Ein neues Stück Berlin geht an den Start

Der Bau ist fertig und das Humboldt Forum startbereit. Dies teilte die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss heute im Rahmen eines Pressetermins mit. Erste Ausstel­lungen und Programmangebote sind vorbereitet. Auch wenn das Humboldt Forum coronabedingt noch nicht öffnen kann, gibt es heute um 19 Uhr digital erste Einblicke.

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Das Humboldt Forum ist fertig gestellt – alle wesentlichen Baumaß­nahmen sind erfolgreich abgeschlossen, und das Haus wurde zur Nutzung an den kulturellen Betrieb übergeben. In dem heutigen Pressetermin sagte Hans-Dieter Hegner, Vorstand Technik der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss: „Ich freue mich, dass wir die Baumaßnahmen trotz der Einschränkungen der Corona-Pandemie noch 2020 beenden konnten. Ich bedanke mich beim Architekten Franco Stella und seinem Team, allen Planerinnen und Planern, dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung für das Baumanagement sowie den vielen beteiligten Firmen, die alles unternommen haben, um ein außergewöhnliches Gebäude qualitätsgerecht zu errichten und am Ende alle notwendigen Prüfungen für die komplexe Gebäudetechnik erfolgreich abzuschließen. Berlin gewinnt ein neues Wahrzeichen und einen wunderbaren Stadtraum.“

Portal V vom Schlüterhof im Dezember 2020

 

Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte: „Das Vermächtnis der Humboldt Brüder, sich die Welt mit eigenen Augen anzuschauen, dem Fremdem zu begegnen statt es abzuwehren und abzuwerten, ist heute aktueller denn je. Deshalb wollen wir dieses Vermächtnis mit dem Humboldt Forum mitten im Herzen der deutschen Hauptstadt mit neuem Leben füllen. Gerade für den Umgang mit Kulturgütern aus kolonialen Kontexten sollte das Humboldt Forum in Deutschland Maßstab und Vorbild sein. Auch wenn es zurzeit leider nur im virtuellen Raum möglich ist, wollen wir dem Publikum zeigen, was hier über Jahre entstanden ist. Denn so wie Alexander von Humboldts Expeditionen, so erforderte auch der Weg vom Bundestagsbeschluss für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses 2002 bis zur Fertigstellung einen langen Atem, unermüdlichen Einsatz, visionäre Kraft und auch ein Quäntchen Kühnheit. Dafür danke ich allen Beteiligten sehr, insbesondere den vielen Gewerken, die hier wahre Meisterwerke der Handwerks- und Bildhauerkunst geschaffen haben.“

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Nach dem von Bund und Ländern verlängerten Lockdown sowie den Beschlüssen des Berliner Senats kann das Haus nicht wie geplant am 17. Dezember 2020 mit seinen Ausstellungen und Programmen für das Publikum öffnen. Auch der Schlüterhof und die Passage müssen geschlossen bleiben. Stattdessen lädt das Humboldt Forum heute um 19 Uhr auf humboldtforum.org/erste-einblicke zu einer digitalen Preview ein: Das künstlerische Live-Format mit einer Vielfalt an Stimmen und Programm­beiträgen erweitert das Forum in den digitalen Raum.

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Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Das Humboldt Forum ergänzt die Museumslandschaft hier in der Berliner Mitte auf beeindruckende Weise, architektonisch wie auch inhaltlich. Die Sammlungen und Exponate sollen die Welt ins Zentrum der Hauptstadt bringen und gleichzeitig wird dieses Haus für Weltoffenheit im Geiste Humboldts und Berlins stehen. Das Humboldt Forum und die Schlossfassade haben große Symbolik für die Berlinerinnen und Berliner, 30 Jahre nach der Einheit. Das Gesicht Berlins bekommt jetzt eine neue und gleichzeitig historische Facette, das ist ein Geschenk an die Stadt. Ich möchte ausdrücklich allen Spenderinnen und Spendern danken, die dies möglich gemacht haben.“

