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Wilhelm von Boddien
Zeep
schrieb am 23. November 2012 um 17:41
An die Fans des sogenannten Schloß-Wiederaufbaus:
Meine Kritik am Neuaufbau des Berliner Stadtschlosses ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß es schlimmere \"Wunden im Stadtbild\" (Zitat Ernst Ludwig) gibt, als den freien Platz gegenüber dem Marstall. Er reicht, in die herunter gekommenen Ecken von Neukölln, Kreuzberg, Schöneberg etc, oder in den Osten der Stadt zu gehen. Jeder sechste Bewohner Berlins erhält Leistungen zur Grundsicherung (auch als Hartz IV bekannt). Berlin hat bundesweit die höchste Jugendarbeitslosigkeit und jeder zehnte Schüler verlässt die Schule ohne Abschluß. In keiner anderen Stadt in Deutschland habe ich soviele Bettler und junge Obdachlose gesehen. 3 Milliarden hat Berlin 2011 aus dem Länderfinanzausgleich bekommen müssen, soviel, wie Hessen und Baden-Württemberg zusammen eingezahlt haben. Seit 1991 hat Berlin über die Hälfte seiner Industrie-Arbeitsplätze verloren. Hauptsache \"arm aber sexy\" und ein Freilichtmuseum im Zentrum.
Ist das auch alt-westlinke Ideologie oder Fakten ?
Vor diesem Hintergrund so zu tun, als sei es in Ordnung und das richtige Zeichen, in eine Prachtfassade 500 Millionen zu stecken um damit die ausländischen Touristen zu beeindrucken, zeigt, daß hier offenbar Viele die Realität in dieser Stadt ebenso wenig kennen wie unser Bundestags-Vize Thierse, der betrauerte, daß es an ein paar Millionen für die Kuppel des Schlosses fehlt. Zitat: \"Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesrepublik die vollständige Realisierung des größten Kulturprojekts ihrer Geschichte an ein paar Millionen scheitern lässt\", sagte Thierse. \"Damit würde sich dieser Staat auf peinliche Weise lächerlich machen.\" (Die Welt, 7.7.11).
Wenn an so etwas Kultur oder nicht Kultur festgemacht wird, dann weiß ich, warum Berlin so verkommen aussieht und solche Ghettos und Parallel-Gesellschaften hervor gebracht hat. Dies ist mein Geschichtsbild vor dem Hintergrund der deutschen Hauptstadt.
Im übrigen finde ich es unangebracht, Begriffe wie SED, SS, Ulbricht, Nazibau etc. Satz für Satz aneinanderzureihen, wie es hier getan wird und damit den Eindruck zu erwecken als stünden sie in irgendeinem Zusammenhang. Was ist das für ein Bild von Geschichte ?