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Wilhelm von Boddien

 

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Arn Praetorius schrieb am 31. Mai 2020 um 18:56
An Herr Marco Möller, ich möchte zu Ihren Aussagen Stellung nehmen, weil Sie ein geschichtsinteressierter Mensch sind: Ein großer Gebäudekomplex, über 3 – 4 Jahrhunderte von vielen Familien und Beamten bewohnt und benutzt, war ständigen baulichen, technischen und geschmacklichen Änderungen ausgesetzt und seit jeher ein „Potpourri“ und ein künstliches Gefüge. Es ist schlicht unmöglich eine einzige Zeitebene für eine Rekonstruktion zu definieren. Die Absicht der Rekonstruktion war eine städtebauliche und architektonische Heilung des verlorenen Ensembles („Spree Athen“) und dazu die Gewinnung eines modernen Museums für weltberühmte Sammlungen, jedenfalls gewiss keine Verklärung preußischer oder deutscher Geschichte. Eine Rekonstruktion bis ins Detail (welcher Zeit?) hätte bedeutet: Sanitäranlagen aus dem z. B. frühen 18. Jhd., kein Strom, keine Aufzüge, marode feuerpolizeilich und klimatechnisch nicht mehr zugelassene Holzdecken und Dielen, Kohleöfen, Nachbau von Niveausprüngen und Ecken in den Fluren, in den Obergeschossen kleine Beamtenzimmer, Fenster in Einfachverglasung, usw…. Entscheidung, auf die Museumsinsel ein modernes, funktionales Museum zu holen, wäre unmöglich. Als jetzt entschieden wurde, den Turm mit Kuppel und Laterne zu rekonstruieren, hat man sich an den Auftrag des Bauherrn Friedrich Wilhelm IV von 1840 und die Realisierung des Architekten Friedrich August Stüler gehalten. Das gehört, bezogen auf Turm. Kuppel, Kreuz und Sinnspruch in Ihrem Sinne konsequent zu einer „Zeitebene“. Dass in Berlin Religion heute kaum noch eine Rolle spielt, ist bei einer Rekonstruktion nicht relevant, sonst wird über Engelsfiguren, Famen, Putten, heraldische Wappen, griechische Götter, Löwenköpfe, Adler jeweils einzeln gestritten. Das Schloss wurde „nicht einfach so“ zerstört. Zitat Ulbricht: “Das Zentrum unserer Hauptstadt, der Lustgarten und das Gebiet der jetzigen Schlossruine, müssen zu dem großen Demonstrationsplatz werden, auf dem der Kampfwille und Aufbauwille unseres Volkes Ausdruck finden.” Ist das ein guter Grund? Der asbestverseuchte Palast d. R. war im Verbindung mit dem gähnend leeren Aufmarschplatz und gigantischen Trabbi-Parkplatz eine tiefe Wunde im Stadtbild. Die PDS hatte dem Abriss des P. d. R. zugestimmt. Wie kommen Sie dazu, das kulturgeschichtlich bedeutende Barockschloss von 1714 (!) mit Nationalismus, imperialer Größe oder „kreischend wilhelministischen Zeichen seiner Hülle“ und sogar mit der Reichskanzlei Hitlers gleichzusetzen? Das Thema koloniale Raubkunst ist wichtig und wird aktuell europaweit durch die Provenienzforschung bearbeitet. Die Entscheidung über den Wiederaufbau des Schlosses fiel mit 66 % des Bundestages. Wenn Sie das nicht respektieren, leben Sie in einem falschen Land. Aus Ihrem Beitrag ist ein Geschichtsinteresse überhaupt nicht erkennbar.
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