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Wilhelm von Boddien

 

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Gottlieb schrieb am 24. Mai 2021 um 19:31
Heute nachmittag habe ich mir die Sendung über das Schloß/Humboldforum im Ersten Programm angesehen und wurde kaum entttäuscht. Erwartet hatte ich eine scheinbar neutrale Kommentierung mit mehr oder weniger deutlicher Tendenz gegen das Schloß. Nun, es wurde mehr. Das fing schon mit einer Geschichtsklitterung an. Die Sprecherin erzählte uns, das Schloß sei im Krieg zerstört worden, die Überreste später abgerissen worden. Einige einsam stehende Wände sollten diese Behauptung optisch untermalen. Tatsächlich waren bei Kriegsende noch weite Teile halbwegs intakt, andere wurden kurzfristig wieder nutzbar gemacht. Siehe: https://berlingeschichte.de/bms/bmstxt00/0012gesc.htm. Die sinnlose Sprengung des Schlosses erforderte einen gewaltigen Aufwand. Im großen und ganzen hatte ich den Eindruck, nochmals den ganzen Leerformelmüll und den ganzen Klischeeschrott der Schloßgegner vorgesetzt zu bekommen. Der Wiederaufbau des Schlosses wurde gegen die Funktion als Humboldtforum ausgespielt. Den Machern der Sendung gibt es zuviel Schloß, und am besten gar keine Schloß. Dabei wird umgekehrt ein Schuh draus: Die Idee des Wiederaufbaus hat die Planung für das Humboldtforum erst in Gang gesetzt. Die Leute wollten das Schloß in seiner alten Schönheit wiedererstehen sehen, danach wurde daraus die Vorstellung eines Forums entwickelt, und auch nicht als reines Ausstellungsgebäude, sondern als Kulturzentrum. Überhaupt Wiederherstellung des Schönen, das fand die Sprecherin schon an sich echt Asche. Sie hätte zumindest eine grundlegende Verhäßlichung des Baus für notwendig erachtet, etwa durch disharmonische moderne Einsprengsel. (Aber das machen ihre GesinnungsgenossInnen im Berliner Senat doch gerade im Umfeld des Schlosses!) Viel wurde über koloniale Vergangenheit und „Raubkunst“ und Imperialismus geredet . Da habe ich nicht mehr zugehört. Aber als dann der Knüller mit dem Kreuz als Glaubens- und Machtsymbol kam, konnte ich mir nur noch an den Kopf fassen. Diese Leute haben keine Ahnung, was der fromme König Friedrich Wilhelm IV mit dem Kreuz und dem Bibelspruch ausdrücken wollte, nämlich seine Demut vor Gott, und zwar vor dem Hintergrund der Selbstherrlichkeit seines ersten Vorgängers als König. Aber diese Leute lesen nicht, die bilden sich nicht, das ist Bildungsprekariat der übelsten Sorte. Ihr Horizont ist beschränkt, und er bleibt es bis zu ihrem seligen Ende. Und da können sie auch gut Sozialisten bleiben, das paßt. Mit keinem Wort wurde übrigens der Tatsache gedacht, daß Berlin den Hohenzollen fast alles verdankt. Ohne dieses kunstsinnige und tatkräftige Herrschergeschlecht wäre Berlin ein unscheinbares Landstädtchen in der Mittelmark geblieben. So ist es zur glanzvollen preußischen und deutschen Hauptstadt aufgestiegen und zehrt noch heute von den Leistungen jener Vergangenheit. Aber auch das wissen die öffentlich rechtlichen Ignoranten nicht. Zum Schluß schoß noch Dogerloh den Vogel ab, als er mit der gebotenen Gravität aussprach: Es gibt keine unschuldige Rekonstruktion. Wieso das Schloß ein Symbol von Schuld sein soll, behielt er für sich, doch die Sprecherin war's zufrieden. Heute würde er dem kommunistischen Palast der Republik den gleichen Wert zugestehen wie dem Hohenzollern-Schloß. Aber vielleicht bezog sich seine Schuld-Feststellung ja auf das einschlägige Symbol einer unmenschlichen Diktatur, hervorgegangen aus dem Ungeiste Stalins?
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