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Wilhelm von Boddien

 

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Werner Modern, auch ein Architekt schrieb am 13. Oktober 2003 um 12:19
Der Vorschreiber hat recht! Wir Architekten sind ja so fortschrittlich und genial, das sieht man an den vielen gleichförmigen Quadratstilgebäuden in Berlin. Wer träumt da noch von Andreas Schlüter? Wir sind kettenrauchende Scheinintellektuelle im Rollkragenpullover, die ihre Fortschrittlichkeit mit einer radikalen Ablehnung überkommener Architektur und erst recht Rekonstruktionen beweisen wollen. Wozu braucht man heute noch Zwinger und Frauenkirche oder das Berliner Schloss, das sind alles Walt Disney Fassaden! Nein welchen Fortschritt symbolisierte doch da Walter Ulbricht, als er in Berlin die großartigsten Barockfassaden Deutschlands für einen Aufmarschplatz sprengen ließ, über diesen weiten kahlen Platz pfiff jahrzehntelang der Wind einer neuen Zeit und es leuchtete die Sonne des Fortschritts. Genauso der Palast der Republik, welch kühnes Gebäude mit geradezu philosophisch metaphysischer Aussagekraft! Barockfassaden brauchen wir in Deutschland nicht, dafür fahren wir nach Italien, und betrachten solche auf der Piazza mit einem Glas Rotwein in der Hand (zu dumm nur, dass es dort auch soviel nichterkennbares Rekonstruiertes gibt, also Walt Disney). Nein, ewiger architektonischer Selbst-Masochismus in Deutschland ist besser, Dresden und die Berliner Mitte sollten so visionär aussehen wie Gelsenkirchen oder Castrop-Rauxel!
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