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Wilhelm von Boddien
E.Heine
schrieb am 12. Juli 2012 um 23:37
@Felix, so ein Unsinn den Sie schreiben. Was hat denn der Nachkriegsstädtebau mit einer Schlossattrappe zu tun? Das echte Schloß, bzw. dessen Ruine hätte damals zwar erhalten werden können, das ist wahr. Die Sprengung hatte aber keineswegs rein ideologische Motivationen. Im Osten gab es eben keinen Marshallplan dessen Ergebnisse man am Ende als „Wunder“ hätte verklären können. Sie projezieren hier eine Spassgesellschaft zurück, so als ob in der Nachkriegszeit das zerbombte Schloss das wichtigste gewesen wäre. Auch in den westlichen Zonen gingen doch ähnliche Fragen diesbezüglich glimpflich aus, man denke nur an das Schloss in Karlsruhe, etc. Nun ist aber das Berliner Stadtschloss seit einem halben Jahrhundert nicht mehr da. Leute wie Sie waren es in Wahrheit, die diese ganze Ideologie hineingebracht haben, und all das verrühren Sie obendrein mit Halbwissen. Die Architekten suchten schon immer nach Formen und Lösungen von Bauaufgaben, die gerade für die Gesellschaft wichtig waren in der sie lebten. Das waren eben in den 60ern Wohnungen, Straßen und all das, was sich die Menschen dieser Zeit wünschten. Dass dadurch Stätte so \"zerstört\" worden wären, wie es hier kommuniziert wird, ist vollkommen überbewertet. Dieses stereotype Veratwortlichmachen der Planer, für das, was eigentlich Mainstream und damit Politik haben wollten, ist einfach nur stupide. Sie wollen damit polemisieren, und brauchen das an dieser Stelle für Ihre Rhetorik, der es in Wahrheit an sachlicher Begründung für ein mehrere hundert Millionen teures Nonsens-Projekt vermissen lässt.
Insofern Sie Albert Speer hier einbringen, sollte sich der Leser doch einmal schlau machen, denn dieser monumentale Retro-Klotz ist ja gerade etwas, das ja den Menschen den Gedanken an die Gignatonomie der NS-Zeit aufdrängen muss. Wie will man denn mit so einem ungelenken Ungetüm städtebaulich das erzielen, was sie so blumig hier mit „postmodern“ aufmalen? Im Übrigen ist es auch hier wieder die blanke Ideologie, die von „zerstörten“ Städten phantasiert. - Ja es ist wahr, Bankgebäude in der Provinz, in jedem Nest, - sind eine Scheußlichkeit, - aber gleichzeitig eben nicht der Ausdruck der Höhe der Architektur jener Zeit, sondern eher der Anmaßung dümmlicher Bauherren, deren Gestaltungshöhe sich in eloxierten Fensterschienen, und polierten Naturstenplatten erschöpfte, die irgendiwie dumm hingeklebt werden sollten, und einfach nur „reich“ auszusehen hatten.
Mit den „grauen monumentalen neoklassizistischen Fassaden“ in Berlin mögen Sie sogar Recht haben, und Sie verwenden ja selber den Begriff „neoklassizistisch“, - das ist eben nicht „modern“ sondern postmodern, womit wir bei den Verwirrungen sind, die Leute wie Sie vertiefen helfen. Ein Rückbesinnung, die sich allein auf Architektur beziehen soll, kann lediglich in Ihrem Kopf existieren, - natürlich wuchtet man sich mit diesem Widergänger im Herzen der Hauptstadt auch ideologische Rückbesinnung auf die Köpfe der Zeitgenossen. Nur Naive können davor die Augen verschließen, dass hier mit grandioser Inkompetenz Entscheidungen getroffen wurden, die gleich auf mehreren Ebenen der Gesellschaft einen sprichwörtlichen Klotz ans Bein binden.
Das Fassadenprojekt mit nachgeschobener Füllung kann nimmer eine „Messlatte“ darstellen, wenn, dann nur für den peinlichen Tiefpunkt von „Bildungsbürgertum“ und „Wissensgesellschaft“. Ich glaube hier wurde schon zu viel privatisiert …