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Wilhelm von Boddien
Arn Praetorius
schrieb am 11. November 2020 um 10:27
Offener Brief an den Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer
Sehr geehrter Herr Lederer,
Ihr Ressort stellt sich auf der Homepage u. a. dar als zuständig für Kultur im Stadtraum und Kunst am Bau. Im Kulturerbejahr 2018 betonten Sie „das gemeinsame europäische Erbe, die historischen Innenstädte, die Kulturlandschaften und Wahrzeichen als eine Identität stiftende und verbindende Wurzel Europas“. Nach den Leitlinien Ihres Ressorts befindet sich der Berliner Schlossplatz unzweifelhaft "an einem exponierten und städte-baulich wichtigen Standort. Er nimmt gesamtstädtisch wichtige Funktionen oder Nutzungen wahr, ist Gegenstand besonderer öffentlicher Wahrnehmung und weist besondere kultur- oder kunsthistorische Bezüge auf." Diese Leitlinien für die Bewahrung des Kulturerbes schließen selbstverständlich Kunst am Bau, Standbilder, Brunnenanlagen und andere Kunstwerke mit ein.
Dennoch ist der Schlossplatz darauf angelegt, von historischen Kunstwerken geleert, steinern und schmucklos das Humboldt-Forum in Erscheinungsbild und Ästhetik von seiner historischen Umgebung zu isolieren, während der neobarocke Neptunbrunnen seinerseits städtebaulich isoliert auf dem noch zu planenden Rathausforum verbleibt und die Rossebändiger bei nur geringer öffentlicher Wahrnehmung im abgelegenen Kleistpark stehen. Die Senatsbaudirektorin Frau Lüscher, als überzeugte Vertreterin „zeitgemäßer“, schmuckloser Stadtplanung, lehnt ohnehin das Humboldtforum in der rekonstruierten Form ab, betont aber, dass „die Berlinerinnen und Berliner und unzählige Besucher das Recht und das Bedürfnis haben, an diesem sehr prominenten Ort die vielschichtige Geschichte dieses Ortes zu verstehen und dass der Freiraum dazu einen Beitrag leisten soll“.
Weder Ihr Ressort noch das der Frau Lüscher lassen für diesen „sehr prominenten Ort“ eine besondere Aufmerksamkeit des Senats und eine Berücksichtigung besonderer kultur- oder kunsthistorischer Bezüge erkennen. Auch sind weder Sie noch Frau Lüscher offensichtlich bereit, die hochwertigen, historisch und kunstgeschichtlich herausragenden Kunstwerke an ihre ursprünglichen Standorte zurückzuführen, was dem vielschichtigen Verständnis dieses Ortes und dem Schutz des Kulturerbes angemessen wäre.