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Wilhelm von Boddien
FreiburgerJurist
schrieb am 5. Mai 2010 um 7:11
Das ist schon ziemlich starker Tobak, den Sie mir da an den Kopf werfen, zumal Sie doch wieder diese elende Diskussion aufgenommen haben, dass das Schloss an sich gefährlich ist und für die schlechten Seiten der deutschen Geschichte steht. Nebenbei werfen Sie immer mal wieder Nebelbomben, wenn Sie die Umsetzung und Rekonstruktionen im Allgemeinen kritisieren.
Die Leser mögen sich selbst ihr Urteil bilden. Ich lasse mich aber nicht auf ein derartiges Niveau herab, auf dem wir uns gegenseitig unhaltbare Anschuldigungen zukommen lassen.
Zu ihrer Kritik an Preußen:
Sie werfen hier zwei Begrifflichkeiten ziemlich wild durcheinander. Man muss zwischen Preußen und dem Nationalstaat klar unterscheiden. Preußen war immer eine Idee und eine Staatsräson. Nicht umsonst sagte ein Pole \"Preußen konnten wir werden, nur Deutsche nicht.\". Die Nation ist eine liberale Idee, die mit den Forderungen der Demokratie Hand in Hand ging. Sie mögen den Nationalismus ja sehen wie Sie wollen, aber mit dem Preußen des Großen Kurfürsten oder Friedrichs des Großen hat das nichts zu tun, mit einem Barockschloss schon gar nicht.
Auch wenn Sie das Schloss als Symbol vehement ablehnen, so möchte ich Ihnen doch eines sagen. Die Leute, die das Schloss, die Berliner Bauakademie, die Garnisonkirche in Potsdam oder die Frauenkirche in Dresden aufbauen wollen bzw. schon aufgebaut haben, zeigen doch eines: Wir wollen nie wieder Krieg! Jede militärische Auseinandersetzung würde diese Gebäude massiv bedrohen und sie mit hoher Wahrscheinlichkeit abermals zerstören. Es kann eigentlich kein deutlicheres Zeichen gegen Krieg geben, als das Bestreben solche Kunstwerke zu rekonstruieren. Jeder der einen Stein für das Schloss spendet und die jahrelangen Diffamierungen der Rekonstruktionsgegner auf sich genommen hat, wird dieses Werk um jeden Preis vor abermaliger Zerstörung bewahren. Dazu braucht es kein \"Vereinnahmung durch braunen Schmutz\" oder \"Unterwandern der Demokratie\".
\"Ich bin für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, weil ich die Stadt liebe und weil es das schönste und würdigste Gebäude ist, das ich mir an diesem Platz vorstellen kann. Faschistische Feldherren haben die Zerstörung des Schlosses in Kauf genommen, Banausen haben die Ruine vollends pulverisiert. Gerade deshalb: Berlin braucht dieses Schmuckstück, und die Anstrengung, es neu entstehen zu lassen, zeigt der Welt, dass wir nie wieder Krieg wollen.\"
Manfred Krug, Schauspieler