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Generalintendant Hartmut Dorgerloh: „Ich bin sehr dankbar für diesen neuen Ort für Kultur und Wissenschaft mit seinen großartigen Möglichkeiten. Wir sind inhaltlich und programmatisch gut vorbereitet und startklar. Ab heute gehört das Humboldt Forum zu den vielen Kultureinrichtungen, die darauf hoffen, dass sie so bald als möglich und vertretbar ihre Gäste begrüßen können. Erst wenn wir die Portale dauerhaft und uneingeschränkt unserem Publikum öffnen, werden wir gemeinsam mit allen Akteuren ein lebendiger Ort der Begegnung und der Vielstimmigkeit werden können. Vorerst geben wir Einblicke in das Haus und haben eigens dafür ein künstlerisches Programm gestaltet – live gestreamt und online geführt.“

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Architektonisch nimmt das Humboldt Forum die barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses auf und verbindet sie mit modernen Stilelementen. In seiner Neuinterpretation bildet Architekt Franco Stella eine kontrastreiche Einheit. Mit dem öffentlichen Schlüterhof und der neu geschaffenen Passage, einem Fußgängerdurchgang quer durch das Gebäude, öffnet er das Humboldt Forum zu einem neuen lebendigen Stadtquartier.

Franco Stella: „Das Berliner Schloss war der stadtbaulich-architektonische Regisseur der Straße Unter den Linden und der Museuminsel. Mir ist wichtig, dass durch die Rekonstruktion seiner barocken Bauteile wieder die Beziehungen zwischen den prominentesten Bauten und Plätzen der Mitte Berlin erlebbar werden: Der einstige Stadtregisseur kommt als Lehrer der Stadtgeschichte zurück. Rekonstruierte und moderne Baukörper – mit je unverkennbarer Formensprache – verweisen auf den Ort mit seiner spannungsvollen Geschichte und fügen sich zu einem einheitlichen Gebäude mit vier immer offenen Portalen nach zwei inneren prächtigen Plätzen.“

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Die neuen Außenanlagen erschließen weitere Zugänge zur historischen Mitte Berlins. Sie wurden vom Land Berlin bzw. dem Treuhänderischen Entwicklungsträger, der DSK, im Rahmen der Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt Berlin Parlaments- und Regierungs­viertel gebaut. Der aus einem Wettbewerb hervorgegangene Siegerentwurf des Büros bbz Landschaftsarchitekten stellt die gestalterische Grundlage dar. So ist an der Ostseite ein neuer öffentlicher Stadtplatz an der Spree entstanden: Eine große Freitreppe sowie zwei 90 Meter lange Rampen verbinden den Uferweg an der Spree, die Spreeterrassen mit dem Spreebalkon oben vor dem Humboldt Forum. All dies, der Baumhain und die bereits fertiggestellte, mit breiten Mauern aus Naturstein eingefasste Terrasse, ist ab dem 17. Dezember 2020 zugänglich und zu erleben.

2002 hatte der Deutsche Bundestag den Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt Forum entschieden. Eine fraktionsübergreifende Mehrheit folgte der Empfehlung der internationalen Expertenkommission Historische Mitte Berlin für ein Museums-, Wissens- und Begegnungszentrum in der Kubatur und mit drei der barocken Außenfassaden des Berliner Schlosses. Den ersten Preis hatte der italienische Architekt Franco Stella 2008 gewonnen. 2013 erfolgte die Grundsteinlegung mit Bundespräsident Joachim Gauck.

Die für den Bau des Humboldt Forums aktuell budgetierten Kosten liegen bei 644 Mio. Euro, von denen der Bund 532 Mio. und das Land Berlin 32 Mio. Euro übernehmen. 80 Mio. Euro werden für die Rekonstruktion der barocken Fassaden ausschließlich durch Spenden privater Förder*innen finanziert. Bis zur endgültigen Fertigstellung und Abrechnung des Bauvorhabens wird gegenwärtig mit zusätzlichen pandemiebedingten 33 Mio. Euro gerechnet, sodass sich die Gesamtkosten für das Vorhaben auf 677 Mio. Euro addieren würden. Zusätzlich wurden für „bauliche Optionen“ (vollständige historische Rekonstruktion der Kuppel und der Innenportale 2,3 und 4 mit Durchgängen) etwa 20 Mio. Euro gespendet. Die Kosten umfassen den Bau, die gesamte Ausstellungsgestaltung der Dauerausstellungen sowie die komplette Ersteinrichtung aller Werkstätten und Büros.

