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Wilhelm von Boddien
Dr.-Ing. Jürgen Wessel
schrieb am 5. November 2018 um 11:30
Die unsägliche Wippe, die gelegentlich dialektisch zur „Waage“ aufgewertet wird und die mutmaßlich vor dem Eosanderportal des als Humboldtforum wieder aufgebauten Berliner Stadtschlosses Aufstellung findet, kann weder die zu Recht und absichtsvoll wieder barock rekonstruierte Berliner Mitte kunstgeschichtlich ergänzen, noch kann es an dieser Stelle die 1990 glücklich vollzogene Wiedervereinigung Deutschlands symbolisieren oder gar würdigen! Da es die Hauptstadt Deutschlands betrifft, sollte auch nicht völlig außer Acht gelassen werden, dass Fragen, wie die nach dieser Wippe, nicht in das Ermessen der Berliner allein, sondern berechtigterweise auch interessierten Landsleuten in ganz Deutschland gestellt werden! Wie auch immer gefragt wird, es fällt schwer, sich vorzustellen, die Wippe sei mehrheitsfähig. Sollte es nun doch dazu kommen, so schleicht sich der Verdacht ein, einer einflussreichen Minderheit in Berlin passt mit Blick auf das wieder aufgebaute Stadtschloss „die ganze Richtung nicht“. Da das Schloss nicht zu verhindern war, muss nun das Konzept mit Macht ideologisch in Frage gestellt werden! Dazu dient zunächst diese aufdringlich agitatorische Wippe und im weiteren Prozess der Gestaltung des unmittelbaren Umfeldes des Schlosses „Humboldtforum“ wird man – so ist zu befürchten - versuchen, den Neptunbrunnen, die Rossbändiger, die Oranierfürsten und die Adlersäule zu verhindern. Nebenbei bemerkt: sicherlich hat sich der Architekt Franco Stella mit dem Konzept des historisch wieder aufgebauten Schlosses mit seinen zeitlos schönen Barockfassaden große Verdienste erworben, aber schon jetzt, da ein Baugerüst nach dem anderen vom Schloss verschwindet, schmerzt zunehmend der Anblick des von ihm unsensibel vorgenommenen Übergangs von Barock zum scheußlichen Beton der Ostfassade.