„Berliner Stadtbild-Verein übt massive Kritik am Humboldt Forum“

14.08.2026 – Berliner Morgenpost

Das Humboldt Forum und seine Umgebung werden heftig kritisiert.

„Fressbuden“ und knallbunte Stadtmöbel seien dem Ort nicht angemessen.

Von Helge Denker

Auch fünf Jahre nach der schrittweisen Eröffnung reißt die Diskussion um Inhalte und Erscheinungsbild des Humboldt Forums in Mitte nicht ab. Die Berliner Gruppe des Vereins „Stadtbild Deutschland“ übt jetzt massive Kritik an der unmittelbaren Umgebung des Humboldt Forums im Berliner Schloss. „Würdelos“, kritisierte es Peter Dobrick, der Vorsitzende der Berliner Stadtbild-Gruppe, in der Facebook-Gruppe des Vereins. Der praktische Arzt aus Steglitz bemängelt darin „die Fressbuden an den Schlossterrassen, knallbunte Plastikliegen, Bierbänke im Schlüterhof, Kleinstadt-Fußgängerzonenbeflaggung in der Schlosspassage“.

Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost erklärte Dobrick, das Humboldt Forum würde sich „schwertun mit dem hohen Rang des rekonstruierten Schlosses, das die Mitte von Berlin bildet“. Er wünsche sich „mehr Respekt vor der Besonderheit dieses Ortes“, Vor dem Gebäude in Richtung Schlossplatz und Berliner Dom liegen die Humboldt-Terrassen, wo exemplarische Pflanzen aus den Erdregionen wachsen, die Alexander von Humboldt besucht und erforscht hat. Doch die schnell wachsenden Bäume verdecken laut Do-brick zum Teil den Blick auf die nahe Schlossfassade. Auch die Essstände und Foodtrucks würden die Sichtachsen auf die rekonstruierte historische Schlossfassade verstel-len.

„So lässt sich Architektur schlecht erleben“, ärgert sich Do-brick. Sein größter Kritikpunkt ist aber eine Gruppe von Essständen und Foodtrucks, die zwischen der Schlossplatz-Straße und den Humboldt-Terrassen stehen. Dobrick bezeichnet sie als „Budenzauber“ und fragt: „Können Sie sich so etwas vor Schloss Sanssouci in Potsdam vorstellen? Oder vor dem Charlottenburger Schloss?“

„Die Stiftung Humboldt Forum scheint wenig Respekt vor der Würde und dem Kulturwert dessen zu haben, was der rekonstruierte Schlossbau verkörpert. Würde man in Paris, London oder Madrid auch auf solche Ideen kommen?“, fragt Dobrick. Die bunten Stadtmöbel aus Plastik, auf denen mehrere Personen sitzen und liegen können, stehen allerdings auch in anderen Städten vor historischen Gebäuden, zum Beispiel vor Wiener Museen.

„Wie lange wird die steuerfinanzierte Stiftung Humboldt Forum ihre Geringschätzung für das Schloss noch ausagieren dürfen?“, fragt Dobrick. Die Stiftung habe eine Verantwortung, betont er. Sie lege aber eher eine „wurstige Haltung“ an den Tag.

Eine Sprecherin der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss erklärt auf Anfrage: „Die Belebung der Schlossterrassen, des Schlüterhofs und der Passagen verstehen wir nicht als Gegensatz zur historischen Bedeutung des Ortes, sondern als zeitgemäße Form seiner Nutzung. Mit Sitzmöglichkeiten wie den Enzis, die für das Wiener MuseumsQuartier konzipiert wurden, kulinarischen Angeboten wie dem Food Market und der Begrünung des südlichen Schlossplatzes, für die die Bauarbeiten gestartet sind, schaffen wir mehr Aufenthaltsqualität und ein lebendiges Stadtquartier.“

Stadtbild Deutschland ist nach eigenen Angaben „ein Verein interessierter und engagierter Bürger, die sich für die Schönheit unserer Städte einsetzen“. In Berlin hat er rund 100 Mitglieder, die sich unter anderem „für eine hochwertige Gestaltung der wichtigsten historischen Plätze der Stadt“ engagieren.

Quelle: Berliner Morgenpost, 14.08.2026