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Dr.-Ing. Jürgen Wessel schrieb am 13. September 2020 um 9:45
Aus einem großen Bereich des Blickwinkels, der von West nach Ost auf das wieder aufgebaute Berliner Stadtschloss gerichtet ist, drängt sich optisch dominant der Ulbrichtsche Fernsehturm als unverrückbares Zeugnis sozialistischer Architektur in das Panorama. Müssen die Apologeten der DDR-Architektur dann noch darauf bestehen, dass die Einheitswippe vor dem so ungemein beeindruckenden, herrlich schönen und nun von Baugerüsten befreiten Eosander-Portal (Portal III) Wirklichkeit wird? Müssen „DDR - Nostalgiker“ mit dem gigantischen Fernsehturm im Hintergrund darauf bestehen, dass der Neptun-Brunnen nicht auf den Schlossplatz zurückkehrt und weder die Rossebändiger noch die Oranierfürsten vor der Lustgartenfassade Aufstellung finden. Unversöhnlich stehen sich in dieser Frage linke Kulturpolitik und die bürgerlich geprägte Auffassung von Stadtbildpflege gegenüber. Ebenso wie das bürgerlich-konservative Berlin den Fernsehturm klaglos akzeptiert, ebenso sollte sich die Kulturpolitik des Senats ihrer übernommenen Verantwortlichkeit gegenüber der Stadtgeschichte bewusst sein. Diese Verantwortlichkeit sollte sie dazu veranlassen, partei-ideologische Vorbehalte gegenüber den sachbezogenen Erfordernissen ihrer übernommenen Zuständigkeit zurückzustellen, zu der ganz bestimmt auch die Pflege des historischen Erbes gehört. Dieses Erbe schließt das erwähnte historisch gewachsene und organisch mit dem Schloss verbundene Umfeld des Schlosses ein. Es bleibt die Hoffnung, dass in einer nicht allzu fernen Zukunft hier ein Sinnungswandel eintritt.
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