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Wilhelm von Boddien
Kreuzberger
schrieb am 9. November 2009 um 23:48
@Maus:
Ich denke, es geht hier darum, daß einige der Meinung sind, daß weltstädtisches Flair allein durch zeitgenössische Architektur zu erreichen ist. Andere wiederum verweisen darauf, daß viele Megastädte kulturell nicht mehr aufzuweisen haben als regionale Metropolen wie Stuttgart oder Leipzig (sorry!).
Wirkliche Metropolen beziehen ihre Attraktivität jedoch aus ihrer Geschichte und nicht nur aus ihrem gegenwärtigen Image. Paris, London oder New York wurden nun mal nicht zerstört wie Berlin. Sie haben noch ihre historischen Bezugspunkte und darüberhinaus all das Neue, das darauf aufbauen konnte. Nur Neues interessiert keinen und je mehr Geschichte an einem Stadtbild abzulesen ist, desto aufregender werden Gesamtzusammenhänge, die mal kontrastierend oder auch harmonisch ineinandergreifen.
In einem Artikel des heutigen Tagesspiegels wurde ein Aspekt gestreift, den ich vorhin schon mal ironisch angesprochen habe: Die schon zum Tabu erstarrte Berliner Traufhöhe. Hildegard Knef sang bereits vor 40 Jahren: Berlin ist viel zu flach gebaut für die Schönheitskonkurrenz...
Hier sollte die Kritik ansetzen, wenn man Provinzialismus und Rückwärtsgewandtheit beklagen möchte. Die Farce um das Spreedreieck ist sowas von typisch für die Schrebergärtnerideologie unserer Verwaltungen! 12 Stockwerke, mehr Schattendasein war keinem Nachbarn im Umkreis von 100 Metern zuzumuten! Modernes großstädtisches Bauen muß auch mal Gelegenheit haben, in die Höhe zu streben. Nicht flächendeckend, sondern akzentuierend. Wenn sich diese Einsicht auch bei uns endlich einmal durchgesetzt haben sollte, kann ich mir Vergleiche mit wirklichen Metropolen zu Gemüte führen, ohne mich für unsere Stadt zu schämen.