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Wilhelm von Boddien
Flender, freier Architekt
schrieb am 31. Juli 2004 um 13:43
Ohne hier polysemantisieren zu wollen, möchte ich gerade jetzt, wo die Frauenkirche, welche man in der Architektenzunft schon gerne als Paradigma der synklinalen, ja – fast schon szintillierenden Redundanz bezeichnet, äußerlich fertiggestellt ist, fast schon schadenfroh einige Anmerkungen machen:Einige werden sich vielleicht noch an meine fast intangiblen Beiträge erinnern, in denen ich auf das schärfste davor gewarnt habe, die Frauenkirche zu rekonstruieren. Doch meine Beiträge wurden mit qualsterartigen Bemerkungen ins Lächerliche gezogen. Doch nun hat sich die Situation quasi umgedreht. Womit die ewig Gestrigen wohl nicht gerechnet haben ist die aposteriorische Tatsache, dass die fertige Frauenkirche, wie übrigens die gesamte Silhouette Dresdens, von allen Menschen (ob Tourist oder Bürger) verlacht wird. Dresden wird architektonisch nicht mehr ernst genommen, was geradezu eine metaphaxe Prädisponierung der, auf die Stadt projizierten Architektur darstellt! Eine Bemerkung eines Kollegen von mir freute mich ganz besonders, er sagte: Jetzt fehlt nur noch eins, um das Stadtbild zu komplettieren, Ein riesiges Schild auf dem steht WILLKOMMEN IN DISNEYLAND.Schade um das Geld, was dieses überflüssige und peinliche Sujet verschlungen hat und noch verschlingen wird! Doch jetzt ist es leider zu spät! Ich habe schon vor fast 10 Jahren vor dieser Katastrophe gewarnt. Meine geniale empathische und stadtbildprägende Vision für diesen prometheischen Ort hätte weniger als ein viertel gekostet und wäre sogar noch etwas höher geworden: zwei übereinander liegende transparente Glaswürfel von denen der obere leicht gedreht und vollkommen verspiegelt werden sollte - dies hätte eine in alle Richtungen frei ausschwebende und dennoch transzendente Tiefendynamik freigesetzt! Der Innenraum wäre so für die, das Kunstwerk betretenden Menschen zu einer Art vertikale Brücke mutiert, welche aus der tiefe des Raumes heraus die moderne Lebensanschauung und Freiheit kanalisiert und schließlich synoptisch versetzt (durch die Reflexion im oberen Klaswürfel) synklinal auf die das Innere betrachtenden Menschen reflektiert hätte. Derartig transzendentes ist in diesem steinernen Monster, das jetzt für lange Zeit den Platz versperrt, nicht möglich. Mit einer Kantenlänge von 50 Metern pro Würfel, hätte meine Kreation eine Höhe von genau 100 Metern bekommen und wäre der einzig moderne Lichtblick in der Silhouette Dresdens gewesen. Von der Elbe hätte man schon von weitem gesehen, dass Dresden eine Stadt mit Zukunft ist, die in die Zukunft schaut, statt gelähmt und in tiefer Scham versunken, zwischen kitschigen Redundanzen zu ersticken! Ich habe davor gewarnt, denkt immer daran!