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Wilhelm von Boddien
J.-Ch. Rößler,
schrieb am 7. April 2002 um 23:00
Es ist bedauerlich daß mit einem Millionenaufwand ein Prestigeobjekt ohne eigenen historischen Wert neu gebaut werden soll. Dieses Geld könnte besser in die deutsche Denkmalpflege investiert werden, in halb Mitteldeutschland könnten Denkmale mit Originalsubstanz saniert werden, jedoch sind dort die Gewinnmargen wohl geringer. Großteils wird das Schloß auf subjektiv (auch für mich) ästhetische Barockfassaden reduziert, dahinter verbirgt sich bei der Rekonstruktion dann ein moderner, funktionalistischer Grundriß - ein Prinzip, das ähnlich auch bei Entkernungen angewandt werden kann. Sieht man sich die Gästebuch- und Forumseinträge auf den Seiten an, so bekommt man den Eindruck, daß hier fast nur Leute mitreden, die mit aktueller Architektur (oftmals berechtigerweise!) wenig anfangen können und sich deshalb der Vergangenheit zuwenden. Das hat man bereits vor mehr als 100 Jahren mit den diversen Neo-"Stilen" getan und dabei übersehen, daß ein Zusammenhang zwischen Stil und Gesellschaft besteht. Was bei einer Rekonstruktion, wie sie nicht nur hier diskutiert wird, herauskommt, ist ein Gebäude, das für die Investoren sicher überaus lukrativ sein wird, mit dem Schlüterbau jedoch nur noch einige wenige Spolien gemeinsam haben wird. Die moderne deutsche Unterhaltungsgesellschaft wird der Unterschied zwischen „alt“ und „auf Alt gemacht“ nicht interessieren. Geschichte ist nicht reproduzierbar. Da aber die Meinungen festgefahren und die Argumente ausgetauscht sind erübrigen sich weitere emotionale "Diskussionen". Ich für meinen Teil hoffe, daß die Herren Senatoren Strieder und Flierl, die den Bau blockieren, weiterhin Rückgrat zeigen und die Realisierung dieses verlogenen Zwitters verhindern werden... Mit freundlichen Grüßen