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Wilhelm von Boddien
Arn Praetorius
schrieb am 11. Oktober 2020 um 19:39
In diesem Forum wird wohl mehrheitlich z. T. beißende Kritik an der Ostfassade geübt. Trotzdem möchte ich eine Lanze für Stellas Ostseite brechen, auch wenn ich mich dabei vielleicht unbeliebt mache:
Als die Ostfassade gerade fertig wurde - in einem chaotischen Baustellenumfeld, hatte ich auch erhebliche Gewöhnungsprobleme angesichts der großen, leeren, abwechslungslosen Fassade, obwohl die Kommentare mancher Ostfassadenskeptiker: "Banale Ödnis", „Sparkasse“ „Kaufhaus“, "Parkhaus" für mich ganz unangemessen waren. Auch den Wunsch Mancher, alles hinter Efeu verschwinden zu lassen, teile ich nicht. Inzwischen sehe ich in der Fassade in den großen Linien Verbindungen zu den Barockfassaden. Auf mich wirkt eine ruhige, klare Ausstrahlung und etwas Edles, Großzügiges, sogar eine Verbindung zu Chipperfields Eingangsgebäude bei den Museen. Der positive Eindruck wird für mich zunehmend deutlich, seit an der Ostseite zur Spree die Wege und Rampen fertig werden und diesen weiträumig ruhigen Stil zusätzlich großzügig betonen. Stella hat der Fassade Original-Sandstein in den Beton beigemischt, so dass auch die Farbe zu den Sandsteinelementen der Barockfassade passt. Mir gefällt auch die noble Bescheidenheit, mit der Franco Stella sich selbst zurücknimmt und als „späten Mitarbeiter Schlüters“ bezeichnet. Ich bin begeistert von den Barockfassaden und dem Schlüterhof, aber Stella zeigte Konsequenz und Stilsicherheit, indem er sich nach der Ostseite, hin zu einem neuen modernen Stadtteil nicht zu historisierenden, neobarocken Anpassungsversuchen und Spielerein hinreißen ließ. Es sieht übrigens so aus, als ob noch (moderne) Kandelaber auf der oberen Brüstung aufgestellt werden. Allerdings hätte ich mir ein schlichtes, akzentuierendes, modernes, zur Fassade passendes Portal vorstellen können, nachdem es ein West-, zwei Nord- und zwei Südportale gibt.