Hinweis: Dieses Gästebuch steht Ihnen für Chats, Diskussionen und Mitteilungen gerne zur Verfügung. Es wird von uns nur verwaltet, aber nicht befeuert. Immer wiederkehrende Fragen werden von uns einmal beantwortet und in einer besonderen Rubrik gespeichert. Bitte schauen Sie dafür hier: “Häufig gestellte Fragen“. Sollten Sie mit diesen Auskünften nicht zufrieden sein, werden wir selbstverständlich eine entsprechende Anregung von Ihnen aufnehmen.
Wenn Sie eine schnelle, direkte Bearbeitung Ihrer Frage möchten, nutzen Sie den „Kontakt“ im Internet, damit mir Ihre Fragen und Anregungen sofort vorgelegt werden können. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich mit Terminen eingedeckt bin und in der Spendenverwaltung ein riesiges Arbeitspensum erledigen muss, dass ich selbst nur auf diese Weise mit Ihnen kommunizieren kann.
Wilhelm von Boddien
Felix
schrieb am 12. Juli 2012 um 1:49
Berlin ist eine der prachtvollsten Städte Europas gewesen bevor es im Zuge eines sinnlosen Krieges dem Erdboden gleich gemacht wurde. Darüber hinaus fiel der Wiederaufbau unglücklicherweise in eine Zeit, die man aus heutiger Sicht wohl als grösste Verirrung der gesamten Architekturgeschichte bezeichnen muss: der Doktrin der sogenannten Charta von Athen, deren oberstes Prinzip es war städtebauliche Solitäre zu errichten (heute nennt man dies Trabantenstadtarchitektur und reisst vielerorts ganze Stadtviertel wieder ab). Die Folge war die Zerstörung der historisch gewachsenen Blockstruktur der europäischen Stadt und mit ihr auch des so wichtigen sozialen Raumes für die Bewohner. Einmal abgesehen von den ideologischen Beweggründen war der Abriss des Stadtschlosses durch die damalige DDR Führung nur die Spitze des Eisberges der \"zweiten Zerstörung Berlins\" nach 1945: denn im Westteil der Stadt wurden unter den gleichen \"ästhetischen\" Gesichtspunkten wie im Ostteil die verbliebenen Berlin-typischen Gebäude und selbst ganze Viertel abgerissen und durch gesichtslose Bauten und Schnellstrassen im Stile von Le Corbusier und Scharoun ersetzt. Die meiner Meinung nach schlimmsten Beispiele sind im Ostteil der gesamte Alexanderplatz und das angrenzende Friedrichshain und im Westteil das Hansaviertel, der Ernst Reuter Platz und das Hallesche Tor. Dass man gerade diese Orte mittlerweise unter Denkmalschutz gestellt hat zeugt einmal mehr von der kulturellen Armut des neuen architektonischen Berlins. Zum Glück hat sich in der Postmoderne eine Rückbesinnnung auf den traditionellen europäischen Städtebau eingestellt und so entstanden seit den 80er Jahren durchaus ansehnliche und teilweise schöne Ensembles vorallem in der alten Mitte Berlins (Prager Platz, Pariser Platz, Potsdamer und Leipziger Platz, Friedrichswerder). Gleichwohl wird man den Eindruck nicht los, dass sowohl die allgemeine Ästhetik nach der Wiedervereinigung, als auch die Stadtplanung sehr starke Ähnlichkeiten mit den Vorstellungen eines Albert Speers haben: viele mit Granit verkleidete graue monumentale neoklassizistische Fassaden dominieren. Sowohl der Hauptbahnhof, als auch das Südkreuz sind nur kleinere Varianten dessen, was schon in den 40er Jahren konzeptionell vorgedacht wurde. Unter diesen Gegebenheiten erscheint es mir mehr als wichtig ein so bedeutendes Kulturbauwerk wie das Stadtschloss wieder zu errichten, denn es steht für mehr als nur ein Museum oder Kulturzentrum. Es steht sinnbildlich für eine Rückbesinnung (wohlgemerkt architektonisch und nicht ideologisch!) auf eine zeitlose Ästhetik und für einen kulturellen Neuanfang des Berlins des 21. Jahrhunderts. Das bedeutet nicht, dass man grundsätzlich für eine Rekonstruktion des alten Berlins werben sollte: moderne und selbst funktionale Architektur kann genauso schön und erhaben sein wie dieses altehrwürdige Bauwerk. Aber es gibt eben gute und schlechte Architektur und diese enthüllt sich selbst dem ungeübten Betrachter. Schlechte Architektur gibt es ausreichend im Nachkriegs-Berlin- jetzt wird die Messlatte hoffentlich deutlich höher angesetzt werden, indem man den Mittelpunkt der Stadt reinkarniert.