographie Bezug: die den Tambour umstehenden Prophetenfiguren, die Friesinschrift mit den Bibelzitaten, die Engel und die Palmzweige, aus denen die Laterne gebildet ist und eben das Kreuz. Der heutige Vulgäratheismus, der aus dogmatischen Gründen nicht einmal Kreuze in ihrem ursprünglichen historischen Kontext dulden kann, zeugt von einem ebenso großem Mangel an Toleranz, geistiger Größe und Großzügigkeit wie der Furor der Bilderstürmer früherer Jahrhunderte.

  3. Having a cross on the roof never stopped Willhelm II from slaughtering half the young men of Europe. It’s much better to view it as an expression of the transitory nature of Imperial power, rather than of any overt Christian notions in the building, and a convenient place for passing birds to sit and crap.

    1. Lieber Paul du Pont:
      die unglückseligen Ursachen, Verlauf und die vielen Todesopfer des I. Weltkrieges nur einem die Jugend Europas hinschlachtenden Wilhelm II zuzuschieben entspricht der veralteten Kriegspropaganda, ist völlig inkorrekt und entspricht überhaupt nicht mehr den modernen internationalen Geschichtswissenschaften und den Meinungen fast aller Historiker (auch wenn W II sicher ein eitler und in der Politik überforderter Kaiser war).
      Das Kreuz über der 1850 gebauten Schlosskapelle war nicht Ausdruck imperialer Macht, sondern stellte die von Gott gegebene Verantwortlichkeit des Königs (Friedrich Wilh. IV) gegenüber den Menschen dar, war also ein Ausdruck der christlichen Selbstverpflichtung.

      Im übrigen gönne ich natürlich den Vögeln einen Ruheplatz. Ich empfehle Ihnen, Ihr Geschichtsbild zu überprüfen. Gruß Arn Praetorius

  4. Perhaps the city government could trade the Cross to the Kremlin, in exchange for one of their remaining red stars. The Russians are throwing crosses on everything, now.

  5. Wenn schon ein Kreuz drauf war, gehört da auch eines hin. Das wäre ja genau so, als wolle man auf dem Neumarkt, als die Frauenkirche dort noch in Trümmern lag, diese abtragen und dort eine Tanzschule einrichten. Gemeint ist Dresden und die von mir genannten Pläne soll es so tatsächlich gegeben haben. Also bitte: Das Kreuz muss rauf auf die Laterne. Basta!

  6. …was werden die Kreuzgegner erst toben, wenn sie sehen, dass neben dem Kreuz auch noch die biblische Inschrift rekonstruiert worden ist….“dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind…“.
    Auf die Gesichter freue ich mich jetzt schon! :o)

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