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Wilhelm von Boddien
InSaPa
schrieb am 12. Juni 2010 um 0:00
Die Entscheidung zur sogenannten \"Verschiebung\" der Wiederherstellung der Berliner MITTE ist unfassbar, haarstäubend und sowohl kulturpolitisch als auch städtebaulich katastrophal. Da haben sich die ewigen Nörgler und Mäkler, gerade in Berlin und leider sogar in \"seriösen\" Medien, doch tatsächlich durchgesetzt und berauben uns wohl des grandiosen Jahrhundert-Projekts der geographischen Zusammenführung von europäisch-mediterranen und außereuropäischen Kulturen, und das in einem wunderbaren baulichen Rahmen. Das gelegentlich auftauchende Wort vom \"Disneyland\" ist an Dümmlichkeit und Ignoranz kaum zu übertreffen und eine Beleidigung all der wunderbaren Künstler und Kunst-Handwerker wie Steinmetze etc., die schon so eifrig zu Gange bzw. am Werke sind.
Und auch das Geldargument ist ja wohl höchst relativ, denn dass die Sanierung der Staatsoper ca. 250 Mio. kostet, ist völlig okay (da notwendig!) und wird nicht in Frage gestellt, und dass etwa der BND-Neubau wohl über eine Milliarde kostet, ist keinerlei Diskussion wert. (Übrigens: war das eigentlich wirklich nötig, waren die in ihrem alten Pullach nicht ganz ordentlich untergebracht??) Und dass die Dahlemer Dornröschen-Museen mit ihren einzigartigen Sammlungen, in die sich kaum noch jemand verirrt, dringend saniert werden müssen, wenn und nur wenn das Humboldt-Forum wirklich nicht BALD gebaut werden sollte, und dass die Kosten auch wohl im x-hundert-Mio-Bereich liegen werden, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung auch überhaupt keine Rolle.
Wo bleibt der empörte Aufschrei und flammende Appell unserer \"Oberhäuptlinge\" wie etwa dieses windelweichen Wowereit (\"Kultursenator\"!) oder auch André Schmitz, von unser aller Merkel oder Bernd Neumann ganz zu schweigen, die das ganze Desaster ja mit dieser unsäglichen FDP zu verantworten haben. Bei einem Sparpaket von 80 Mrd. sind eine Gesamt\"einsparung\" (zumal unter Berücksichtigung all der vertraglichen Verpflichtungen und der unendlichen Vorarbeiten so vieler leidenschaftlich engagierter Bürger etc.etc.etc.) von vielleicht maximal 100 Mio., verteilt über Jahre, geradezu lachhaft. Und da ist die desaströse internationale Wirkung, der Wegfall eines Touristen-Magnets erster Güte, die Wiederbelebung alter Handwerkstechniken mit der Schaffung hochwertigster Arbeitsplätze etc. noch gar nicht eingerechnet. Wenn die Dahlmer Museums-Liegenschaften anderweitig genutzt werden könnten (z.B. FU, Forschungs- oder andere (internationale oder nationale) Einrichtungen o.ä.), könnte auch dies einen Erlös bringen. Undundund...
Dieser Beschluss basiert wirklich auf einer extrem kurzsichtigen Milchmädchenrechnung und wird der ungeheueren kulturpolitischen wie städtebaulichen Bedeutung in KEINER Weise gerecht.
Übrigens: Wiesen zum Drauflegen gibt\'s in Berlin ja wirklich genug...