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Wilhelm von Boddien

 

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Kreuzberger schrieb am 31. März 2010 um 0:42
Herr Hartmann, ich kann mich erinnern, daß Sie die kitschig-geschmäcklerische 60er-Jahre-Bekrönung der Domkuppel einmal als \"schön\" und angemessen verteidigt haben. Aus meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, daß man in solchen Fällen nicht gegenargumentieren kann, ohne die ästhetische Sozialisation seines Gegenübers komplett in Frage zu stellen, weswegen ich die Sache auf sich beruhen ließ. Inzwischen bin ich aber der Meinung, daß man gerade solch krasse Fälle fahrlässiger und unüberlegter Entwertung historischer Bausubstanz anprangern muß, wo immer sie einem begegnet. Man trifft sie auf Schritt und Tritt und wenn es nur hässliche Baumarkt-Beschläge an aufwendig getischlerten Gründerzeit-Türen sind. Unsere Gesellschaft ist ästhetisch dermaßen entsensibilisiert und von unserer marktmächtigen Kitschindustrie so gehirngewaschen, daß Feinabstimmungen in Form, Farbe, Stil und Material für die Gestaltung des öffentlichen Raums längst routinierten Bürokraten überlassen werden können, deren Designhorizont über Ikea, Obi und Domäne nicht hinausgeht. Man kann Schönheit durchaus definieren. Nicht exakt, aber in einem gewissen Rahmen. Zuerst muß man aber lernen zu sehen. \"Die gemordete Stadt\" ist aktueller denn je!
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