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Wilhelm von Boddien
Erich-Delattre, Markus, 38
schrieb am 7. März 2006 um 23:17
Den Beitrag von Herrn Kulish habe ich - als Tagesspiegel-Leser - aufmerksam gelesen und erlaube mir folgende Anmerkung:Die Verbrechen der deutschen Nationalsozialisten führten auch zur Zerstörung der kulturellen Vielfalt in der historischen Mitte von Berlin. Nach 1945 hat die SED-Regierung aus ideologischen Gründen die Geschichte der Orte - auch die Geschichte der von den Nationalsozialisten ermordeten Bürgerinnen und Bürgern Berlins - beim Wiederaufbau bewusst - und wie im Falle des Berliner Stadtschlosses gewaltsam - ignoriert (diese Geschichtslosigkeit beim Wiederaufbau war auch im Westen zu beobachten). Die Gebäude der so genannten DDR-Moderne sind von "herausragender Hässlichkeit" (Kulish in der New York Times). Warum möchte ich Herrn Kulish fragen soll Berlin in seinem historischen Zentrum die Zeit der baulichen Extreme konservieren und eine Art DDR-Diktatur-Park einrichten ? Bedeutsame Gebäude werden als Geschichtszeugnisse der sozialistischen Diktatur erhalten bleiben, aber die Innenstadt der europäischen Stadt Berlin braucht eine Neuerfindung von Architektur. Meines Erachtens ermöglicht die Rekonstruktion einzelner Gebäude eine differenziertere Geschichtsbetrachtung und Erinnerung an die durch die Nationalsozialisten ermordeten Bürger. Wo bitte wird für einen Erinnerungsort Romanisches Café gestritten im Teilwieder aufgebauten Anhalter Bahnhof gestritten. Ein Ort der Erinnerung an die verbrannten Schriftstellerinnen und Künstler. Warum höre ich da nichts von den Palast-Anhängern ? Das Humboldt-Forum im Berliner Stadtschloss kann durchaus der Aufklärung und der Förderung einer pluralen, demokratischen Zivilgesellschaft der Vielfalt dienen. Die Stadt New York hat keine totalitäre Diktatur und verrückte Gewaltverbrecher als Regierende erleben müssen. Dennoch hat der 11.09.01 die Stadt verändert. Aber auch New York hat sich für eine Rekonstruktion von von Ground Zero entschieden.