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Wilhelm von Boddien
Felix
schrieb am 14. Juli 2012 um 2:32
@E.Heine
Ich freue mich natürlich über jede Reaktion zu meinen Beitrag - unabhängig davon, ob Sie mir nun zustimmen oder nicht.
In drei Punkten gebe ich Ihnen Recht: 1. Ja, im Nachkriegs-Berlin galt es schnell und günstig Wohnraum zu schaffen und hierbei ging es sicher nicht um den Bau von repräsentativen Gebäuden, sondern um Notwendigkeiten. 2. Ja, man kann darüber streiten, was \"schön\" oder \"modern\" ist oder zu sein hat. 3. Ja, man kann auch darüber streiten, ob Steuergelder für Kulturprojekte oder sozialen Wohnungsbau etc. ausgegeben werden sollten.
Wogegen ich mich allerdings wehre, ist mir Halbwissen vorzuwerfen, welches Sie meiner Meinung nach auch nicht nachhaltig begründen. Es ist heutzutage erwiesen und meines Erachtens auch unter Architekten/Stadtplanern gleich welcher Gesinnung anerkannt, dass die Ideen der Charta von Athen den städtischen Lebensraum negativ beeinflusst haben.
Unter diesem Vorsatz wurden viele noch bestehende gewachsene Stadtviertel \"geräumt\". Hier sehe ich den zentralen Zusammenhang mit dem Berliner Stadtschloss, welches nur eines von vielen historischen Gebäuden/Quartieren ist, welches trotz möglichem Wiederaufbau abgerissen wurde, um Platz zu machen für uninspirierte \"moderne\" Bauten (nach dem Krieg gab es sogar Bauauflagen in Westberlin den Stuck von den alten Fassaden zu schlagen, um die Stadt moderner zu machen!).
Ich habe zudem bewusst versucht von ideologischen Standpunkten in meinem Beitrag Distanz zu nehmen, obgleich es mir bewusst ist, dass Architektur oft eine Ideologie zum Ausdruck bringen soll- gerade wenn es sich um repräsentative Bauten geht. In diesem Fall ist Berlin (zuteils ungerechterweise) als Stadt der kriegstreibenden Preussen und Nazis vorbelastet und gerade deshalb wollte man wiederum aus ideologischen Gründen in beiden Teilen der Stadt die Geschichte auch in Form der Architektur vergessen machen.
Das Stadtschloss allerdings mit NS Bauten gleichzusetzen ist ein genauso schlechter Vergleich wie die Preussen mit den Nazis gleichzustellen und ist wohl eher Ausdruck deutscher Demut und Scham nach dem 2. Weltkrieg als historische Tatsache.
Worum es mir in meinem vorausgegangenen Beitrag geht ist es, die Eigenart und Kulturlandschaft einer Stadt zu erhalten bzw. weiterzuführen. Dass dies nicht nur in Rekonstruktion und am Festhalten am ewig Gestrigen münden sollte, da sind wir uns sicher einig. Ich reise viel in China und dort zerstört man auch gerade die Identität ganzer Städte, um sie alle gleich aussehen zu lassen. Dies kann und darf nicht zur Maxime der Moderne werden. Städte sind und waren immer nur deshalb \"schön\", weil sie einzigartig sind und in einer bestimmten Kultur wurzeln. Ich finde es wichtig, dass deutsche Städte trotz oder gerade wegen ihrer Zerstörung diese Einzigartigkeit behalten sollten bzw. in diesem Sinne ergänzt werden. Jede Kultur braucht Identifikationspunkte in der Kunst, zu der ich die Architektur auch zähle. Deswegen ist es wichtig das Stadtschloss als eben solchen wieder zu errichten oder hätten die Franzosen den Louvre geschleift oder die Briten den Buckingham Palace? Und warum ist es den Polen so wichtig gewesen, das Stadtschloss in Warschau wieder zu errichten? Weil es Teil einer Kultur ist, die man späteren Generationen erhalten will.