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Wilhelm von Boddien
barockkater
schrieb am 3. Juni 2010 um 9:22
Meine Güte, ist das erbärmlich, was man jetzt so zum Thema vielfach liest. Da gibt es immer noch ewig-gestrige Leute , die den preussischen Militarismus in dieses Bauwerk hineinprojizieren (Geschichte ist aber nicht entsorgbar !!!) und es deshalb nicht haben wollen und andere wiederum rechnen es in Autobahnkilometer um. Kleinstaaterei,Engstirnigkeit und die Naziherrschaft mit ihrem desaströsen Ergebnis haben hier offenbar das Verhältnis zum Kulturerbe schwerstens beeinträchtigt - in Polen z.B. war der Wiederaufbau des Warschauer Schlosses eine Herzensangelegenheit der grossen Mehrheit des Volkes.
Etwas anderes liegt mir allerdings auch schwer im Magen. Ein so bedeutendes Baudenkmal wie das Schloss kann nicht nach dem Motto \"hier ein bisschen Schlüter, dort ein bisschen Stella\" wiederaufgebaut werden - das Aufeinanderprallen von Schlüterbarock und Stellas Hochgarage in den Simulationen ist grässlich ! Habt ihr denn so wenig Achtung vor einem Kunstwerk, welches von der Grossartigkeit her für heutige Architektur sowieso unerreichbar ist und wo nur der 1:1 Nachbau bleibt ?
Ich verweise dazu nocheinmal auf Guido Hinterkreusers Broschüre \"Das Berliner Schloss - mehr als nur Fassade\", welche sich nicht nur für alle Aussenfassaden, sondern auch für die wichtigsten Treppenhäuser und Innenräume einsetzt. Auch das Vorwort des polnischen Kunsthistorikers Prof. Tomaszewski ist sehr lesenswert !
Mein Vorschlag: Das Schloss sollte in einem längeren Zeitraum (einige Jahrzehnte z.B.) so originalgetreu wie möglich wieder aufgebaut werden und Architektenwettbewerbe sollten sich nur auf kulturhistorisch unbedeutende Innenräume beschränken (von denen es im Schloss eine Menge gab !).
Lieber langsam und gediegen als pfuscherig und schnell..
Achja, die Finanzen...In diesem Lande sind die Reichen über Gebühr immer mehr entlastet worden und dann natürlich die üble Rolle der Zockerbanken - da müssten natürlich Veränderungen eintreten (hoffentlich !) - dann sollte ja wohl genügend Geld in einer der produktivsten Volkswirtschaften der Welt auch dafür da sein !
Ich persönlich wundere mich immer wieder, was die Leute am \"Palast der Republik\" finden - für mich (auch als ehem.DDR-Bürger) war es immer eine makabre Geschichte, dass er sich teilweise auf dem Schlossgelände befand - ich hätte mir so einen künstlerisch unbedeutenden Mehrzweckbau aber durchaus an anderer Stelle vorstellen können, vielleicht in einm modernen Stadtteil.
Fürs Erste bleibt nur, einen wehmutsvollen Blick in die zahlreich vorhandene Schlossliteratur zu werfen, die von vergangener Schönheit zeugt, aber vielleicht vollzieht sich ja doch noch einiges zum Besseren, die Hoffnung stirbt zuletzt...