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Schäfer, Oliver, 24 schrieb am 29. Dezember 2004 um 22:42
Ich bin absolut von nichts mehr überzeugt. Der grundsätzliche Unterschied zu Städten wie Dresden besteht darin, dass hier sofort nach dem Krieg ein Konsens da war, die historische Altstadt wieder aufzubauen, der dazu führte, dass das Ensemble um Zwinger, Semperoper, und Hofkirche wiedererrichtet wurden. Die zerstörte Frauenkirche beließ man als mahnende Ruine. Dadurch ist hier die ursprüngliche Baussubstanz voll oder wenigstens teilweise erhalten- und die nachfolgende Stadtentwicklung konnte von anfang an Rücksicht auf ein festes Konzept mit historischer Altstadt nehmen.In Berlin dagegen gab es einen völligen Schnitt nach dem Krieg. Hier sollte (mehreren Ursachen geschuldet) ein moderner geprägtes Zentrum entstehen. Was sich konsequenterweise in der nachfolgenden Stadtentwicklung ausdrückte. Dadurch fehlt aber heute jegliche originale Bausubstanz des Schlosses, was die Rekonstruktion der Schlossfassade m.E. zu einem reinen Kulissenbau ohne jegliche historische Bedeutung macht. Die vielfach andiskutierten Shoppingmeilen hat Berlin sowieso genug. Die Grundidee des Huboldt-forums halte ich dagegen für gut, da sie endlich die vielen Sammlungen näher zusammenführt. Auch mir stellt sich jedoch die Frage nach der angemessenen Hülle. Hätte das Asbestproblem beim Palast nicht bestanden, wäre es wegen der hochsoliden Auslegung des Rohbaues sicherlich möglich gewesen hier durch entsprechende Umbauten geeigneten Raum zu schaffen - mit einem der Säle (vermutlich großem) als Konferenz- und Verantstaltungszentrum.Leider scheint diese Möglichkeit ja nun bald auch zu entfallen.Ich habe Berlin in Vor- und Nachwendezeiten besucht und hatte zu ersteren immer den Eindruck einer hellen, freundlichen, großzügigen, facettenreichen Hauptstadt. Bei meinen letzten Besuchen verdichtet sich allerdings immer mehr der Eindruck vom provinzlerischen "Hauptdorf". Ebenda habe ich auch ein Modell des Stadtschlosses entdeckt - und offengestanden, mein erster Gedanke war: "Was für ein Monstrum, der Klotz ist ja noch größer/schlimmer als der Palast" - hieraus darf impliziert werden, dass ich letzteren in seinem jetzigen Zustande auch nicht erhaltenswert finde.Fazit: Palastabriss unter stärksten Vorbehalten jedoch keine Rekonstruktion des Repräsentationsbaues Schloss als Fassade für ein inhaltlich völlig zuwiederlaufendes Projekt.Vielmehr sollte dann eine dritte Variante gefunden werden, die das Konzept für das Humboldtforum vernünftig repräsentiert und in einen sinnvollen architektonischen Rahmen stellt, wie es Schloss und Palast für ihre damaligen Zwecke jeweils getan haben. Berlin ist schließlich eine Weltmetropole und sollte dieser Rolle endlich auch wieder im Stadtbild gerecht werden!
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