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Wilhelm von Boddien
Maus
schrieb am 12. Januar 2010 um 16:08
Nun, wer sagt dass ich mich allein auf T. Mann beziehe?
Und warum möchte man suggerieren, aus Romanen sei nichts zu lernen? Dem Leser wird doch durch Ihre Zeilen nur allzu deutlich vorgeführt, wessen Geistes „Schloßbauer“ sind (oder sein können), und das es hier nicht nur um „schöne Architektur“ geht.
Ein rekonstruiertes Schloss als Symbol, symbolisiert eben nicht nur dass, an das Sie gerade denken möchten, sondern symbolisiert alles was damit verbunden ist.
„Der Untertan“ ist z.B. ein Gesellschaftsroman, und ein Sachbuch muss ich nicht interpretieren.
Es ist doch nur zu bezeichnend, dass man glaubt, aus nichts anderem als Sachbüchern Erkenntnisse gewinnen zu können. Das ist auch eine Frage des Anspruchs.
Im Übrigen kenne ich deutsche Geschichte, vielleicht mehr als Sie glauben, doch muss ich auf diese nicht stolz sein. Ich bewundere viel, was die Zeit hervorgebracht hat, d.h. die Menschen, ihre Leistungen. Und es gibt genauso viel dabei, was in unserer heutigen Zeit nicht wiederholt werden muss.
Stolz an dieser Stelle finde merkwürdig. Was heißt das? Ich bin auf unsere Nation stolz, und auf die des Nachbarn nicht? Wo wir dann ankommen weiß der Leser schon.
Auf eine Nation stolz zu sein beinhaltet auch das Negative, und auf die negativen Aspekte der dt. Geschichte bin ich nicht stolz. Im Gegenteil, diese Besonderheit erfordert Sensibilität, die mir aber eigentlich nicht wehtut.
Hören Sie sich doch einmal reden! Was ist denn die Nation? Ist diese nicht längst wieder zu einer Phrase geworden? Sind Interessen schon längst nicht mehr an Nationen gebunden?
Das 19.Jahrhundert sah erst diese Nationen. Der Leser soll doch einmal „nachgrasen“ seit wann sich Nationalflaggen, Nationalhymnen usw. etablierten. Gewiss waren Nationen wichtig, aber auf ihnen fußt der Nationalismus, den die Geschichte zuvor in dieser Form nicht kannte, schon gar nicht „2000 Jahre“. Auch nicht die dt. Geschichte.
Mit Nationalgefühlen sollte die Masse „dirigiert“ werden, damit sie dahin läuft, wohin man sie haben wollte. Schon vergessen?
Und aktuell?
In einer europäischen Union, in einer Welt, in der alle Beziehungen dichter werden, in der die Wirtschaft längst „übernational“ operiert, ist es umso wichtiger diese Kleingeistigkeit zu überwinden. Das ist durchaus möglich, auch ohne seine Vergangenheit vergessen zu müssen. Das Progressive, das in der Geschichte hervorgebracht wurde, würdigt man wohl besser an Orten, an denen der Geist noch spürbar werden kann, in Rekonstruktionen, bzw. Neuschöpfungen, die ja doch nur ein Theater bilden werden ist das irgendwie komisch …
Letztendlich sind sich die Menschen die sich in der gleichen Situation befinden näher, haben ähnlichere Interessen, als etwa der Milchbauer und der Supermarktkettenbetreiber mit der selben Nationalität.
„Die Geschichte vor 1933 ist nicht die Vorgeschichte von 1933!“ – schreiben Sie.
Alles klar, - ist das nicht die Bequemlichkeit die keinem wehtut?
So etwas hier, und von Ihnen zu hören wundert mich nicht. 1933 haben Ihrer Meinung nach die Aliens das Ruder übernommen. Auf diesem Niveau bleibt mir nichts zu sagen?