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Wilhelm von Boddien
Arn Praetorius
schrieb am 11. Mai 2021 um 9:54
Die Rossebändiger sollten nicht „erledigt“ sein
Die ca. vier Meter hohen Bronzeplastiken der Rossebändiger sind Meisterwerke des Bildhauers Clodt von Jürgensburg. Sie wurden im Jahre 1842 von Zar Nikolaus I. dem König Friedrich Wilhelm IV. geschenkt, Dieser ließ die begeistert angenommenen Figurengruppen auf der Lustgartenterrasse des Schlosses vor Portal IV aufstellen. Hier korrespondierten sie mit den Monumentalplastiken Kastor und Pollux von Christian F. Thieck sowie Löwenkämpfer und Amazone von Albert Wolff auf bzw. vor Alten Museum. Zwischen Schloss und Museum spannte sich so ein sorgfältig komponiertes Skulpturenprogramm. An der Standortwahl der Rossebändiger waren Alexander von Humboldt und Christian D. Rauch beteiligt und von der Wirkung begeistert. Humboldt reagierte als intensiv involvierter Kulturpolitiker und Kunstexperte, dessen Wort bei den Projekten am Schloss Gewicht hatte. Alexander von Humboldt schrieb 1843 an Bildhauer Pierre d’ Angers über das Skulpturenprogramm am Lustgarten: „… wir haben aus Petersburg zwei Kolossalstatuen erhalten, die Pferdebändiger von Herrn Klot, der – wie Sie wissen – durch seine anatomischen Studien der schönsten Pferderassen unserer Zeit wie auch durch die lebendige Bewegtheit, die er seinen Werken zu verleihen versteht, berühmt wurde.“ Und an anderer Stelle: „… Diese Kontraste, vor so vollendeten Werken angeregt, sind eine fruchtbringende Nahrung des echten Kunstgefühls.“ Bildhauer Christian D. Rauch schrieb, „dass die kolossalen Gruppen der Rossebändiger eine solche allgemeine Begeisterung beim Publikum hervorgerufen haben, die es ähnlich dort nie gegeben hat oder selten überhaupt durch irgendetwas erregt worden ist.“
Nach dem II. Weltkrieg ließ der sowjetische Stadtkommandant Nikolai E. Bersarin die Skulpturen 1945 in den Kleistpark versetzen. Dessen Gartenarchitekt Georg Pniower beschrieb den völlig bezugslosen Denkmalswert der Rossebändiger an ihrem provisorischen Standort als „zu klein und nur als Notbehelf“.Kammergericht, Königskolonnaden und Rossebändiger stehen hier historisch und architektonisch isoliert und beziehungslos.
Vor dem historisch, städtebaulich und künstlerisch bedeutsamen Hintergrund ist die Auseinandersetzung um die Rückführung der Rossebändiger nicht erledigt. Die kategorische Weigerung der Stadtbaudirektion gegenüber der Rückführung der Kunstwerke ist nur als ideologisch bedingte, endgültig gemeinte Ablehnung zu verstehen. Den Aussagen der Senatsbaudirektion, sie wolle an „diesem sehr prominenten“ Ort den Eindruck eines „Freilandmuseums“ durch rückgeführte Kunstwerke vermeiden und eine „zeitgemäße Schicht erkennbar machen“, entspricht die im Schlossumfeld geschaffene kahle, schmucklose Steinfläche und beliebiges Grün, nur um die angestammten Skulpturen vom Schloss fernzuhalten. Sogar Teilnehmer der Architekturforen haben die Kunstwerke des Schlossumfeldes abfällig als "Firlefanz" und "Deko" bezeichnet. All das bedeutet im Ergebnis, die Ära vor den Zerstörungen ihrerseits auszuradieren.
Während das Freiheits- und Einheitsdenkmal am Rande der Museumsinsel als ungeliebter Fremdkörper installiert wird, würden die historisch und künstlerisch viel bedeutsameren Rossebändiger als Bindeglied im Zentrum der Museumsinsel eine wesentlich größere Wirkung entfalten. Wer heute zu mehr Geduld und Zurückhaltung bis zum Abschluss aller Bauarbeiten im Umfeld auffordert, sollte verstehen, dass die kompromisslose, kunstfeindliche Festlegung des Senats bei den Freunden der Restitution der Kunstwerke nur Resignation und Desinteresse bewirken könnte und sollte.