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Quelle: Pressemitteilung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss vom 16.12.2020

 

13 Kommentare zu “Ein neues Stück Berlin geht an den Start

  1. Ich verneige mich vor dem Förderverein, der dies möglich gemacht hat und bedanke mich bei allen Spendern! Ein großer Tag für Berlin und Deutschland!

  2. Frau Grütters hat die richtigen Sätze der Würdigung gefunden für alle Beteiligten. Besonders die
    Bildhauer, Handwerker und Architekten. Natürlich darf man auch Herrn von Boddin gratulieren.
    Ausnahme: Herr Bgmstr. Müller, der es bis heute nicht geschafft hat, den Neptunsbrunnen an seinen
    alten Platz zurückzuversetzen.
    Das kommt davon , wenn man solche Leute wie Lüscher,Lompscher und Lederer in der Koalition hat,
    die von Berlins historischem Innenstadtbild sowenig Ahnung haben wie Ulbricht.

  3. Nach all den Auseinandersetzungen haben wir endlich unsere Mitte von Berlin, das Hohehzollerschloss , zurück. Es symbolisiert die erfolgreiche deutsche Geschichte und den Willen des Volkes an ihr festzuhalten. Besonderer Dank gilt Herrn von Bodin und allen Spendern für ihren unermüdlichen Einsatz über Jahrzehnte.

  4. Koennte vielleicht jemand der Stiftung Humboldt Forum mitteilen, dass die Spenden fuer die Fassaden (einschliesslich Kuppel) nicht 80 Mio sondern 105 Mio betrugen?

  5. Man stelle sich vor, die Nazis hätten den Krieg gewonnen und da, wo jetzt das von Ulbricht in die Luft gejagte Schloss steht, stünde heute die geplante Große Halle mit ihrer Riesenkuppel. Ich hätte das wohl nicht erlebt, wenn ich statt 1955 zwanzig Jahre eher geboren worden wäre. Grund: Auf Grund eines Engbeckens meiner Mutter wurde bei meiner Geburt der Kopf wie ein Papierballen zusammengedrückt. Das hatte zur Folge, dass ich das Sprechen nicht erlernen konnte und ich deshalb von Logopäden in Kinderheimen betreut wurde. Dort wurde geprügelt, dass die Schwarte krachte. Bei den Nazis wäre ich vermutlich nach Hadamar verbracht worden und hätte über die Gaskammer den Weg durchs Kamin genommen. OK, dass blieb mir erspart. Aber die Nazis hätten das Schloss unter der genannten Halle verschwinden lassen.
    Jetzt bleibt nur zu sagen, dass ich mich darüber freue, dass ich das neue Schloss noch erleben darf. Genau so, wie mir das mit der Frauenkirche in Dresden widerfahren ist. 2009 habe ich eine Turmbesteigung dort mitgemacht.

    1. Sehr geehrter Herr Lauck, man hat Ihnen wahrscheinlich bereits mitgeteilt, das die „Große Halle des Volkes“ im rechten Winkel zum Reichstag an der Spree geplant war. Die Museumsinsel und das Schloß sollten erhalten bleiben. Mit freundlichen Grüßen, M. Seehagen

  6. Es ist wunderbar, das Gebäude erstmalig ohne Bauzäune in den Wecams zu sehen und ich freue mich, im Frühjahr diese Forum besuchen zu können. Gratulation an alle beteiligten Planer und Handwerker!!!!! Nur die Südseite erinnert doch an den ehemaligen Aufmarschplatz der SED. Dieses als „Aussenanlagen“ zu bezeichnen zeigt das kulturlose Denken der Berliner Bauverwaltung. Es bleibt abzuwarten ob die Security das Duell mit den bestimmt schon lauernden „Graffitykünstlern“ gewinnt. Alles andere wäre tragisch!

  7. Ein Stück altes Berlin ist mit der Errichtung des Humboldforums neu entstanden und eine tiefe Wunde im Stadtbild geschlossen worden. Dafür sollten die Berliner den vielen Beteiligten Fachleuten dankbar sein. Das ewige Gemeckere von Journalisten an dem Bau, die Abwertung durch abgeblitzte Architekten finde ich unangemessen angesichts dessen was an Schießschartenarchitektur und Betonmonster seit 1990 in Berlin entstanden ist, mit Unterstützung von Frau Lüscher und anderen.

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