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Wilhelm von Boddien
Dr.-Ing. Jürgen Wessel
schrieb am 27. April 2019 um 10:33
Kopfschüttelnd und verständnislos kann man nur die in der Schlossinformation April 2019 des Fördervereins Berliner Schloss e.V. niedergelegte Kommentierung des derzeitigen Standes der Planungen von Senat und Bezirksverwaltung für die Gestaltung des Schlossumfeldes lesen! Es dürfte doch wohl weltweit einmalig sein, dass sich ein Staat – hier die Bundesrepublik Deutschland – der zu 90% gemeinsam mit Sponsoren, die die übrigen 10% der Kosten für die historische Rekonstruktion übernehmen, bei der Gestaltung des unmittelbar prägenden Umfeldes dieses absichtsvoll und wohl begründeten historisch definierten Baus, die Deutungshoheit durch sektiererische lokale Parteipolitiker aus der Hand nehmen lässt? Die Gestaltung des Schlossumfeldes kann und darf doch wohl nicht, lediglich formaljuristisch begründet, in die Zuständigkeit parteipolitisch gebundener Lokalpolitiker gelegt werden. Sowohl das Land Berlin als auch der Bezirk Mitte verfügen über ausgezeichnet ausgebildete kunst – und baugeschichtlich qualifizierte Fachleute, die allein sach – und fachkundig über die sowohl historisch als auch kunstgeschichtlich komplexe Frage des Umfeldes entscheiden sollten.
Es muss einmal gefragt werden dürfen, ob es wirklich die Absicht von Senat und Bezirksverwaltung ist, dass Muskel bepackte „Kraftradler“ auf ihren Rennrädern die Breite Straße hinauf zum Schloss stürmen, um dann dort bequem ihre High-Tech Rennmaschinen in die Fahrradständer vor der Barockfassade des Schlosses abzustellen? Die Idee, Fahrradständer vor den Haupteingang – hier das Schlossportal I – eines Repräsentationsgebäudes zu stellen, muss doch wohl jeden Architekten entsetzen? Ist es etwa vorstellbar, dass vor dem Louvre in Paris oder dem Prado in Madrid Fahrradständer – vermeintlich „bürgernah“ - aufgebaut werden?
Hat sich bei den behördlichen Entscheidungsträgern jemand Gedanken darüber gemacht, wie sich diese fürchterliche Wippe vor dem Eosanderportal im Laufe der Zeit entwickelt? Die Menschen, die kommen, um das Schloss zu besuchen, haben angesichts der Wippe weder Motivation noch Lust, im Gedenken an die Wiedervereinigung, auf der Wippe zu schaukeln noch fühlen sie sich inspiriert, sich an dieser Stelle intellektuell mit der Wiedervereinigung auseinander zu setzen – kurzum die Wippe vor dem Eosanderportal steht unbeachtet und beziehungslos in Sichtweite der Friedrichwerderschen Kirche, der Kommandantur und des Zeughauses! Es ist zu befürchten, dass allein vorbeiziehende angetrunkene Nachtschwärmer lärmend auf der Wippe „herumturnen“ und dabei sich und andere gefährden!
Mit der zu befürchtenden Entscheidung, sowohl auf die Rossbändiger vor dem Portal IV als auch auf die Denkmäler der Oranierfürsten östlich des Portals V zu verzichten, begeben sich Senat und Bezirksverwaltung der europapolitischen Möglichkeit, an eine goldene Epoche europäischer Geschichte anzuknüpfen und daran zu erinnern, als die Dynastien wie auch die Völker Russlands und Preußens wie auch die der Niederlande und Brandenburgs in Freundschaft miteinander verbunden waren!
Die Idee, die vorgesehene Cafeterrasse vor der Ostfassade durch eine Betonmauer zur Spree hin so abzusetzen, dass die Kaffeegäste auf der Terrasse kaum etwas von der Spree und umgekehrt Fahrgäste auf vorbeifahrenden Ausflugsschiffen nichts von der Terrasse sehen können, erinnert in der Tat an einen veritablen Schildbürgerstreich!
Wie auch immer – Berlin wird die bittere Pille schlucken müssen, dass die linke Ideologie der Mehrheitskoalitionäre in Senat und Bezirksverordneten Versammlung allein entscheidet, deren Ziel es ist, das vermeintlich „rückwärtsgewandte“ Konzept des rekonstruierten Barockschlosses der Hohenzollern demonstrativ mit Wippe und Fahrradständer zu beschädigen!